Gewitter oder Thera heute

Kennt ihr das, wenn die Luft zum schneiden dick ist – ihr fast durchdreht beim Atmen, eher das Gefühl habt nicht richtig Luft zu bekommen, weil die Luft so schwer ist – so voll von der Schwüle, dem Gemisch aus Feuchtigkeit und Hitze und man nur noch das reinigende Gewitter herbeisehnt?

So waren die letzten Tage – in mir – es brodelte und schwelte und wurde immer dichter und mehr – und irgendwie war nur noch ein „nicht mehr aushalten“ da. Zu viele Themen, zu viele Gefühle die da waren, aber nicht greifbar, nicht entfliehbar – alles „ausgeblendet“ – doch dadurch ist die Suppe nur dicker geworden.

Es gärte und ich war wütend auf mich, weil ich inkonsequent war, alles so anstrengend war ich mit allem und jedem unzufrieden war – weil mich diese innere „Schwüle“ zu erdrücken drohte.

Wissend, dass es an mir liegt ein Gewitter zuzulassen, in der Thera – aber gleichzeitig nicht wissen, dass ich ein Gewitter brauche.

Heute in der Thera – das war wie  ein kurzer Regenschauer – der klar machte – ja genau das will ich, brauch ich – ein Gewitter.

Der Versuch etwas zu erklären, was mir selbst nicht klar war – ein drauflos“sprudeln“ von Worten und dann feststellen: hey das stimmt – was hab ich da grad gesagt?

Eine der wertvollsten Erkenntnisse: ich hatte Probleme – mit dem Annehmen der „idealen Eltern“ – wirklich diese Geborgenheit spüren und nicht nur die Sehnsucht. Doch vor zwei Wochen glaub ich – da war es möglich. Der Grund: wir hatten vorher eine MB-Situation aufgegriffen, bei der wir gelandet waren – und dadurch dass die Gefühle sein durften, die dieser MB auslöste – auch zu erfahren wie andere Eltern damit umgegangen wären um die Sehnsucht zu spüren – und dann an einem ganz anderen Punkt (altersmäßig) einfach zu spüren wie es gewesen wäre – mit den idealen Eltern (wir hatten da die Schwangerschaft aufgegriffen, der Thera erzählte einfach wie die Eltern sich freuen auf das Kind, was sie tun, sagen usw) – da konnte ich mich auch darauf einlassen – auf diese „alternative Realität“ – ansatzweise – weil diese Gefühle auch neu sind – und somit sowieso erstmal nur „vorsichtig“ da sein „dürfen“).

Es war dann klar dass es wichtig ist – dass diese Koppelung „Realität von damals“ und „ideale Eltern“ – dass das nur geht – wenn beides Raum hat und auch – vorläufig – in kurzzeitiger Kombination da ist.

Warum?`Meine Mutter bastelte sich ihre „eigene Realität“, das was nicht „sein durfte“, war nicht und wurde passend gemacht – dazu gerne auch mal um 180 Grad gedreht. Nur „ihre“ Realität zählte, die andere war Tabu.

Eine alternative Realität aufzubauen geht für mich daher nur, wenn die wirkliche auch sein darf, wenn die direkt daneben existieren kann, wenn die Gefühle die der MB auslöst – auch sein dürfen (was sie damals ja nicht durften) – wenn sozusagen dieses „Bedürfnis“ gestillt wurde, dass die Gefühle sein dürfen, dann dürfen auch andere sein – in der Vorstellung.

Dennoch machen diese „anderen“ Gefühle auch Angst – weil sie das Bild vom „Monster“ aufweichen, ein Kind zeigen, ein unschuldiges und liebenswertes Mädchen, was so gar nicht zu meinem Schutzbild des Monsters passt.

Es arbeitet also auf einen Umbruch hin – was ebenso Angst macht.

Das alles macht Angst und unsicher – erklärt, warum so viel „wehren“ da ist – in mir. Aber es machte auch klar dass es eigentlich nicht um ein „keine Kraft“ geht, sondern um ein „den nächsten Schritt nicht gehen wollen und deshalb rumeiern“.

Ja – so ein Regen kann manchmal gut tun – auch wenn die Tropfen nicht so angenehm sind – irgendwie waren diese Erkenntnisse so klar und „schon lange da“ – aber eben nicht recht fassbar.

Es ist also klarer wie es weitergehen wird – weitergehen sollte – und ich muss nur „ja“ dazu sagen.

In der Thera wird es weiterhin um Situationen aus der Vergangenheit gehen müssen, denen dann Situationen gegenübergestellt werden, wie die Kindheit mit den idealen Eltern gewesen wäre – um da auch hinspüren zu können – nicht nur dem „wäre schön gewesen“ und der Sehnsucht, sondern auch der Geborgenheit, dem geliebt werden.

Die Sehnsucht wird der Übergang sein – also MB-Situation mit den entsprechenden Gefühlen des Kindes in der Situation, weil diese ja nie sein durften – sie müssen,  eine Berechtigung bekommen, dazu brauchen sie auch die Sehnsucht – also ein Beispiel wie jemand anderer reagieren würde, was für Gefühle „angebracht“ wären – Beispiele dafür wie andere das sehen, welche Gefühle es auslösen könnte und auch Betroffenheit klar machen, wie würden liebende Eltern reagieren – damit das Kind nachspüren kann, was es gebraucht hätte, gewünscht hätte.

