Facetten – Teil 1

Facetten – ich hab gegoogelt was es denn nun genau bedeutet und folgende Synonyme gefunden:

Ansicht, Zusammenhang, Punkt, Denkweise, Blickpunkt, Eigenschaft, Hinsicht, Betrachtungsweise, Blickrichtung, Blickwinkel, Richtung, Vorstellung, Standpunkt, Eigenart, Perspektive, Gesinnung, Seite, Hinblick, Sinn, Aspekt, Schau, Auffassung, Bezug, Beziehung

Vor ein paar Terminen hatte der Thera zu mir gesagt, dass er fasziniert sei, von den vielen Facetten die ich habe. Ich hatte ihm einen Blogeintrag geschickt – und er meinte, dass ich einerseits so gute Bilder und Worte finde um mein Befinden, Wahrnehmen zu erklären, mitzuteilen, andererseits kennt er mich ja auch so sprachlos, entweder weil es keine Worte gibt, oder weil die Worte einfach nicht rauskommen wollen. Dann erlebt er mich wieder so fachlich, theoretisch, als Experte,der mit den Begriffen und Inhalten zu bestimmten Themen (z.Bsp auch Trauma) problemlos umgeht und sich da richtig verbeißen kann wenn es um Definitionen geht, um Genauigkeit. Es ging dann noch um ein paar andere Sachen und natürlich sah ich das alles anders ;).

Wenn ich z.Bsp bei Artista oder den anderen lese, denke ich oft: wow, die finden GENAU die Worte die ich so gesucht habe. Andererseits sagen mir das andere auch immer wieder. Dabei hab ich selbst eigentlich nie das Gefühl GENAU das auszudrücken, was ich ausdrücken möchte.

In der Therapie bin ich anders als zu Hause – dort geht es nicht um den Alltag, sondern um die Vergangenheit und um Gefühle. Das kann ich für mich zu Hause nicht machen und so ist es manchmal sogar so, dass die Therapiestunden oft als Ventil dienen – dort hab ich die nötige Sicherheit um mich den ganzen Dingen zu stellen, während der Alltag mehr der Regeneration und dem Funktionieren dient.

Wenn ich aber in der Therapie die Sachen nicht aufgreife, merke ich sehr schnell wie die in den Alltag reinschwappen und ihn dann zunehmen übernehmen. Es gelingt dann im Alltag ganz gut zu sagen: nicht jetzt, das gehört in die Thera – wenn etwas auftauchte, das mir nicht gut tat. Natürlich ist da immer ein Abwägen, was man dann auch im Alltag mal aufgreift und zuläßt und was wirklich nur in der Thera geht – doch dieser Seiltanz funktionierte ziemlich gut.

Doch das Funktionieren kommt in der Therapie nicht wirklich vor – dazu hab ich zu lange gebraucht um das wenigstens dort „ablegen“ zu können, dort muss ich nicht funktionieren. Aber lange hatte ich da dann auch das Problem, dass ich das Gefühl hatte, dem Thera kein wirkliches Bild von mir zu zeigen, denn er sah nur jemand, der zusammengekauert dasitzt und auf den Boden starrt, oft genug nur erstarrt und verstummt oder nicht ansprechbar.

Noch heute starre ich auf den Boden und verstumme so manches mal, nicht mehr ansprechbar bin ich selten und wenn dann nur für 1 Minute oder so, da er weiß, dass er mich dann einfach für eine Minute in Ruhe lassen muss (und vor allem nicht anschauen darf dabei), dafür erlebt er mich von Gefühlen überwältigt oder unsicher. In den mails dann aber auch sehr klar und strukturiert, jemand der weiß was er will, der bereit ist vieles auszuprobieren und ziemlich gut weiß, was funktionieren könnte oder nicht bzw wie das vielleicht angepasst werden müsste. So bekommt er schon recht klare „Ansagen“ was ich wie gerne probieren würde und auch was ich mir von ihm wünschen würde, wie er reagieren/agieren soll.

Grade weil ich weiß, dass er auf seine Grenzen achtet, kann ich auch fragen ob wir dieses oder jenes so probieren könnten – unabhängig von gängigen Therapiemeinungen und -theorien.  Aber ich kann auch sagen wenn etwas nicht gut ist oder er etwas gesagt/gemacht hat, das eher nach hinten los ging. Und wir haben uns so manches mal richtig in den Haaren gehabt. Doch nur durch dieses „Miteinander“ sind wir soweit gekommen.

Dennoch erlebte und erlebt er mich anders als ich sonst bin, denn im Alltag steht das Funktionieren durchaus im Vordergrund. Auch wenn ich auch da darauf achte meine Grenzen zu achten und zu wahren.

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2 Antworten auf Facetten – Teil 1

  1. Violine sagt:

    Du, ich bewundere bei anderen auch oft, wie sie sich ausdrücken können (ich war zum Beispiel gerade auf http://www.rumpelwald.de ). An sich selbst kann man irgendwie immer voll rumkritisieren, was Ausdruck betrifft, aber andere sehen das irgendwie anders.
    Ich merke das auch beim Fotografieren. In letzter Zeit knipse ich immer mal wieder rum. Andere sehen die Fotos ganz anders als ich. Oft ist das, was ich als banal empfinde, von anderen auf den Fotos sehr geschätzt.

    • Ilana sagt:

      Es ist mehr so, dass die Worte dem was ich dann ausdrücken will nicht gerecht werden – irgendwie. Auch wenn die Worte für andere dann „richtig“ sind, sind sie es für mich nur teilweise. Aber das kenn ich auch aus der Buchbinderei oder Tischlerei, an den eigenen Stücken findet man immer viel was nicht so ist wie man es gerne hätte, die Stücke der anderen wirken immer so „perfekt“ (dabei bin ich da auch kritisch)

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