Angst

Es geht immer noch darum, dass ich dieses Bild von dem Monster, dass ich als Kind gewesen sein muss – aufzugeben.

Dieses Bild ist nicht mehr aus Überzeugung da (glaube ich), sondern als Schutz – ein Festklammern an dem „selbst schuld“, weil die Alternative das „ich konnte nichts tun“ wäre – die Ohnmacht, Hilflosigkeit, das Ausgeliefertsein – das so viel schwerer auszuhalten ist – denn solange ich einen Anteil an der Schuld habe, konnte ich wenigstens etwas tun.

Wir nähern uns an – und doch ist da ein Teil in mehr, der mehr als nur Angst hat, der das Gefühl hat, wenn ich das aufgebe, falle ich.

Unaufhaltsam – ich falle in den Schmerz und in die Ohnmacht, in die Verzweiflung und Fassungslosigkeit, in das verloren fühlen und ausgeliefert.

Für all diese Gefühle gibt es keinen Plan, keine Möglichkeit damit umzugehen, keine anderen Erfahrungswerte als die von damals – die dazu führten, dass ich mich an diesem „selbst schuld“ festklammerte.

Die Angst in all diese Gefühle zu fallen – und darin unterzugehen, zu ertrinken. Sie sind so intensiv, zu intensiv – sie drohen mich zu zerreißen.

Und nicht wissen, ob es „nur“ die Angst ist oder ob es die Folge sein wird, weil ich nicht weiß, ob ich es ertragen kann.

Ob dieser Teil, der sich da so wehrt, mehr als Angst ist – ein Widersacher ist und sich aufbäumt oder ob es Schutz ist, weil er nötig ist – dieser Schutz. Und diese Ungewissheit macht es schwer sich gegen die Angst zu stellen.

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6 Antworten auf Angst

  1. ariadne sagt:

    vielleicht kannst du ja in der therapie ein „auffangnetz“ für deine seele entwickeln / aufbauen, bevor du das monstersein aufgibst.

  2. Ilana sagt:

    Das machen wir ja – im Moment über die idealen Eltern, die ein „Kennenlernen“ ist – wie es eben auch hätte sein können – als Kind mit liebenden Eltern. Es ist wieder mal mehr meine Ungeduld – dieses „es braucht halt Zeit“ – aber ich weiß auch, dass wir da auf dem richtigen Weg sind – und das ich da Geduld aufbringen muss – es braucht Zeit – es muss dieses Vertrauen wachsen, dass das Netz auch hält – es hat schon so viel gehalten – aber das ist ein neuer Schritt – und einer, den ich nicht zurückgehen kann, wenn ich ihn gegangen bin – es ist ein großer Sprung – der viel Vertrauen voraussetzt – in mich, meine Skills aber auch in den Thera, weil es auch bedeutet sich auf ihn noch mehr einzulassen – und da merke ich auch – es ist nicht das Vertrauen in ihn, sondern das in mich – und meine Fähigkeiten, das noch nicht so da ist, wie ich es gerne hätte.

    Darum geht es ja jetzt schon seit einigen Wochen/Monaten – und es gelingt auch Stück für Stück mehr – aber damit wird es auch „gefährlicher“ – weil der Zeitpunkt näher kommt, wo es darum gehen wird diesen Schritt endgültig zu gehen – von daher ist es auch ein Zeichen, dass wir da weitergekommen sind (denn sonst wäre das ja noch so weit weg und daher keinen Gedanken wert 😉 )

    Bisher war klar ich „brauche“ diesen Schutz noch – es war glasklar – doch das ist es jetzt eben nicht mehr – auch wenn es noch kein klares „ich brauch ihn nicht mehr“ ist – doch ich muss mich da erinnern, dass mich niemand drängt – außer mir – und dass es nicht darauf ankommt dass es heute oder morgen „passieren“ muss – sondern dass es schon passieren wird, wenn es soweit ist.

  3. Barbara sagt:

    Liebe Ilana!

    Sich selbst die Schuld zu geben, bevor man sie den Menschen gibt, die man liebt und die einen beschützen sollten!

    Dieses Ausgeliefertsein unserer Kinder an uns Erwachsene…das bestürzt mich und macht mir die immense Verantworung meinen Kindern gegenüber so klar!

    Ich denke, Du hilfst mir, meinen Kindern eine gute und bewußte Begleiterin zu sein. Sie haben sich das sosehr verdient, einen guten Start, eine Basis zu haben…verdient durch ihr bloßes Sein. Mehr braucht es nicht.

    Nimm Dir alle Zeit, die Du brauchst….sie steht Dir zu, Du selbst weißt am Besten, wie weit Du bist. irgendwann wirst Du dieses kleine Mädchen in Dir lieben…einfach nur, weil es so sehr Liebens-Wert ist.

    Barbara

  4. Ilana sagt:

    Liebe Barbara – danke dir – du bist eine wunderbare Mutter und auch dafür danke ich dir. Und was das kleine Mädchen angeht – ich arbeite dran 😉

  5. Artista sagt:

    Diesem kleinen Mädchen in dir eine Chance geben…ja, das ist gar nicht so einfach, besonders wenn sie von den Menschen, die sie lieben sollten, nie eine bekam…

    Es ist für uns immer leichter uns die Schuld für das alles zu geben, als die Schuld abzugeben an die Richtigen…das macht es oft so schwierig…manchmal will ich es auch nicht…komme besser damit klar, das ich die Schuldige bin…und dann doch wieder nicht…weil ich will nicht immer Schuld sein…aber das ist so gewohnt…das heißt aber nicht, dass es gut ist…

    Ich wünsche dir auch deinen Weg damit umzugehen….das du die Kleine in dir lernst langsam als liebenswert anzusehen…

    Herzlichst
    artista

  6. Ilana sagt:

    Ach ja – ich weiß, dass es heute mehr ein Schutz ist – selbst schuld zu sein – denn der Gedanke dass ich es nicht war und dann mit der Ohnmacht und dem Schmerz und der Perversität umzugehen – ist zu viel. Das ist der Grund, warum sich die Kinder die Schuld geben – und ich merke, dass da einfach die Welt zusammenbricht.

    Mein Weltbild gründet auf diesem Monster – meine ganze Wahrnehmung gründet auf dieser Bewertung – und wenn die dann dann wegfällt – fange ich an alles in Frage zu stellen – wie ich die Uhr lese, was ich esse, was ich mag, was ich denke, fühle, empfinde – davor hab ich Angst.

    Ich war in dieser „auf den Kopf gestellten“ Welt vor ein paar Wochen – als die Überzeugung des „selbst schuld“ – ins Wanken geriet – aber ich kann das noch nicht ganz aufgeben – komme mit einer auf den Kopf gestellten Welt nicht wirklich klar – deshalb mag ich das nicht „aufgeben“, klammer mich an der Schuld fest – weil sie vertrauter ist, für den Moment einfacher auszuhalten.

    Aber ich arbeite dran – und weißt du Artista – wir werden unser kleines Mädchen irgendwann lieben lernen – ohne Bedingung und ohne Zweifel, weil wir darum kämpfen – jeden Tag – und wir werden diesen Kampf auch irgendwann gewinnen – jedes mal ein bisschen mehr 🙂

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