Therapien

Immer wieder lese und höre ich, dass die Therapie ja eh nichts bringt, Medikamente auch nicht und überhaupt.

Ich hatte eine Menge stationäre Aufenthalte, die nichts gebracht haben, teilweise sogar mehr geschadet haben – bis ich irgendwann einen Oberarzt erwischte, der der „richtige“ war.

Auch gab es einige Therapieversuche – die teilweise eine einzige Katastrophe waren – auch hier war es dieser eine Oberarzt, der dem ein Ende gemacht hat.

Unzählige Medikamente ausprobiert – ohne wirklichen Erfolg, bis heute (wobei ich heute nur noch Seroquel in sehr niedriger Dosierung nehme – 50 mg – um das Schlafen ein klein wenig besser zu gestalten).

Zur Zeit bin ich etwas „empfindlich“ wenn ich sowas lese – für mich war immer klar, wenn ich es alleine nicht schaffe, muss ich mir Hilfe suchen. Dieses Hilfe annehmen war sehr schwer – unglaublich schwer, fällt mir auch heute oft noch schwer – es anzunehmen.

Anfangs dachte ich, dass Therapien eh nichts bringen – heute weiß ich, dass man Glück und Durchhaltevermögen braucht – um so lange zu suchen, bis man auf den passenden Therapeuten trifft. Dazu gehört aber auch sich einzulassen – immer wieder – und eben auf die Schnauze zu fallen.

Mein jetziger Thera wäre vor 10 Jahren für mich das Aus gewesen – keine Chance (es stand damals schon im Raum zu ihm zu wechseln). Dafür wäre der letzte Thera heute für mich unmöglich – obwohl ich nicht freiwillig bei ihm aufgehört habe.

Was mich oft ärgert ist dieses „ist halt so, kann mir eh keiner helfen“ – denn das ist für mich ein „aufgeben“. Ich kann gut verstehen, dass man aufgeben will – und auch dass man nicht immer die Kraft hat weiterzukämpfen – das kämpfen einfach satt hat.

Nicht verstehen kann ich, wenn sich das über Jahre zieht.

Für mich war immer klar, dass ICH an mir arbeiten muss – eine Therapie heißt 98 Prozent ich, 2 Prozent der Thera – der ein Wegweiser sein kann oder Alternativen aufzeigt – aber für mich bedeutet das auch, diese Alternativen auszuprobieren – und zwar nicht nur mal kurz für wenige Wochen, sondern richtig.

Das heißt nicht das alles gut sein muss – ich hab über ein Jahr Jacobson gemacht – es hat mir von Anfang an auch nicht geholfen, ich war danach angespannter als vorher, doch erst nach einem Jahr war ich mir da auch sicher. Denn ich habe sehr viele verschiedene Entspannungsübungen und CD’s ausprobiert, die alle grade die ersten Wochen nicht grade berauschend waren – doch die meisten haben im Laufe der Zeit ihren Wert und Platz für mich gefunden.

Es gibt mittlerweile best. Therapien, die ich nicht mehr probieren würde, weil ich weiß, dass sie nichts bringen, doch alle dieser Therapien habe ich über mehrere Monate oder Jahre ausprobiert, konsequent – bis ich wußte was daran für mich nicht funktioniert. Durch dieses was konnte ich bestimmte Sachen für mich passend machen.

Ich habe es immer als meinen „Job“ angesehen, das Beste daraus zu machen – und das bedeutet nicht immer dass es mir gleich gut gehen muss, sondern dass ich in der Situation in der ich bin, das für mich möglichste mache um sie zu verändern.

Dazu war immer wichtig zu wissen was ich verändern will – da geht es nicht um große Ziele wie „arbeitsfähig“ werden – sondern eben so kleine Schritte zu finden, die kurzfristig denkbar und realistisch sind. Lange war das Ziel da nur durchzuhalten, wenigstens zu den Therapieterminen erscheinen, hingehen.

Das war Jahre oft ein Problem – weil die Gedanken wie „bringt ja eh nichts“ und „will mich ihm nicht zumuten“ usw sehr stark waren.

Was ich ganz schlecht abkann ist dieses auf Dauer „fallenlassen“ – also auch dieses sich im Opferverhalten suhlen oder das ständige „ich will dass sich da jemand kümmert“ – das nicht wirklich erwachsen werden. Jeder braucht auch solche Zeiten, aber wenn die mal Monate oder Jahre andauern wird es für mich zum Problem.

