Neubeginn

In der Regel suche ich immer eine „seelsorgerische Begleitung“ – ich habe mit der Kirche überwiegend positive Erfahrungen gemacht – und auch wenn ich nicht an die Kirche glaube, fühle ich mich im katholischen Glauben „zu Hause“.

Im alten Wohnort hatte ich einen evangelischen Pastor, der mein „Seelsorger“ wurde – dabei geht es mir eigentlich nur darum, dass da jemand ist, der auf dem Laufenden ist – der weiß was so passiert ist und wo ich grade stehe, an was ich arbeite, wo es Schwierigkeiten gibt usw.

Das ist mir wichtig, weil ich diesen Menschen vor allem dann brauche, wenn es mir nicht gut geht, wenn ich nicht mehr die Kraft habe den Glauben zu leben, wenn ich kein Licht mehr sehe oder ich einfach das Gefühl habe „Hilfe“ zu brauchen – jemand der für mich betet, der ein Stück weit das beten und das glauben für mich übernimmt wenn ich das grad nicht mehr schaffe, der ein Licht anzündet, wenn ich keines mehr sehen kann.

Doch in diesen Momenten kann ich dann nicht erklären warum und wieso und was grade so lähmt und drückt – deshalb muss derjenige alle 3 Monate oder so kurz „auf den letzten Stand“ gebracht werden. So in etwa.

Dieser Pastor war für mich darüber hinaus auch mehr, er war der einzige (außer Therapeuten), der um die Probleme wusste, ebnete mir den Weg zum Chor und sogar zu dem Musikspiel-Projekt, durch ihn kam ich unter Leute, lernte andere kennen, mit der Sicherheit, wenn gar nichts mehr geht, kann ich mich zurückziehen ohne dass es Probleme gibt.

Das war z.Bsp. beim Chor so – für mich ist Singen was ganz besonderes – ich liebe es – und ein Chor – ein guter Chor – ist für mich was ganz besonderes. Nur leider bedeutet Chor auch Menschen – mit einer Sozialphobie ein Problem – zumal ich da nicht zu Fuß hingehen konnte.

Er sang auch dort – und nahm mich mit – mit der Vereinbarung, wenn es mir zuviel wird, gehe ich einfach und treffe ihn dann am Ende der Probe beim Auto – allerdings erst wenn die anderen Chormitglieder weg sind – weil ich dann auch keine Fragen beantworten kann, warum ich denn früher los bin. Ohne Fragen gehen die meisten davon aus, dass ich halt noch einen Termin hatte.

Anfangs bin ich häufig raus – die Chorleiterin wusste Bescheid (sie ist die wunderbare Frau, bei der ich dann auch Stimmbildung gemacht hab – im Sinne von Körpertherapie – und ich werde ihr immer dankbar sein – sie ist wirklich eine ganz tolle Frau, die einen festen Platz in meinem Herzen hat – übrigens auch die erste Frau, bei der ich mich „einlassen“ konnte – auf die Körperwahrnehmungen beim Singen – vielen Dank für alles liebe H!) – und so bin ich dann häufig einfach raus.

Nachdem dann auch geklärt war, dass sich da keiner Sorgen machen muss, ich nur „frische Luft“ brauche – war das dann auch bei den Chormitgliedern kein großes Thema mehr. Dieser Chor war und ist etwas besonderes – für mich war immer klar, dass ich keine Aufführungen mitmachen (kann) – mir ist das zuviel, mir geht es da ein oder zwei Wochen vorher superschlecht, eine Woche danach auch noch – und das ist es mir nicht wert.

Doch durch diese Möglichkeiten konnte ich auch an der Sozialphobie ideal arbeiten – und am Ende blieb ich dann auch die ganze Probe.

Auch das Musikspiel war klasse – die Proben dauerten ein Jahr – es waren ganz tolle Menschen und ich war anfangs skeptisch (weil ich eher heikel bin wenn jemand falsch singt) – doch im Endeffekt war alles nahezu perfekt – die Solisten klasse und sicher, der Chor (1-2 Leute pro Singstimme) – klasse – es war eine Art Sprechgesang – es ging um den Text – aber es war wirklich klasse.

Leider ging der Pastor dann, er hat eine berufliche Chance ergriffen – und er fehlt mir noch heute (auch wenn wir noch ab und an per mail Kontakt haben).

Seitdem habe ich keinen wirklichen „Seelsorger“ mehr gefunden, eine zeitlang war es dann Ch., der Kaplan einer Kirche hier – aber da war immer klar, dass er nur noch ein oder zwei Jahre hier sein würde und im Anschluss wollte ich nicht mit dem neuen Kaplan – einfach weil ich mich nicht alle 2 Jahre auf jemand neuen einlassen kann.

