emotionaler Schmerz

Die Überschrift eines Beitrags von Artista lässt mich nicht los.

Wohin trägt mich der Schmerz?

Noch bevor ich weiterlesen konnte war da eine „Antwort“ im Kopf:

Sie trägt uns in die Befreiung/Freiheit

Der Schmerz, der damals nicht sein durfte, und der doch da war – und zwar mit voller Intensität.

Doch für den Schmerz gibt es nur den Weg des betäuben oder des Zulassens – und das Betäuben hat all die Jahre funktioniert – doch der Schmerz ist immer noch da – er konnte ja nirgends hin.

Und das fordert er jetzt ein – sein „sein dürfen“, sein „nimm mich wahr!“. Nur die Wunden – vor allem von den tiefen – die man wahrnimmt, können heilen. Weil man sie umsorgt und pflegt und ein Umfeld bietet, in dem es sich wieder erholen – und heilen – kann.

Irgendwie ist es auch mit diesem Schmerz so.

Es ist wie am Strand, die Gefühle, so auch der Schmerz, rollen wie Wellen auf uns zu. Manche umspielen nur die Füße, andere schlagen über unseren Kopf zusammen und wir drohen zu ertrinken.

Meistens können wir es uns nicht aussuchen, wie hoch die Welle ist oder mit welcher Wucht sie auf uns zukommt. Wir können nur versuchen schwimmen zu lernen.

Und wie es bei den hohen Wellen so ist – wäre es am besten einfach durchzutauchen, damit sie uns nicht umwirft. Oder man versucht sich von der Welle tragen zu lassen. Auch das geht nur bis zu einer bestimmten Grad, denn bei einer Flutwelle hilft auch kein durchtauchen oder tragen lassen – da kämpft man nur noch ums Überleben.

Manche Wellen sind so gewaltig, dass wir Angst haben, es nicht aushalten zu können, nicht genug Kraft zu haben um diese zu überstehen oder dass uns der Schmerz in den Wahnsinn treibt.

Nur allzu oft können wir nur verzweifelt versuchen nach Luft zu schnappen und auch diese Welle zu überstehen.

Das macht es so schwer ihm Raum zu geben, weil er allzu oft so bedrohlich ist und uns zu überwältigen droht.

Man muss ihn aus halten
ihn zulassen

So schwer das ist, so viel Angst das oft macht, so schmerzhaft das auch ist, ist das der Weg. Damit kann er irgendwann weniger werden, zur Ruhe kommen, die Wunden von damals heilen, weil der Schmerz das herausschwemmt, was das heilen verhindert, die Widersacher und alten Ansichten, die damals überlebenswichtig waren, die „alte“ Realität, die immer noch in uns drin steckt, die Gefühle, die damals „nicht sein durften“, weil wir sonst nicht überlebt hätten.

Danke liebe Artista, für den Gedankenanstoß, für deine klaren Worte, die so treffend sind – und einfach dafür dass es dich gibt 🙂

Dieser Beitrag wurde unter Erinnerungen, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf emotionaler Schmerz

  1. Artista sagt:

    Hallo Ilana,

    wunderbar hast du geschrieben und ich kann alles nur unterstreichen. Bei mir ist dieser Schmerz jahrzehntelang nicht da gewesen – nicht gefühlt, gar nicht gewusst…

    Und dann plötzlich ist er da…in all seiner Grausamkeit zu spüren.

    Du hast das sehr gut auf den Punkt gebracht. Danke dir.

    Übrigens die Kerze hat eine Bedeutung für mich – die habe ich für meine Therapeutin gemalt – dem ersten Menschen, dem ich mich getraut habe etwas zu vertrauen. Ein Zeichen es Vertrauens sozusagen.
    Herzlichst
    artista

  2. Ilana sagt:

    Ja so war es bei mir auch – jahrzehntelang kein Schmerz, generell kaum ein Gefühl, außer Angst.

    Die Kerze ist toll und die Geschichte dazu macht sie besonders, danke dass du sie mit mir/uns teilst.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.