V.

Dein Todestag. Deine Todesstunde.

Ich hab dich immer noch so in Erinnerung wie du damals warst, kann mir nicht vorstellen, dass du dich verändert hättest  – oder wie. Das macht die Kluft um so größer – wenn ich dran denke, wie es heute wäre.

Du warst etwas ganz besonderes für mich, wir brauchten uns damals, ergänzten uns – und ich mag das alles gar nicht analysieren – unser Verhalten damals.

Es hat mir weh getan, dass du dich verleugnen ließt – dabei war das so typisch für dich, du lebtest immer in Extremen.

Vielleicht waren wir verblendet, verliebt in die Fassade, in das „Normale“, ins „normal sein“, verwechselten das mit Liebe. Vielleicht waren wir auch beide einfach nicht in der Lage zu lieben – und das was wir hatten, war das wozu wir damals in der Lage waren.

Ich wäre gerne bei dir gewesen – damals, ich weiß dass du Angst hattest, die hatte ich auch. Du warst ein ganz besonderer Mensch, kompliziert und manchmal auch anstrengend, grade weil du Extreme liebtest.

Nie wieder hab ich mit jemanden so herrlich streiten können – du weißt schon, diese oberflächlichen und doch leidenschaftlichenen, die uns beiden so unglaublichen Spaß machten und die Umstehenden sehr verwirrten. Nie wieder hab ich über best. Themen mit jemanden sprechen können, wie ich es mit dir konnte.

Wir hatten eine besondere Verbindung, vielleicht grade wegen unserer Verletzungen und unserer Vergangenheit.

Auch wenn es keine Liebe war, zumindest nicht die, die andere damit meinen, kennen, erleben, war es etwas ganz Besonderes.

Aber ich weiß nicht ob ich dich vermisse, wirklich dich  – oder ob es eher das ist was wir hatten, oder die Zeit damals.

Ich bin nicht mehr die von damals, ich hatte mich damals angefangen zu verändern – und dir hat diese Veränderung gar nicht gefallen, das war mit ein Grund warum wir so gestritten haben bei unserem letzten Treffen. Es war keine Veränderung zu „unseren Gunsten“, aber eine, die für mich unendlich wichtig war.

Leider hatten wir nicht die Zeit um zu schauen was das mit uns macht, als Paar.

Vielleicht ist es auch nur die Angst, dass wir das nicht hin bekommen hätten, dass du mich mit dieser Veränderung nicht mehr gemocht hättest, die mich sagen lässt, dass ich nicht weiß ob ich dich vermisse. Wir werden das nie herausfinden.

Trotz allem wäre ich gerne bei dir gewesen, hätte deine Hand gehalten, mich mit deiner Familie gestritten, damit du die Beerdigung bekommst, die du dir gewünscht hast. Nicht nur für mich, sondern für dich – und für uns.

Ich hoffe sehr, dass du nicht geglaubt hast, dass mir nicht genug an dir lag, du meintest, dass ich nicht damit klar käme, dass du krank warst, sterben würdest. Natürlich kam ich nicht damit klar – ich wollte dich nicht verlieren. Trotzdem wollte ich für dich da sein. Leider wolltest du das nicht, warum auch immer.

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Du wirst du immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

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4 Antworten auf V.

  1. Das hört sich aber schon nach Liebe an. Jede Liebe ist anders und jeder liebt anders. Und so ehrliche, schöne Zeilen, die hast Du geschrieben, weil Du jemanden vermisst, denn Du lieb hattest.
    So empfinde ich es wenn ich bei Dir lese. Und ich glaub ja fest, dass die, die schon gegangen sind nicht weg sind. Der besondere Platz in Deinem Herzen wird von demjenigen gespürt. Immer!
    Viele Grüße
    und es ist schön, dass Du immer wieder bei mir vorbei schaust.
    Elisabeth

  2. Ilana sagt:

    Danke dir – ich weiß es einfach nicht – vielleicht weil ich nicht weiß was Liebe ist. Aber es war eine wichtige Zeit und er ein wichtiger Mensch für mich – und ich musste in den letzten Wochen (an-)erkennen, dass ich mit dem Thema eben noch nicht „durch“ bin – ob es dabei um V. geht oder um das „Normale“ – ist dabei eher nebensächlich.

    Ich les gern bei dir und deinen Kindern, lese da auch jeden Tag, weiß nur oft nicht was zu zu schreiben 🙂

  3. artista sagt:

    Liebe Ilana,

    habe es mit Mitgefühl gelesen. Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest, damit Frieden zu schließen. Sei herzlichst gegrüßt
    artista

  4. Ilana sagt:

    @artista
    Danke dir, es ist jetzt 13 Jahre her, dieses Jahr wieder deutlich bewusster und aufwühlender als es die letzten Jahre war, aber auch „anders“ – auch wenn ich dieses anders noch nicht recht zu fassen bekomme. Irgendwie scheint es weniger um ihn als Person zu gehen und doch auch mehr – grade um seine Person. Es tut sich da grad was – klärt sich denk ich auch etwas, vielleicht ist es auch dieser „Abschluß“ der Trauerarbeit. Vergessen werd ich ihn nie, aber das Erinnern wird vielleicht „freier“ – kann es schlecht beschreiben.

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