Da fehlt mir auch etwas das Mitgefühl – wenn jemand bei jedem Vorschlag mit „ja, aber …“ antwortet. Medis bringen eh nichts, Therapie noch viel weniger usw.

Bei Medikamenten kann ich es noch eher  verstehen, solange man dafür dennoch offen ist und nicht gleich bei dem Wort schon dicht macht, denn es kommen immer wieder neue auf den Markt. Bei Therapien kann ich zwar den Frust verstehen und auch dass es schwierig ist sich einzulassen – aber wenn ich nichts tue damit es mir besser geht, nein – das verstehe ich nicht.

Dabei geht es nicht nur um Psychotherapie – das kann auch für den einen der Glaube oder irgendwas Spirituelles sein.

Es gibt Erkrankungen wo das schwierig ist – Depressionen z.Bsp – doch auch bei Erkrankungen ist es so, dass wir selbst schauen müssen was wir daraus machen. Das heißt nicht dass wir selbst schuld sind wenn es uns nicht gut geht oder wir zu wenig an uns gearbeitet haben – nein – es geht darum aus dem was ist, das Beste zu machen.

Für mich gehört dazu sich Hilfe zu suchen – nicht um „geheilt“ zu werden – sondern um mit den Einschränkungen umgehen zu lernen. Das ist für mich der Unterschied zu dem sich „ergeben“.  Auch wenn das bedeutet den 10. Aufenthalt in einer Spezialklinik zu testen oder den 10. Therapeuten anzuschauen oder die 10. Art von Entspannungsübungen durchzuziehen. Einfach „dranbleiben“ um für sich alle Möglichkeiten auszuschöpfen – und hoffentlich irgendwann auf den passenden Therapeuten, die passende Therapieart oder was auch immer zu finden. Nicht aufhören zu suchen.

Und dazu gehört der Wille etwas zu verändern – wirklich zu verändern, das bedeutet immer auch etwas zu verlieren – und das denke ich ist es, was für viele zu beängstigend ist. Denn dafür muss man etwas tun, eine Entscheidung treffen und dahinter stehen.

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12 Antworten auf Therapien

  1. Svü sagt:

    „Bringt das überhaupt was?“ Hab ich auch sehr häufig gehört. Gerade in Momenten wo ich ein „Ich glaube mit dir daran!“ gebraucht hätte.

    Aber gut… ich habe den Weg für mich nun klar… Ich habe gesagt, ich werde mir nicht den Hintern aufreißen um einen Therapeuten zu finden, da es im Moment gut ohne läuft. Ich habe aber auch gesagt, dass ich keinen ablehne der mich nun anruft, weil die Wartezeit durch ist.

    Gestern hat das Telefon geklingelt. Nächste Woche hab ich ein Erstgespräch. Ich bin aufgeregt, obwohl es ja nicht so tragisch ist, wenn es nicht klappt. Wie gesagt, wäre das nur eine Rückversicherung. Es läuft ja. Eigentlich passt das hier gerade nicht so ganz zum Thema, aber da du das Thema bei mir kommentiert hattest, wollte ich dir das einfach mitteilen 😉

    Was deinen Eintrag angeht… Ich habe auch Probleme damit gehabt Hilfe anzunehmen. Habe ich immer noch, da ich „dank“ der Hochbegabung oft (denke, dass ich) weiter bin, schneller bin als der mögliche Therapeut. Ich denke dann, dass sie mir eh nicht helfen können, wenn ich merke, dass ich Oberwasser habe.
    Auch was die Medikamente angeht. Erst im zweiten Anlauf bin ich davon überzeugt gewesen, dass ich ohne sie nicht klar komme. Vorher hab ich maximal an einen Placebo-Effekt geglaubt.

    Du hast schon Recht. Es brauch alles Zeit. Man ist selten nach einer Therapie geheilt. Manchmal brauch man viele. Oft gibt es auch gar kein geheilt. Wie das im Einzelfall aussieht kann keiner sagen.

