Prioritäten

Es war die richtige Entscheidung nicht in die Tischlerei zu gehen, dennoch hader ich damit.

11 Minuten auf dem Ergometer und ich kippe fast herunter – schon während der Zeit, alles was zählt ist „durchhalten“ – nicht mal die 11 Minuten – „nur noch ein bisschen“ – bis es dann doch irgendwann 11 Minuten sind. Mir ist speiübel und ich brauche weitere 8 Minuten um vom Ergometer zu steigen.

Zum ersten Mal nicht dieses Gefühl von „geschafft“ – weil da keine Kraft mehr über ist – Körper und Geist mit anderem beschäftigt sind – sitzen/stehen zu bleiben, einen Schritt zu gehen usw.

Gestern ging es ja nicht und das hat ziemlich „reingehauen“ – psychisch. Es gelang der Kampf gegen diese Verzweiflung und Wut – aber über blieb auch einiges an Frust.

Es dauerte eine Weile bis ich das genauso „ausgeblendet“ habe, wie alles andere auch.

Ich hab keine Kraft dafür diese Maus in der Küche zu jagen (hätte eh nicht viel Sinn, denn hinter die Küchenschränke komm ich nicht, ich will auch nicht dran denken, dass diese Fuge von der Arbeitsplatte beim Kühlschrank gebrochen ist, als wir das gestern ausbauten – und dass ich da höllisch aufpassen muss grade, dass es nicht nass wird und möglichst bald die wieder abdichten muss (was grade alles was die Küche angeht, kochen, abwaschen usw – noch schwerer macht).

In einer dreiviertel Stunde werde ich abgeholt – zur Thera – und muss noch unter die Dusche – dringenst – aber allein der Gedanke macht mich fertig – es ist anstrengend und mühsam und ich überlege ernsthaft den Theratermin telefonisch abzuhalten (und allein das erschreckt mich zutiefst – nicht das Telefonieren – das auch – aber dass ich überlege einen mir so wertvollen Theratermin quasi „abzusagen“ – weil telefonieren ja eh nicht so klappt).

Es ist ein Gefängnis – und das ist glaub ich das was mich so hadern lässt – denn der Antrieb ist da – das Gefühl etwas tun zu wollen, es in Angriff zu nehmen, einfach auf zu stehen und los zu legen.

Dabei sind es heute nicht die Schmerzen, die sind da – aber mehr so als „alles tut weh“ und sicher in der Wahrnehmung beeinträchtigt. Es ist auch nicht die Kraftlosigkeit – die ausgeblendet ist – und da auch erstmal bleiben muss. Aber was ist es dann?

In mir wehrt sich alles gegen die Einschränkungen, die des Körpers, aber auch sonst – dieses „geht grade nicht“, das ständige auf irgendwas Rücksicht nehmen müssen. Dabei hab ich es noch gut – denn ich muss auf niemanden anderen Rücksicht nehmen, nur auf mich.

Es ist nicht so, dass es mir schlecht geht – aber es geht mir auch nicht gut. Ich bin unruhig, aber grade zur Passivität verdonnert. Gleichzeitig ist alles grade nicht so klar – irgendwie ein zusammen gepanschtes Etwas – aus all den vielen ausgeblendeten Dingen – der Körper, die Schmerzen, dass ist von dem Ganzen nur ein Teil, der, der grad greifbar ist, weil unübersehbar und eben nicht ganz ausblendbar.

Wie ein Kind, das die Augen zumacht und sich schlafend stellt – weil: was man nicht sieht, ist nicht. Gleichzeitig aber trotzdem lauschend was denn die „Erwachsenen“ so sagen wenn sie glauben dass man schläft. Ein eigenartiges Gefühl.

Schlafend stellen hat mich schon damals nicht geschützt – vielleicht ist das der Grund warum ich damit nicht so klar komme.

Da ist aber auch das kleine trotzige Kind in mir, dass schmollend das Gesicht verzieht, die Arme verschränkt und mit dem Fuß aufstampft und sagt: „ich will aber nicht!“

Will keine Prioritäten setzen müssen – tu es nur unwillig und damit nützt es auch nicht so sehr – die Tischlerei als Beispiel – ich hätte die Zeit nutzen können um Ruhe zu haben, damit es auch einen Sinn macht nicht hinzufahren – weil deshalb hab ich sie ja abgesagt. Stattdessen steige ich auf den Ergometer und hader dann mit den Konsequenzen – und wieder mit diesem „will nicht“ – das einfach nicht sein darf – aber kein „kann nicht“ ist (oder darf es nur kein „kann nicht“ sein?)

Ja ich höre hin – aber will die Antwort nicht hören, interpretiere sie dann doch so wie es mir lieber wäre.

Ja ich spüre hin – doch das was ich spüre fällt mir sehr schwer zu akzeptieren

Das Ernst nehmen und mit Fürsorge betrachten fällt schwer – bedeutet es doch Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen, was wiederum sehr schwierig ist grade.

Verantwortung übernehmen und entsprechend handeln – dem trotzigen Kind zwar Raum geben, aber nicht die Oberhand – das ist wohl mein aktueller Job wie es scheint – also sollte ich mich da mal dran machen.

Zum Beispiel in dem ich jetzt unter die Dusche gehe – hab eh nur noch 25 Min Zeit (inkl Haare föhnen und alles fertig).

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