Auch diese Sehnsucht braucht ihren Raum, sie ist es, die die Tränen meist dann fließen lassen kann.

Und wenn die dann auch „ausgelebt“ wurde (ist ja meistens dann so dass es da wie eine Welle ist und irgendwann dann auch wieder „genug“) ist die nötige Offenheit da um sich auf die idealen Eltern einlassen zu können – auch wenn das anfangs vielleicht ebenso noch mit der Sehnsucht gekoppelt sein, aber es wird eben auch das Gefühl der Geborgenheit und der Liebe langsam spürbar werden dürfen.

Die idealen Eltern greifen ein anderes Lebensalter auf – wobei ich nicht weiß ob das wichtig ist – das müsste man vielleicht mal probieren.

Es geht darum fühlen zu dürfen und zu lernen, dass auch andere diese Gefühle für „angebracht“ halten, dazu muss ich das wissen, hören, spüren – in der Situation. Denn in der MB-Situation bin ich auch in der Einstellung von damals – der Einstellung und Wahrnehmung der Eltern, so sehr verhaftet, dass dies für mich völlig „normal“ ist und ich nicht mal dran denke, dass es auch anders sein könnte.

Allein kann ich das nicht – und es braucht die klare Entscheidung des: das will ich – so will ich weitermachen! – weil in der Situation dann doch oft die Angst oder die Widersacher gewinnen.

Welche Situationen da aufgegriffen werden ist glaub ich eher unwichtig – wobei ich zur Zeit eher dazu neige Situationen mit dem Vater aufzugreifen, weil das „sicherer“ ist – die Mutter – ein noch „zu heißes Eisen“ – grade solange ich auch diese Trennung noch nicht hinbekomme – dass die idealen Eltern nicht die eigentliche Realität „verdrängen“ – nicht bedeuten, dass das was war, nicht sein darf – auch heute noch nicht – das hängt ja grade mit der Mutter zusammen.

Außerdem sind die Situationen mit dem Vater irgendwie „klarer“ für mich, „umgänglicher“. Vielleicht geht es nicht mal um eine konkrete Situation sondern um „Beispiele“ – und irgendwie ist seit der Magenspiegelung da eh ständig eines im Raum.  Vielleicht wäre ein Ziel irgendwann dahin zu kommen, dass der Anfang ein: welche Situation fällt mir ein, wo ich mir ideale Eltern gewünscht hätte. Doch das ist eher Zukunft.

Wichtig ist, dass es auch um die MB-Situationen geht – um die Gefühle in der Situation – das ist auch wichtig, um irgendwann das Monster nach und nach loslassen zu können – es wird sich aufweichen – durch die Arbeit mit den idealen Eltern – Stück für Stück – und die Sehnsucht muss ihren Raum bekommen, damit auch die Geborgenheit und die Liebe ihren Platz bekommen können – denn die dürfen – noch – die anderen Gefühle nicht verdrängen – es geht erstmal nur ums kennenlernen.

Meine Realität ist immer noch das Monster – auch wenn es nicht mehr so die Überzeugung ist, sondern ein Schutz. Fr. A. sagte damals, dass ich mich erst um meine Bedürfnisse kümmern kann, wenn die der anderen versorgt sind – hier ist es ähnlich – das „neue“ darf erst Raum haben, wenn das Alte seinen Raum hat – grade, weil das Alte eben seinen wirklichen auch noch nicht hat.

Die idealen Eltern werden irgendwann stark genug sein, damit ich das Monster nicht mehr brauche – doch das ist noch ein langer Weg – und bis dahin – muss beides Raum bekommen, möglich sein, es irgendwie „zusammen“ gehören – als Gegenteil, Gegenbeispiel, Gegengewicht.

Das mag nicht die „normale“ Vorgehensweise bei der Arbeit mit den „idealen Eltern“ sein – aber es ist „meine“. Es fühlt sich richtig an, auch wenn es mir wahnsinnige Angst macht und ich grad lieber weiter weglaufen möchte.

Der Termin löste Unmengen an Gedanken aus – es sprudelte und tröpfelte und floß – ich hab bei weitem nicht alles einfangen, fassen können – aber es war gut so – es war anstrengend und manchmal schmerzhaft (so manche Einsicht tat sehr weh oder war super peinlich) – aber ich fühl mich besser.

Ja – ich will das so weitermachen

Ja – ich will diesen ganzen Ängsten und Sorgen und Widersachern den Kampf ansagen

Ja – ich will diesen Sprung wagen (für mich ist es mehr ein Sprung als ein Schritt) – aber ich brauche Hilfe dabei (und weiß auch wie die aussehen soll)

Ja – ich weiß, dass ich diese Ja’s auch bereuen werde, weil es weh tut, intensiv wird, anstrengend ist, aber ich weiß auch – dass es mein Weg ist

Ja – ich möchte – und brauche – die Klarheit, direkte Ansagen, kein „durch die Blume“, auch wenn es erstmal weh tut (das bezieht sich jetzt nur auf den Thera)

und

Ja – ich weiß, dass ich durchaus auch darauf achten muss, mir genug Ruhe zu gönnen, Auszeiten zu nehmen, Prioritäten zu setzen – dass dieses Ja auch heißt auf mich zu achten, fürsorglich und achtsam mit mir umzugehen, weil ich sonst das ganze torpediere – nicht achtsam zu sein in dem Sinne nichts anderes als destruktives Verhalten wäre.

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