    Beruhigend ist aber, dass dir Jacobsen auch nichts bringt. Mir wurde das immer als „Wunder“-Entspannung verkauft. Alle entspannen sich dabei… bla. Von wegen. Ich war danach auch angespannter als vorher. 😉

  2. hexenherz sagt:

    hey (: du hast mal wieder worte gefunden für etwas, was ich auch so sehe – es stört mich ganz ungemein, wenn sich leute anhaltend in ihrer krankheit suhlen und im schlecht gehen und nichts daran machen, auch wenn ich dir absolut recht gebe, solche phasen hat jeder mal (kenne das gut von mir selbst) und manchmal kann man auch einfach nicht mehr, aber irgendwann muss man den hintern hochkriegen und zusehen, dass man was ändert… ja. ich hätte es nicht so schön ausdrücken können wie du 😉
    alles liebe, ich schick dir ein bündel sonnenstrahlen!

  3. Ilana sagt:

    @Svü: ja das mit Jacobson wurde mir auch immer als supertoll verkauft – aber ich musste auch lernen, dass ich bei allen Entspannungsübungen lange brauchte – keine war von Anfang an gut oder funktionierte oder „passend“ – ich musste mir alle erarbeiten – deshalb bin ich um die eineinhalb Jahre in denen ich es mit Jacobson versucht habe dennoch froh, es hat mir schon auch einiges klarer gemacht.

    Und ich drück dir die Daumen dass du den passenden Therapeuten findest – das war bei mir auch so, dass ich mit den Therapeuten zu spielen versuchte und die meisten haben das auch zugelassen, bis ich halt auf den Oberarzt traf, der da nicht mitmachte und dennoch ohne Druck und sonst was für mich da war. Ich wünsche dir sehr, dass auch du da einen oder eine findest, mit der du kannst, die mit dir kann und wo ihr es „miteinander aufnehmen“ könnt 🙂

    @hexenherz: solche Phasen sind normal – und es ist sicher so, dass Therapien nicht immer anschlagen – doch dieses „aufgeben“ und „bringt eh alles nichts“ – und einfach keine neue Versuche mehr starten – sich selbst da auch aufgeben – da werd ich oft wütend. Deshalb wäre ich kein guter Therapeut (auch wenn mein Thera das immer behauptet gg) – weil ich da viel zu wenig Geduld hab – und auch nicht wirklich das Verständnis (und ich kenne „nichts geht mehr“-Phasen durchaus). Aber an sich arbeiten bedeutet auch Veränderung, Entscheidungen treffen, Konsequenzen tragen – was viele scheuen.

  4. wortsucherin sagt:

    Hallo Ilana,

    ich kenne das ganze Therapie auf und ab leider auch ziemlich gut, kann jetzt aber sagen, dass ich jemanden gefunden hab. Zwar ist es eine Therapeutin, mit der ich „nur“ in der klinik arbeiten kann aber das ist mittlerweile okay und ich suche auch niemanden mehr, obwohl ich dann immer therapiefreie zeit zwischen den aufenthalten habe.
    Ich glaube, das durchhalten ist manchmal echt schwer, zumindest war das bei mir so, habe ja selbst acht jahre lang gesucht, bevor ich jemanden gefunden habe.
    Ich werde einfach nur traurig, wenn ich lese, das menschen sich so aufgegeben haben und ich möchte verstehen, was dahintersteht. wütend werde ich nur bei mir selber, wenn ich meinen hintern mal wieder nicht hochbekomme 🙂
    ich bin sehr froh, dass du jemanden gefunden hast, mit dem du klarkommst.

    Ich wünsch dir einen schönen Abend
    wortsucherin

  5. Ilana sagt:

    @wortsucherin: mich macht es wütend – nicht so sehr, dass sie sich aufgeben, das ist eher traurig, aber wenn dann ein „mir geht es so schlecht, aber Therapie, Medis sonstiges bringt eh nichts“ – da werd ich wütend. Es ist mehr dieses „sich aufgeben“ – wir alle kennen Phasen wo es schwierig ist und es auch sauschwer ist weiterzumachen, wieder aufzustehen usw. Doch es sich in der Erkrankung bequem zu machen – ist ein Umgang damit, den ich nicht verstehen kann – wir müssen für unser Leben selbst Verantwortung übernehmen und das Beste daraus machen, egal was uns passiert ist – die Vergangenheit können wir nicht ändern, unsere Erkrankungen uns nicht aussuchen, aber wie wir damit umgehen oder was wir draus machen – liegt im Großen an uns selbst – allen Widrigkeiten zum Trotz.

    Und ich bin heilfroh, dass ich jemand gefunden habe, mit dem ich gut arbeiten kann (und wir hatten so manche heftige Schwierigkeiten miteinander – es war ein regelrechtes zusammenraufen).

