Speedy Gonzales

Es ist jetzt 23:29 Uhr. Seit 10 Sekunden etwa ist das Mäusedrama hier vorbei.

Ich bin kurz vor dem Heulen – alles grad nur zuviel – doch Speedy lebt und ist in Freiheit.

Seit etwa halb sieben turnte ich hinter diesem Biest her – ich hab noch nie eine so schnelle Maus gesehen – ein Bruchteil einer Sekunde und die fünf Meter in das andere Eck sind hinter sich gebracht.

Hier sieht es aus wie zu meinen deutlich schlimmeren Zeiten – da fast alle Schränke und Regale abgerückt, bei den Regalen die untersten Regalbretter ausgebaut, natürlich vorher ausgeräumt und das Zeug liegt hier kreuz und quer herum, da sich die Katzen über „fein säuberlich gestapelt“ in ihrem Fangwahn wenig scherten.

Zwei Zimmer hab ich – und beide sind verwüstet. Dabei war es doch diese Woche echt gut mit Aufräumen. Ich bin kräftemäßig am Ende – körperlich schon seit Stunden, psychisch mittlerweile auch.

Da tröstet auch nicht, dass es der Maus jetzt gut geht.

Im Endeffekt hat sie sich in einem ausrangierten Fußabtreter verkrochen der an der Haustür lag – und ich hab die aufgemacht und das Teil rausgeworfen (und gleichzeitig gekämpft, dass die Katzen nicht rausflutschen) – dann erstmal Tür zu und schauen ob die Maus entwischt ist (rundherum ist alles zugestopft mit Tüchern und Zeug) – dann erstmal raus in den Flur und das völlig zerfetzte Abtreter-Teil vorsichtig auseinandergenommen – nichts.

Doch die Maus war am anderen Ende des Flurs – dumm nur, dass ich hellhörige Nachbarn habe und viertel nach 11 eine Zeit ist, die hier eher zu Tobsuchtsanfällen führt, wenn man es wagt da zu laut zu sein (sehr hellhöriges Haus noch dazu).

Also Haustür auf und einfach hoffen, dass die den Weg ins Freie findet. Die Wohnungseingänge waren aber interessanter oder primär „sicherer“ – vorsichtiges wedeln mit einem dünnen Tuch lockte sie eher in die falsche Richtung – doch irgendwann stürmte sie raus – mit einem Affenzahn.

Und ich atmete auf.

Ging in die Wohnung zurück (hatte Gott sei Dank an den Schlüssel gedacht) um dann hinter der Tür erstmal halb heulend zusammenzusacken.

Ein Blick durch die Wohnung nahm jedes „Gott sei Dank ist die jetzt draußen und der Spuk endlich vorbei!“ und über blieb nur noch das heulende Elend.

Ich werde morgen 2 – 3 Stunden brauchen – nur um alles wieder an seinen Platz zu bewegen – wenn ich das überhaupt hinbekomme. Die letzten Stunden waren einfach zuviel.

Ein einfach „lassen – die Katzen machen das schon“ klappte nicht, weil die dabei einen Höllenlärm machen, an schlafen ist dabei nicht zu denken – und es hätte eher zu den oben genannten Tobsuchtsanfällen geführt.

Zwischendrin hatte ich die Maus sogar in der Hand – ich hatte sie – die Hand mit einem alten Geschirrhandtuch geschützt – als sie mir direkt reinlief. Doch das Biest biss und zappelte und wehrte sich – und bevor ich zur Tür raus war sprang sie mir aus den Händen (trotz mehrfachem Versuch sie umwickelt zu halten) – Mäusebisse tun weh – auch durch ein Geschirrhandtuch – nur für den Fall das sich das mal jemand gefragt hat.

