Schutz

Viele Blogs die ich lese ziehen um – nicht weil es um besser Funktionalität geht sondern um sich zu schützen.

Ich kenne dieses „schützen müssen“ – aus dem realen Leben. Auch mein Tagebuch schreibe ich schon Jahre online, aber bis zu diesem Blog auch geschützt.

Es macht mir aber auch deutlich, dass ich mich heute nicht mehr so schützen muss – und dafür bin ich sehr dankbar. Die Person, die damals zur Gefahr wurde, gibt es nicht mehr. Er ist mittlerweile verstorben. Es gab nochmal das Problem der Verfolgung, doch auch das ist mittlerweile – Gott sei Dank – nicht mehr gegeben. Meine Familie – war nicht in diesem Sinne eine Gefahr – auch wenn ich froh bin, dass die meine aktuelle Adresse nicht kennen (weil so mancher Alptraum darin bestand, dass da jemand von der Familie plötzlich vor der Tür steht) – aber von der Familie ging nie diese Art von Gefahr aus.

In mir merke ich da vor allem eine große Dankbarkeit – aber auch,  dass ich diese Zeit sehr verdrängt habe. Dabei war es, als ich damals noch in Biberach gewohnt habe, teilweise mehr als nur heftig.

Vor ein paar Jahren hab ich meinen Namen geändert. Das passierte damals nicht aufgrund von Stalkern oder Bedrohung, sondern mehr für mich – dennoch hatte ich damals überlegt ob ich es so mache, dass der alte Name nicht mit dem neuen in Verbindung gebracht werden kann (dazu muss man die Gefährdung nachweisen). Es war auch gar nicht so die bewusste Entscheidung, die Person wegen der das unbedingt nötig gewesen wäre, war bereits tot und der Rest war irgendwie „Kleinkram“.

Außerdem hab ich den Namen wegen meiner Kindheit geändert – mein Name war für mich ein Trigger, jedesmal wenn ich unterschreiben sollte. Ich hab die Änderung nie bereut – im Gegenteil, der neue Name war von Anfang an „meiner“, er war „ich“.

Ich hab ihn nach Bedeutung ausgewählt und natürlich auch nach Klang des Namen. Er besteht aus drei Namen und beinhaltet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Mir war immer klar, dass ich mit dem neuen Namen die Vergangenheit nicht löschen kann – das war auch nie die Intention – aber der Name war ein Neuanfang für mich – endlich mein Leben zu beginnen, den Weg zurück ins Leben anzugehen.

Er war mir nie fremd – hingegen ist das mein alter Name für mich heute schon – er triggert nicht mehr – er ist fremd – das bin einfach nicht ich.

Ich bin sehr froh, dass es heute für mich keine aktuelle Bedrohung gibt, keine Stalker oder was auch immer – doch es wird mir erst jetzt wirklich bewusst – was das  bedeutet – und auch was es bedeutete, eben doch diese Bedrohung zu leben – und ich fühle einfach nur eine tiefe Dankbarkeit, dass ich wirklich leben darf – dass ich mich keinen Menschen mehr stellen muss, die mir nach dem Leben trachten, die mir mein Leben vergällen wollen oder mich terrorisieren.

Aber es hat mich auch nachdenklich gemacht. Ich hatte überlegt ob ich mein Impressum ändere – doch meinen vollen Namen nenne, evt. sogar die Adresse. Denn eigentlich hab ich nichts zu befürchten, egal wer das liest – keiner kann mir daraus einen Strick drehen.

Trotzdem werde ich das nicht machen – werde das Impressum so lassen wie es ist – jeder kann nachfragen, aber ich behalte mir vor diese Daten erst auf geprüfte Nachfrage rauszugeben.

