Essen

Gestern war wieder so ein „nix gscheites essen“-Tag. Als ich von der Thera kam war ich einfach nur alle, vorher frühstücken geht eh nicht, weil ich nach dem Essen eine Toilette in Reichweite brauche und das in der Thera nicht hinbekomme. Aber da  ich so alle war, schaffte ich es einfach nicht mich hinzustellen um etwas Richtiges zu machen – was ja nicht so tragisch ist.

Außerdem hatte ich noch Marillen – also aß ich im Laufe des Tages etwa ein halbes Kilo Marillen (eher weniger) und hatte von Aldi noch diese Bruschetta-Brot-Chips, von denen ich auch ein paar zu mir nahm. Achja und vom  Vortag hatte ich noch etwa einen halben Liter Bananenmilch – dich auch noch trank.

So im Gesamten also jetzt nichts zum Verhungern, aber eben auch nichts Richtiges, Tragfähiges – was ich bei den Schmerzmitteln dann immer merke.

Dann zum Gebetskreis (schreib ich noch extra was zu) und kam erst um halb 11 oder so nach Hause – da hatte ich auch keinen Nerv mehr etwas zu machen, aß also noch zwei Marillen, weil ich ja zu den Medis was essen muss, damit die Teile nicht im Hals stecken bleiben (und die Schmerzmittel mögen nicht auf nüchternen Magen, hatte ich das doch schon morgens ignoriert, sollte das wenigstens am Abend nicht so sein).

Ja ich war hungrig – aber ich war vor allem einfach nur alle – nicht mehr in der Lage mir irgendwas zu machen.

So stand ich heute auf, wissend, dass ich möglichst bald was richtiges Essen sollte und hab mich ans Mittagessen gemacht (weil frühstücken mag ich irgendwie auch nicht, hab da auch selten wirklich alles für da) – Geschnetzeltes sollte es geben – wobei es mir da um die Soße geht, weniger ums Fleisch – so komm ich da schon mal mit einem Liter Flüssigkeit auf ein kleines Schnitzel. Und Nudeln dazu.

Abgesehen davon dass das Kochen (und es gab eh nur  Tütensoße heute) mich an die Grenzen der Belastbarkeit trieb (schmerztechnisch vor allem – schon bedenklich, wenn ich mich zwischendrin hinsetzen muss – und es damit so eilig habe, dass ich die Toilette wähle, weil die näher ist als das Bett (ca 1 m oder so) – aber was soll’s – das Schmerzmittel war ja schon eingeworfen, das braucht halt ein bisschen, hätte aber eh nichts geändert an der Situation, weil stehen grade ein großes Problem ist, gehen geht besser, aber auch nicht lange, eher sehr kurz.

Jedenfalls war das Essen dann fertig, in eine Schüssel gekippt (ich ess zu Hause selten vom Teller, bin ein „Schüsselmensch“) und dann neben die Hängematte gestellt.

Und ich musste mich richtiggehend zwingen etwas zu essen. Denn wenn ich länger nichts „gscheites“ gegessen habe, auch Hunger habe, ist essen schwierig.

Da muss ich einen Ekel überwinden, mir ist regelrecht übel – um ein paar Bissen reinzuzwingen, weil ich weiß, der Körper braucht das jetzt auch dringend. Meist geht es nach ein paar Bissen und nach einer sehr kleinen  Portion ist dann meist Schluß – dann fängt wieder der Ekel an.  Aber ich weiß, ab der nächsten Mahlzeit pendelt sich das wieder ein.

Ich hatte vor vielen Jahren eine Essstörung, aber keine Magersucht sondern das Gegenteil – eine Fresssucht. Es ging darum so lange zu essen bis mir kotzübel ist – je übler es mir ging, desto besser – und „die Leistung“ bestand darin, sich eben nicht zu übergeben.

Aber das was da läuft, wenn ich länger nichts oder nichts Richtiges gegessen hab – ist was anderes.

Trotzdem finde ich es eigenartig. Ich kenn das ja auch vom Trinken – da sogar deutlich häufiger. Es ist echt Mist wenn man Durst hat – so richtig heftigen Durst – vor einem steht Wasser, leckeres Wasser oder eine Schorle – und man ist kaum in der Lage einen Schluck die Kehle runterzuzwingen.

Immer wenn es in mir ziemlich zur Sache geht, fällt das wieder sehr viel deutlicher auf, gibt es da immer wieder mehr Probleme. Nicht mehr so, dass eingegriffen werden muss (weil tagelang nichts trinken können oder auch nichts essen, da gab es Zeiten da bekam ich dann so einiges an Infusionen, weil ich einfach nichts runterzwingen konnte) – und darüber bin ich heilfroh! – aber eben auch nicht entspannt und  „normal“.

Es macht mich manchmal nachdenklich. Dabei denke ich, dass es zur Zeit mehr damit zu tun hat, dass ich einfach fertig bin, kräftemäßig am Ende und auch Essen Kraft kosten (geschweige denn vom was zu Essen machen).

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