Es war nicht die Jagd …

…, nicht, dass die Maus hier rumschwirrte – sondern die Tatsache, dass ich hier jetzt ein Schlachtfeld habe, dass ich beim Ausräumen und Wegrücken schon völlig fertig war und wusste, ich krieg das heute nicht mehr wieder „in Ordnung“ gebracht und mit jedem weiteren Regal, Schrank, Stoffteil mit dem ich was zustopfte – war mehr Verzweiflung da – weil es keine freien Wege mehr gab in der Wohnung, weil ich durch die körperliche Anstrengung schon völlig am Ende war und weiß, dass das wieder zurückräumen ein Riesenproblem sein wird. Und weil ich weiß – ich kann es diesmal nicht einfach bis zum nächsten Betreuungstermin lassen – weil da schon das „Normale“ so schwierig ist und dieses Chaos hier das absolute „zuviel“ für die aktuelle Betreuungssituation wäre. Außerdem die Magenspiegelung, die eh diese Woche alles um einiges schwieriger macht.

Das Wissen, dass ich zwar in kurzer Zeit ein Schlachtfeld hinbekomme, es aber Stunden dauern wird das wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen – und dass ich diese Woche mehr als nur die Grundordnung hatte – und das jetzt wegen der ganzen Aktion – zerstört ist.

Dass ich sehr viel Kraft und Energie brauche um wenigstens die Grundsachen wieder an Ort und Stelle zu bringen und ich nicht mal weiß ob es dafür reicht – sicher aber nicht mehr für den „Alltag“ – das was halt so anfällt – jeden Tag – und ich so auf jeden Fall etwas schieben muss.

Die Angst dass es zu viel ist – ich das nicht hinbekomme, weil es eben nicht nur der „Alltag“ ist, sondern so viele Ecken sind und ich hab ja ein Problem damit, wenn es einen bestimmten Punkt überschreitet – der ist auf jeden Fall überschritten.

Und damit auch die Angst wieder im Chaos zu versinken – und der Druck es „hinkriegen zu müssen“ – was das ganze noch unwahrscheinlicher macht.

Die Ordnung in der Wohnung ist so hart erkämpft – grade jetzt wo die Betreuung „wackelt“ ist sie mit Dissoziationen erkämpft – etwas was ich eigentlich nie wieder zulassen wollte. Und jetzt droht das alles wieder den Bach runter zu gehen.

Im Endeffekt kann ich im Idealfall nur hoffen, dass ich morgen dissoziiere – und wenigstens das Wichtigste hinbekomme – den Druck, den allein der Gedanke schon auslöst – nicht wahrnehme, weil sonst gar nichts mehr geht. Wissen, dass das leider nicht auf Knopfdruck funktioniert – und grade wenn ich für mich bin leider meistens nicht.

Und die alte Angst – wieder im Chaos zu versinken, da zu landen wo ich vor Jahren war.

Es wird Stunden dauern hier wieder ein bisschen Ordnung zu schaffen – Stunden, von denen ich nicht weiß woher ich die Kraft nehmen soll, die Energie oder was auch immer. Wieso soll es diesmal klappen, wenn es doch all die anderen Male nicht geklappt hat – und wenn es klappt – wie hoch wird der Preis dafür sein? Wieder so viel zu hoch wie damals?

Das spüren wie sehr es doch trifft, wie tief es sitzt – dass die Betreuung – trotz der aktuell ja objektiv gesehen eher „banalen“ Umstände, es geht ja „nur“ um einen Wechsel des Anbieters – nicht des Betreuers – so wackelt, so gefährdet ist. So sehr, dass ich tief in mir spüre, dass sie es nicht aushalten würde, wenn ich hier nicht wieder Grundordnung reinkriege, dass dieses „zuviel“ diesmal nicht nur für mich einen best. Punkt überschritten hat, sondern auch die Tragfähigkeit der Betreuung grade weit überschreiten würde. Das tut weh, macht Angst – und wieder einmal die Frage nach dem kleineren Übel stellt – obwohl sie doch tragen sollte, helfen, unterstützen – grade in solchen Situationen.

Ich kann grad nicht mehr – alles aufgebraucht, weit über meine Grenzen gegangen, gehen müssen?

Ja ich weiß – morgen ist ein neuer Tag – und wer weiß was er bringen wird.

Und eigentlich gar nicht so sehr die Frage ob ich das schaffe – weil da hab ich keine Alternative, sondern mehr, was es mich kosten wird, wie hoch der Preis sein wird und ob ich dieses „zuviel“ dann auch zahlen kann – ohne daran zu zerbrechen.

Dieser Beitrag wurde unter Betreuung, Grenzen, Leben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.