  6. wortsucherin sagt:

    Hallo Ilana,

    achso, jetzt weiß ich was du meinst aber auch da muss ich sagen, möchte ich schon wissen warum. Ich glaube, dass hinter dem „in der krankheit bequem machen“ nicht immer nur das nicht wollen von Verantwortung oder die selbstaufgabe, bequemlichkeit oder ähnliches steht. ich habe es zu oft erlebt, dass diese menschen zu schnell verurteilt werden.
    Ich weiß, dass es auch betroffene gibt, die aus diesen Phasen nicht mehr rauskommen, weil sie sich zu lange aufgegeben haben. leider sind das zu viele, wie ich finde.
    Ja, du hast ganz recht, was wir aus unserem leben machen liegt zu einem großen Teil an uns.

  7. Violine sagt:

    Ich finde Deine Haltung ganz toll, Ilana. Das spiegelt sich ja auch in Deinem engagierten Blog wieder.
    Wie ich immer sage: Das eine ist, eine Behinderung zu haben, das andere, wie man damit umgeht.
    Und dieses Damit-Umgehen, die grundsätzliche Einstellung, macht Welten aus, finde ich. Ich freue mich über jeden, der das Leben trotz aller Widrigkeiten ergreift, der anerkennt, dass er selbst nicht alles kann, dass kein Mensch perfekt ist, dass wir einander brauchen und dass wir voneinander Hilfe brauchen.
    Solche Menschen sind eine solche Wohltat!

    Dagegen, wenn ich meine Familie angucke, das finde ich zum Verzweifeln. Okay, mein Vater hängt wirklich schwer in den Seilen (am Besten redet man allgemein von Trauma – bei ihm sammelt sich da einiges), aber sein Bruder (selbe Familie, wohl selbes Schicksal), der holt sich für sich Hilfe, der arbeitet aktiv an sich. Mein Onkel ist mir ein Trost mit dieser Haltung.
    Die anderen beiden – meine Mutter und mein Bruder – sind zwar Asperger, aber ehrlich gesagt, das ist kein Grund, sich so anzustellen in bezug auf Hilfe-Annehmen (oder überhaupt erstmal zugeben können, dass man fachliche Hilfe braucht) wie die beiden das tun. Ich kenne da ganz andere Beispiele von Asperger. Die, die sich Hilfe holen, die viel für sich tun – und die Ernte dafür einfahren. Einfach toll!

    Ich habe immer das Gefühl, ich bin das Kuckucksei in meiner Familie, weil ich so ganz anders bin.
    Mein grosses Vorbild ist einer, der eine schlimme Kindheit hinter sich hatte und sich so toll da rausarbeitet, dass es eine helle Freude ist. Ich bin davon schwer beeindruckt und ich finde, erreicht auch wirklich viel.

  8. shekaina sagt:

    hallo ilana,

    ich habe da vor kurzem jemanden kennen gelernt, den ich sehr gerne mochte und für den ich mich bis zum geht nicht mehr aufgeopfert habe, tag und nacht. er hat eine entscheidungsproblematik, das an sich ist sicher schon eine schwierige konstellation, um einen therapeuten zu finden usw.
    dieser mensch hat mir immer wieder angedeutet, dass er ein schweres trauma habe, hat aber gleichzeitig gesagt, dass seine probleme damit nichts zu tun haben und es nichts bringe, sich mit der vergangenheit auseinander zu setzen. auch medikamente lehnte er völlig ab, obwohl er dringend antrieb gebraucht hätte, aber er lehnte sie schon von vorneherein ab. er hat schon viele therapien versucht, aber alles war „falsch“, er sucht mittlerweile nicht mehr, sondern wird einfach sterben an seinem leid (so ähnlich hat er es mir gesagt), er ist gleich alt wie ich und lebt noch immer bei seinen eltern, die – so gott will- bis an ihr lebensende für ihn sorgen werden.
    ich habe mich echt bis zur erschöpfung um ihn gekümmert, umso mehr ich ihm gab, umso fordernder wurde er, instrumentalisierte mich für dinge, die seiner eigenen verantwortung unterlagen, wenn er dann, weil ich ihm zu etwas geraten habe, die – in seinen augen- falsche entscheidung traf, war nicht er selbst daran schuld, sondern immer die anderen.
    wenn ich etwas gefragt oder gesagt habe (z.B. du brauchst behandlung, medikamente würden dir gut tun, du musst von zuhause weg etc.), dann war ich für einige tage abgeschrieben.
    ich habe wirklich versucht, ihm zu helfen, aber ihm war nicht zu helfen. mittlerweile habe ich den kontakt ganz abgebrochen, weil ich es einfach nicht mehr aushalten konnte und kann und, weil ich einem menschen, der sich seinem schicksal so ergibt und auch nicht bereit ist an die schmerzhaften dinge ranzugehen, nicht verstehen kann und will. alles hat eine grenze und er war die meine…
    soviel dazu.