Es sprang ein ganz lieber alter Pater ein – doch auch das klappte nicht so wirklich. Er hat im letzten Jahr gesundheitlich  zurückstecken müssen und da wir uns da erst ein oder zweimal gesehen hatten, war das alles schwierig.

Seit Wochen nun (eigentlich schon seit Weihnachten etwa) – ist mir klar, dass ich mit ihm nicht weitermachen will – dass ich etwas anderes brauche, vor allem Verlässlichkeit – wenn er sagt, er meldet sich  – und so habe ich ihm diese Woche am Freitag einen Brief geschrieben. Ich hätte auch einfach gehen können, mich nicht mehr melden und gut – doch das liegt mir nicht – ich will solche Sachen klären.

Gestern abend hat er mich angerufen – ein kurzes Telefonat, aber auch ein gutes – ein gutes Abschließen des Ganzen und ich wünsche ihm wirklich alles Gute und vor allem dass es gesundheitlich wieder besser geht.

Für mich gibt es nun die Option doch nochmal den Kaplan anzusprechen – er wird noch 2 Jahre hier bleiben (ein Jahr ist er schon) und ich weiß nicht recht ob ich das wirklich will – das sich öffnen und sich einlassen auf jemanden, den ich in der Zeit vielleicht 8 mal oder wenns hoch kommt 10 mal sehen werde – um mich dann wieder neu einlassen zu müssen.

Ich kenne ihn noch nicht – das was ich bisher gesehen und gehört (eine oder zwei Predigen) habe fand ich ganz gut – aber das sagt ja noch lange nicht ob wir miteinander können.

Es gibt noch einen Pfarrer a.D. der ebenfalls eine Möglichkeit wäre – doch das muss ich erst sehen.

Jedenfalls hab ich gestern im Anflug von Wahnsinn und Mut kurzerhand bei dem Kaplan auf den Anrufbeantworter gesprochen – tu ich eigentlich nicht am Wochenende und überhaupt fällt mir sowas eher schwer (entsprechend chaotisch klang das wahrscheinlich auch) – doch sein Text auf dem AB – den fand ich klasse – richtig klasse (da störte auch nicht dass sein Name fehlt – und ich nicht recht wusste ob ich denn beim richtigen gelandet bin).

Und kurz vor neun hat er zurückgerufen. Ich war am Telefon ganz komisch, konnte nicht recht was sagen und es war glaub ich kein so guter Start – aber wir wollen uns am Montag treffen und dann sehen wir weiter. Er ist dann für drei Wochen weg, deshalb auch so kurzfristig – nehm ich mal an.

Ich bin gespannt wie es sein wird.

Ich suche keinen Therapeuten – denn ich hab einen (sogar zwei) gute(n), ich suche auch niemand der mir den Glauben nahe bringt oder Zweifel zerstreut – das Problem hab ich nämlich – Gott sei Dank – nicht.

Aber ich brauche jemanden, der zuhören kann, der bereit ist dann sich mit einem Anruf zufrieden zu geben (oder noch besser einer mail), dass es mir grad nicht gut geht und ich ihn bitte für mich doch grade das Glauben, Hoffen, Beten oder was auch immer ein Stück weit mit zu übernehmen.

Ich wünsche mir auch ein Gegenüber – er muss nicht in allem meiner Meinung sein, muss mir nicht nach dem Mund reden (das hasse ich sehr), er sollte seine Grenzen auch wahren, mir lieber sagen, wenn er grad viel um die Ohren hat, weil es mir dann leichter fällt mich auch mal zwischendrin zu melden – das kann ich nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass er das Gefühl hat er „muss“ dann auch Zeit haben.

Mir ist lieber er fragt nach wenn er etwas nicht versteht, als dass er aus Vorsicht und der Angst was falsches zu sagen lieber schweigt und dann auch nicht nachvollziehen kann warum dieses oder jenes grade solche Wirkungen bei mir erzeugt.

Ich bin sehr gespannt ob wir miteinander können oder wie das morgen werden wird.

Aber ich bin vor allem heilfroh, dass ich das mit dem klären konnte, mit dem es eben nicht so lief – denn das lag mir schon seit Wochen im Magen.

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Eine Antwort auf Neubeginn

  1. Violine sagt:

    Alles Gute für die Zukunft!
    Chor ist toll, etwas ganz anderes als Orchester, weil der ganze Körper beteiligt ist. Und Stimmbildung ist eine feine Sache. Habe ich auch schon gemacht.

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