Thera heute

Richtig mistig gelaufen. Eigentlich um acht haben wir erst nach fünf nach halb neun anfangen können – und damit natürlich keine wirkliche Zeit mehr – bis wir wirklich starten konnte war es viertel vor und so blieb höchstens eine halbe Stunde.

Schon als es immer später wurde, drehte ich ziemlich ab, sah mir die Zeit davon rennen und vor allem – war mir der heutige Termin sehr wichtig, die letzten Tage drängten Gefühle und der Di fiel ja auch aus und ich hatte mit dem inneren Kind und einigen Anteilen ziemlich zu kämpfen, dass sie wenigstens bis heute waren, das Kind dass es mir diese Chance noch geben soll.

Tja – so kann es gehen.

Mir ging es entsprechend schlecht – der Termin fiel ja nicht aus weil der Thera nicht da war, nein erst wollte eine Kollegin etwas von ihm, dann die Chefin weil ihr Drucker nicht ging und Stühle aussortiert werden mussten usw. Das ist alles sein Job – musste  auch gleich passieren – doch es hinterließ ein Gefühl von „mein Kram ist nicht wichtig genug, Stühle und Drucker sind wichtiger“ – dabei wäre es auch so gewesen wenn es ein Notfall oder was anderes gewesen wäre.

Entsprechend saß ich dann schweigend und gegen Tränen kämpfend da, als wir endlich anfangen konnten und nichts ging mehr.

Irgendwie hoffte ich wohl, dass der Thera das Richtige tut – und dieses Richtige auch noch errät – weil sagen konnte ich es nicht – ich glaub ich wusste es in dem Moment auch nicht. Einerseits einfach anzufangen und das aufzugreifen was geplant war – wäre eine Option gewesen, bei der ich aber verstehe, dass er es nicht gemacht hat – hätte ich vermutlich an seiner Stelle auch nicht.

Aber irgendwie hoffte ich wohl, dass er dann wenigstens das aufgreift was grad ist – nicht nur nachfragt, da er ja merkte, dass ich eh nichts sagen kann, sondern wie er es ja sonst auch meist macht – einfach das aufgreifen.

Für mich ging es aber auch darum, dass Gefühle heute nicht sein durften, weil wir nicht die Zeit zu hatten das in einem Rahmen zu gestalten, der mir Sicherheit bietet. Das wiederum ging gewaltig nach hinten los.

Grade die Freitags-Termine sind die Zeiten, in denen Gefühle sein dürfen – wo sie Raum bekommen. Und das fiel weg – selbst da wo sie sonst sein dürfen, durften sie heute auch nicht – was ganz viele alte Muster aufwies und entsprechende Reaktionen hervorrief – ohne dass ich da noch groß Einfluß gehabt hätte.

Die Freitags-Termine sind meine Haken – beim Klettern – die die Sicherheit bieten und im Fels fest verankert sind – man hangelt sich von Haken zu Haken, natürlich geht man den Weg selbst, aber die sichern vor dem Absturz bei einem falschen Schritt.

So ein Haken brach heute raus – unerwartet und ich stürzte ein Stück weit ab – fiel ins Seil – hoffend, dass die anderen Haken halten.

Das ganze machte auch eine wahnsinnige Angst – vor den Konsequenzen – werden die anderen Haken halten? Bis ich wieder mit Füßen und Händen Halt habe, werde ich da gegen die Felsen fallen? Mich verletzen? Wie schnell finde ich den Halt wieder? Hab ich die Kraft und vor allem den Mut diesen Schritt dann nochmal zu versuchen?

Angst dass dieser Termin heute zwischen dem Thera und mir etwas kaputt gemacht hat – an Vertrauen oder Einlassen können, Angst dass die alten Muster, die alten Stimmen überhand nehmen, die die sagen: hab ich dir doch gleich gesagt, verlass dich bloß auf niemanden, du wirst nur enttäuscht werden, usw. Aber auch die, die sagen: bist nicht wichtig genug, deine Gefühle sowieso nicht und siehste wir sagen ja, die dürfen nicht sein usw.

Das Gefühl des „hängengelassen“ worden seins – es kann keiner was für, aber ein kleines Stimmchen das sagt: hätte er nicht sagen können, dass er nicht kann, dass er einen EMDR-Termin hat oder ähnliches.

Wir hatten vor langer Zeit (2 Jahren oder so) die Termine auf freitags Morgen verlegt, weil es sonst eben häufiger vorkam, dass der Termin kürzer ausfiel, weil er schon im Verzug war. Dann wird später angefangen und manchmal war es dann eben so, dass der Termin deutlich kürzer war. Das war für mich damals ein Problem – das „einlassen“ können wenn wir nur noch eine halbe Stunde haben und nie wissen ob wir nun die Zeit haben oder nicht.

Deshalb haben wir den Freitag Morgen ausgemacht – das ist der erste Termin, wir fangen zwischen acht und viertel nach acht an, er macht sich seinen Tee und dann geht es los.

Dafür ist der Dienstag ein „Puffertermin“ – also als halbe Stunde geplant, wenn viele Nofälle da sind kann es dafür dann auch mal nur 10 Minuten sein, wenn Luft ist oder wenn es nötig ist, kann es dafür auch mal länger dauern. Der Di ist der unsichere Termin, meist kriegen wir die halbe Stunde gut hin, aber es ist eben der Puffertermin, der Termin der gekürzt wird wenn sonst viel los ist – dafür hab ich meinen Freitag.

Normalerweise klappt das auch, aber – sehr selten – kommt es vor, dass eben was dazwischen kommt, der Thera krank ist oder etwas passiert ist, so dass er kurzfristig absagen muss oder ähnliches. Es ist wirklich selten – so wie es heute war, dass er zwar da war, aber es sich eben hinzog und wir erst so spät anfangen konnten, war es bisher noch nie.

Das wiederum macht schlechtes Gewissen und Schuldgefühle – ich hab sowieso viel mehr Termine als andere und er nimmt sich freitags immer so viel Zeit, wir überziehen jedes Mal usw – und dann klappt ein Termin mal nicht – und ich stell mich so an – und dreh ab.

Es hat heut weh getan – sehr – und es hat Angst gemacht.

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