    aber: bin ja auch grad auf therapeutensuche und finde das extrem schwierig, die therapie, die ich hatte, war viele jahre sehr gut für mich und hat mich weitergebracht, aber jetzt, das spüre ich, brauche ich etwas anderes, aber sich da für eine methode oder therapeutin zu entscheiden, fällt mir extrem schwer, ich fühle mich oft sehr verloren… und ich kann auch verstehen, dass menschen, die depressionen haben und z.B. einen niedrigen antrieb, es nicht mehr schaffen, um die RICHTIGE therapie zu kämpfen.
    aber ich kann es auch überhaupt nicht leiden, wenn menschen immer sagen: ich brauche keine hilfe, nichts und niemand kann mir helfen, ich liege lieber hier und jammer rum *nerv*

    lieben gruss

  9. Ilana sagt:

    Hallo ihr Lieben – danke für eure Antworten.
    Verständnis gibt es von mir – bis zu einem best. Punkt. Dieses Instrumentalisieren, das Irina schreibt – ist bei Trauma ja häufig der Fall – und da möchte ich in einem Extra-Beitrag etwas zu schreiben.
    Entscheidungsprobleme gibt es bei vielen psych. Erkrankungen – grade z.Bsp Depressionen – doch im Endeffekt läuft es auf eine Frage hinaus: will ich etwas verändern oder will ich nichts verändern und so weiter leben wie bisher.
    Mir geht es um diese eine Frage: denn wenn ich mich dazu entscheide etwas verändern zu wollen, muss ich auch etwas dafür tun. Und wenn ich das alleine nicht hinbekomme, muss ich mir dafür Hilfe suchen – in welcher Form auch immer.

    Eine Entscheidung hat immer Konsequenzen – und bedeutet aktiv zu sein. Vielleicht ist das mein Unterschied: ich mache aktiv etwas aus/in meinem Leben oder ich ergebe mich passiv meinem Schicksal.

    Die meisten wollen glaub ich schon was verändern, aber für das „dafür etwas tun“ fehlt die Kraft. Doch dann wäre ja eine Option eben zu schauen wie ich an Kraft kommen kann – die Entscheidung etwas ändern zu wollen, heißt ja nicht von jetzt auf gleich, sondern sich auf den Weg zu machen um zu schauen was würde ich gerne ändern und wie kann ich das hinbekommen – und wenn da ein „schaff ich eh nicht“ ist – bedeutet das – ich brauch Hilfe – und das ist nicht immer die Hilfe die man so im Kopf hat (das jemand anderer die Veränderung macht und mich hochzieht – man muss da selbst hinkommen). Solange aber jemand bereit ist etwas zu tun dafür – hat er meine volle Unterstützung – und wenn es Jahre dauert.

    Aber wer immer alles nur abblockt mit einem „bringt eh nichts, hilft eh nichts“ – da hört mein Verständis auf.

    Das heißt nicht dass ich diese Menschen aufgebe, oder nichts mehr mit ihnen zu tun haben will, aber auf mich zählen können die erst dann, wenn sie Unterstützung brauchen bei dem was sie selbst machen wollen – also wenn sie aus der passiven Rolle rauskommen und anfangen ihr Leben wieder zu gestalten. Das ist ein sauschwerer Weg, doch wenn man denen die im Passiven feststecken ständig alles abnimmt und hinterherträgt, werden sie nie rauskommen.

    Die richtige Therapie ist schwierig zu finden, manchmal denke ich auch dass das eher Glück ist – entweder man erwischt den richtigen oder eben nicht. Für mich ist das eher ein „Weitersuchen“ – ich hatte klasse Therapeuten, mit denen ich heute nicht mehr arbeiten könnte – weil sie für diesen Wegabschnitt ideal waren, ich jetzt aber was anderes brauche. Indem man sich selbst verändert – verändern sich auch die Bedürfnisse. Veränderung ist gut, macht aber auch viel Angst.