Meine Katzen sind eigentlich sehr gute Jäger – naja die Piratenkatze, die Tigerkatze tötet ihre Beute nicht, erwischt sie aber in der Regel sehr schnell, wenn denn die Piratenkatze nicht noch schneller ist. Es kam schon häufiger vor, dass eine Maus erstmal ausriss und sich irgendwo verkroch – doch es dauerte nur wenige Stunden und sie war gefasst. Seit 14 Uhr ist diese jetzt hier gewesen – bis halb sieben etwa war es auch sehr ruhig, dann wurde sie von der Piratenkatze aufgestöbert – unter dem Regal am Bett – also das ausgeräumt und das unterste Regalbrett ausbauen – und schon war sie bei den Mülleimern – von dort zurück und plötzlich hinter dem Kleiderschrank – den abzurücken schon keine so gute Idee war, weil er einfach sauschwer ist. Aber was soll’s – die Kommode daneben natürlich auch abrücken – doch da war die Maus schon wieder weg – der letzte Schrank im Schlafzimmer musste natürlich auch abgerückt werden – und dann war mal Ruhe – weil sie hinter der Verkleidung unten am Bücherregal im Wohnzimmer war – das schaffte ich schlicht nicht mehr auszuräume um es abzurücken – der Versuch es mit Büchern zu rücken führte fast dazu, dass das ganze Teil umkippte.

Die Abkleidung ist jetzt eingedrückt – nach der halben Stunde ging es zu jedem einzelnen Regal oder Teil das in meiner Wohnung steht – sie überwand alles Mögliche an Hindernissen, mit denen ich die Ritzen zugestopft habe (ich glaub mein halber Kleiderschrank ist hier in der Wohnung verteilt – sämtliche Handtüche und Geschirrtücher – jeweils mit einem alten Geschirr- oder Handtuch nach aussen „gesichert“ (weil ich sonst die Teile nicht mehr für den normalen Gebrauch nehmen kann) – allein das wird mindestens eine Stunde dauern – und ich muss sehen was davon überhaupt in den Kleiderschrank kann und was gewaschen werden muss (weil hinter den Regalen und Schränken sehr viele Staubmäuse ihr Unwesen treiben – zumindest hinter denen, die man halt normal nicht so einfach weggerückt bekommt, die anderen gingen eigentlich ganz gut – wurden ja auch erst kürzlich gemacht).

Dann alles wieder zurechtrücken und einräumen – und die aufgewirbelten Staubmäuse einfangen.  Allein beim Gedanken wird mir schon schlecht, im Moment nicht vorstellbar wie das alles zu schaffen sein soll.

Fazit des heutigen Tages:

  • körperlich und psychisch total zuviel, hoffnungslos überfordert und ausgelaugt, Heulkrämpfen nahe, doch selbst dafür fehlt die Kraft
  • das Gefühl des „ich kann einfach nicht mehr“ ist immer noch so besch…. wie früher und immer noch so schwer auszuhalten (und offensichtlich gehört weniger dazu mich so weit zu bringen als ich dachte)
  • in relativ kurzer Zeit eine einigermaßen aufgeräumte Wohnung in ein Schlachtfeld verwandelt – und zwar in ein absolutes
  • ein Teil der frischgewaschenen Wäsche (erst heute abgenommen) wird wohl erneut in die Waschmaschine wandern müssen (und ich hoffe es ist kein allzu großer Teil)
  • ich bin hundemüde, zu müde um jetzt schlafen zu können, was dieses Gefühl des „zuviel!“ noch weiter verstärkt
  • ich mag meine Katzen, aber so was brauch ich in nächster Zeit nicht nochmal aus
  • das Schreiben hat grad nicht die erhoffte „Erleichterung“ gebracht, was nur deutlich macht wie am Ende ich grad bin

aber:

  • Mäuse können unglaublich schnell sein – da sah man wirklich immer nur einen dunklen Blitz
  • Speedy lebt und wird sich jetzt draußen vermutlich erholen und drüber freuen, dem Grauen hier entkommen zu sein
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