Wenn ich meinen Namen bei google oder anderen Suchmaschinen eingebe, finde ich nichts – und das finde ich gut. Ich hab keine Angst vor potentiellen Arbeitgebern oder so – aber ich möchte kein gläserner Mensch werden – vor allem nicht für Ämter und Behörden (dazu hab ich damit einfach noch viel zu große Probleme – die nichts mit heute zu tun haben, aber ich will nicht dass jeder Sachbearbeiter meine Geschichte nachlesen kann wenn es ihm passt, vor allem weil dann die Gefahr besteht, dass einzelne Teile herausgenommen werden – aus dem Ganzen – und ich nicht das Vertrauen habe, dass die da nicht doch einen Strick draus zaubern).

All jenen, die sich immer noch schützen müssen: ich wünsche euch ganz viel Kraft und vor allem wünsche ich euch, dass ihr den Schutz findet, den ihr braucht um wieder leben (lernen) zu können.

Heute wird eine Extrakerze hier stehen – für all jene die Schutz brauchen, damit er hält und wirklich ausreichend und gut schützt – und dass sie darauf vertrauen lernen können.

Und es wird eine für jene hier stehen, die den Schutz noch nicht haben, aber ihn dringend brauchen, dass sie die Hilfe bekommen, dass sie bald den nötigen Schutz bekommen

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3 Antworten auf Schutz

  1. Violine sagt:

    Wie schön, dass der problematischste Mensch in Deinem Leben Dir nicht mehr kann. Und wie traurig, dass das erst der Tod lösen musste.
    Es ist so ekelhaft, sich dauernd schützen, sich dauernd abschotten zu müssen. Ich muss es nicht mehr und bin so dankbar dafür. Es war nicht der Tod, der das gelöst hat, aber was des Rätsels Lösung ist, das weiss ich jetzt auch nicht.

    Ja, eine Kerze für alle schutzbedürftigen!

  2. Ilana sagt:

    Es war einer der problematischen Menschen, er war mal ein guter Freund, der krank wurde und damit nicht klar kam. In seinen Augen war es meine Schuld, dass er krank wurde. Es war eine schlimme Zeit, doch es war auch eine Zeit, in der ich wegen meiner Geschichte eh ständig dissoziiert war, deshalb ist diese Zeit irgendwie wie im Nebel. Auch danach gab es Stalker und körperliche und psychische Bedrohung – doch die war irgendwann vorbei. Ich hab zweimal meine Telefonnummer ändern müssen – wegen Telefonterror – ich bin immer noch vorsichtig wer die Nummer bekommt.

    Und doch ist all das irgendwie so weit weg – nicht aufgearbeitet, aber teilweise konnte das nur so passieren, weil mich meine Kindheit zum Opfer gemacht hat – und ich immer noch in dem Opferverhalten verankert war.

    Heute würde es diese Bedrohungen nicht mehr geben, vielleicht ist genau das was mir die Sicherheit gibt – dieses „ich bin kein Opfer mehr“, ich kann mich wehren und tue das auch – und ich suche mir da sofort Hilfe – und diese Stärke schreckt Täter ab – denn die suchen sich genau die, die sich nicht wehren können.

    Es waren Folgen des Missbrauchs in der Kindheit. Es war ohne Frage eine schlimme Zeit und irgendwann werde ich auch da ranmüssen, doch ich weiß aktuell nicht mal ob mein Thera von dieser Zeit weiß – sie ist einfach schon zu weit weg für mich – und das ist – für den Moment – gut so.

  3. Violine sagt:

    Ja, das mit dem Sich-wehren-Können und dieser wehrhaften Ausstrahlung, das hilft viel. Eine Freundin meinte mal, dass mein Blog so wirke, als könne ich tüchtig ausschlagen (sie hat das anders ausgedrückt), und deswegen hätte ich so wenige Probleme mit seltsamen Kommentatoren.
    Manche Leute allerdings, die leben so intensiv in ihrer eigenen Welt, die spüren das nicht. Und die müssen dazu nichtmal tief gestört sein.

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