    Und auch ich forsche sehr wohl erst nach dem warum – wie gesagt mache ich sowas meist sehr lange mit – 2-3 Jahre – grade weil ich weiß, dass es Phasen gibt, wo einfach auch nichts geht. Doch meist merkt man im Laufe der Zeit sehr wohl ob da wirklich ein Wollen dahintersteht und nur nicht wissen wie, oder ob eben auch best. Entscheidungen gar nicht erst in Erwägung gezogen werden (was auch nicht bewusst abläuft, sondern unbewusst – ich verurteile die dann nicht – aber ich bin auch nicht bereit da dann Hilfe anzubieten – das ist Aufgabe eines Therapeuten oder Fachmanns, nicht einer Bekannten oder Freundin – da ist eine Grenze erreicht).

    Vielleicht ist mir das so bewusst, weil ich von Freunden damals mehr erhofft hatte, als die geben konnten. Im Endeffekt war ich dann irgendwie verletzt, fühlte mich hängengelassen – doch die hätten gar nicht helfen können, weil von meiner Seite dieses „Wollen“ nicht wirklich da war – ich kenn also die andere Seite auch. Doch irgendwann sollte man sich aufraffen und andere Hilfe suchen – das liegt in MEINER Verantwortung – für MICH Hilfe zu suchen, wenn ich alleine nicht weiterkomme. So wie man einen Handwerker holt wenn die Toilette verstopft ist – ich kann viel selbst probieren mit Pümpel und Spirale – aber wenn das nicht klappt muss ich den Handwerker holen, weil mein Wissen und Können da am Ende ist, so wie ich zum Arzt gehe, wenn der Körper versagt und die Hausmittel nicht mehr helfen, so ist es auch mit Psyche – ich kann sicher viel alleine hinbekommen, doch es gibt einen Punkt, wo ein Fachmann her muss, weil all mein Wissen und Können nicht mehr ausreicht.

    Ich muss etwas dafür tun, wenn ich will dass es mir besser geht.

  10. Violine sagt:

    @Ilana
    Danke für Deine Worte, Ilana. Das wusste ich noch nicht, dass das Instrumentalisieren bei Trauma sehr häufig ist. Bei meinem Vater ist das mit dem Instrumentalisieren in bezug auf meine Person ganz schlimm, das sind viele Ebenen. Und meine Mutter habe ich auch im Verdacht.

  11. shekaina sagt:

    der mensch, über den ich hier schrieb, hat keine depression, sondern zwänge, er kann sich nicht „entscheiden“, weswegen er z.b. nicht mal zu einem arzt gehen kann, obwohl er massive magenprobleme hat, weil er sich für keinen arzt entscheiden kann, wenn man ihm aber dann die entscheidung abnimmt und er aus irgendeinem grund das gefühl hat, das falsche getan zu haben, dann ist derjenige schuld, der für ihn entschieden hat- ich denke damit geht er immer der eigenen verantwortung aus dem weg…
    ich kann dich da einfach sehr gut verstehen… auch wenn ich denke, dass das für jeden ein prozess ist, wenn ich daran denke, wie ich war, als ich 19-20 war, da habe ich alle anderen für alles verantwortlich gemacht und mich total fallen gelassen… es braucht halt alles zeit und alles hat SEINE zeit, aber klar, wenn jemand das gar nicht schafft, dann muss man irgendwann die grenze ziehen.
    lieben gruss an dich

  12. Ilana sagt:

    @irina: auch da geht es im Endeffekt um die Entscheidung will ich etwas ändern oder nicht – und wenn ich etwas ändern will muss ich bereit sein etwas dafür zu tun – es ist egal welche Erkrankung dahinter steht – man hat nur zwei Möglichkeiten: damit umgehen lernen oder sich ergeben. Und wenn jemand nach 5 Jahren erst den Schritt schafft – ist es ok – dann kann ich da helfen – doch in den 5 Jahren werde ich meine Grenzen ziehen. Ich werde nicht die Verantwortung für jemand anderen übernehmen, ich hab genug damit zu tun sie für mich zu übernehmen (Kinder und Tiere mal ausgenommen, denn da sind wir Erwachsenen durchaus verantwortlich für).

    Es geht einfach darum, dass man für sich selbst eine Grenze ziehen muss, weil man sonst in eine Art „Coabhängigkeit“ reinrutscht und dem Betroffenen damit nicht hilft.

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