zuviel

Bin grade einfach nur wütend  – auf mich – dabei versteckt sich dahinter nur ein „zu viel“.

Physio – ich stand heute alleine auf dem Trampolin – ein sehr großer Schritt für mich und ein Erfolgserlebnis. Auch dass ich ohne Festhalten einige Übungen oben gemacht hab (mit M. direkt vor mir, zum Festhalten können wenn nötig) – es war gut. Anstrengend und teilweise hart an der Grenze, aber gut.

Betreuung danach – wie ein Schalter der sich umlegt – ich dissoziiere und hab irgendwie keinen Einfluss darauf was ich tue oder sage – und funktioniere. Schon während wir hier rumräumten wurde klar „zu viel“ – der Wunsch „geh einfach“ – doch ich lächelte und funktionierte weiter.

Dass es heute so extrem war, lag glaub ich daran, dass wir diese Woche keinen Termin mehr haben – normalerweise haben wir ja jetzt einen 2. Wohnungstermin und ich sah die Felle davon schwimmen – dabei weiß ich nicht mal warum – da war Panik und ich fing an abzuwaschen – ach ich weiß auch nicht.

Es baute sich ein unglaublicher Druck auf – trotz der Dissoziation – und kaum ist er dann aus der Tür, fällt das Funktionieren weg und über bleibt ein Häufchen Elend, das wütend auf sich ist, weil es so ist wie es ist, weil es den Schalter nicht findet – und damit die Betreuung gefährdet – und sich – weil es grade zur Zeit so wichtig ist, auf die Grenzen zu achten, sie zu wahren.

Jetzt sitz ich da, mir ist kotzübel, so sehr, dass ich jede Bewegung meide, weil ich mich sonst übergeben muss – und versuche den Film zu stoppen, der abläuft – ohne dass ich ihn wirklich sehe – versuche mir klarzumachen, dass ich das trennen muss, dass W. nichts getan hat und das die Fakten im Moment nicht dafür sprechen, dass die Betreuung bald beendet ist oder ähnliches.

Wütend sein ist einfacher, als dieses zu viel wirklich zu spüren – denn dann kommt die Hilflosigkeit und die Verzweiflung – und die sind im Moment zu sehr mit dem alten verknüpft – dann ist hier Land unter.

Das alles sehe ich, ich fühle noch nicht mal die Wut wirklich – weiß doch dass sie da ist – und eigentlich grad nur, weil alles andere für den Moment ein Aus bedeuten würde.

Und ich weiß – ich müsste mich jetzt nur hinsetzen und schauen, dass ich mir Gutes tue, was leckeres zu Essen mache (weil was anständiges gegessen hab ich heute auch noch nicht), einen leckeren Salat z.Bsp oder eine Tasse Kakao oder gar nichts und mich ins Bett kuscheln und lesen oder Musik hören oder Hörbücher – und wenn ich das mache ist gleich alles wieder gut – hab ich mich gleich gefangen – das weiß ich – und doch ist es grad so unendlich schwer aufzustehen und genau das zu tun.

Hinzuhören was mein Körper grad braucht – denn hinhören was die Seele grad braucht ist für den Moment zu schwer – das kommt dann als nächster Schritt.

Ich muss es nur tun – raus aus dem lähmenden Gedankenkreisel hin zum „hier und jetzt und mir Gutes tun“. Doch das Gefühl es verdient zu haben – dass es mir nicht gut geht, weil ich doch W. gegenüber so unfair bin und die Betreuung aufs Spiel setze und einfach nicht so „funktioniere“ wie ich es gern hätte – ist verlockend – weil vertraut. Sich Gutes zu tun – so unendlich schwer, es sich zu „gönnen“ –  überhaupt sich etwas gönnen.

Doch ich werde das schaffen, ich werde gleich den Computer ausmachen und aufstehen, tief durchatmen und dann in die Küche gehen – mit Todesverachtung – aber ich werde es tun. Und dann werd ich weitersehen – es muss nichts zu essen sein – wenn das grad nicht geht – dann werde ich mich in meine Ecke setzen und das Buch rausholen – und lesen – und wenn das nicht klappt, hol ich mir das Hörbuch und höre weiter – und wenn das nicht klappt werde ich Musik hören – und so werde ich weitermachen – bis irgendwas klappt (und dabei weiß ich, dass allein das aufstehen schon reichen wird – der Rest wird dann wie von selbst gehen).

Diese Kämpfe – gehören zum Alltag – nicht mehr so regelmäßig wie früher, wo jeder Handgriff den ich für mich tat diese Kämpfe auslöste, aber wenn es darum geht mir etwas Gutes zu tun obwohl es mir grad nicht so gut geht – sind sie noch normal – genauso wie das Wissen – ich muss nur aufstehen, der Rest funktioniert dann, greift dann, läuft dann  – wofür ich sehr dankbar bin, weil das nicht selbstverständlich ist.

Nur aufstehen, mich von der Hängematte erheben – das ist alles. Und kann doch so schwer sein.

Wir lesen uns morgen dann – der restliche Abend gehört Skills und nach dem Aufstehen dem „mir was gönnen“ (wenn ich das auch grad mit Todesverachtung denke – und grad deshalb ist es auch nicht mit nur was zu Essen machen oder lesen für heute getan – es heißt dranbleiben um dieser Verachtung keine Chance auf ein Widerkehren heute zu geben – doch das ich dann auch ok – wenn ich erstmal aufgestanden bin)

Denn ich werde aufstehen – und zwar JETZT!

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4 Antworten auf zuviel

  1. Artista sagt:

    Ich hoffe,es hat geklappt du hast es schafft….ja, dieses Funktionieren haben wir auch gut drauf….keine merkt etwas – sobald die Türe hinter einem zu ist…

    Das kostet sehr viel Kraft – essen ist da wichtig, da du viel Energie verbrauchst – besonders Calium und Magnesium…

    Denk an dich….

    herzlichst
    artista

  2. Ilana sagt:

    Danke dir – ja hat geklappt – und nachdem ich jetzt auch weiß, wann morgen das Schwimmbad aufmacht – kann ich auch den Computer wieder aus machen – hab noch einen schönen Abend

  3. shekaina sagt:

    ach ilana, wenn man was für dich tun kann, dann schreib mir, ja?
    wie ich gelesen habe, hast du es ja geschafft- das finde ich schon mal toll, diese „starre“ kenne ich auch, es ist schwer, sie durchbrechen, aber es geht. ich denke heute an dich und wünsche dir eine halbwegs gute nacht.

  4. Ilana sagt:

    Danke dir – nein es ging gut – es war mehr der Versuch diesen Kampf auch aufzuschreiben – es ist einer, den wir Betroffenen alle kennen, meisten jedoch so, dass es eben nicht nur mit dem aufstehen getan ist, sondern danach der Kampf mit jedem Atemzug und jedem Schritt weitergeht. Aber dieser Kampf ist da. Für mich war klar, wenn ich aufstehe habe ich das durchbrochen, dann geht es wieder gut – das macht mich dann oft noch wütender, weil ich das ja weiß und es dennoch so schwer ist diesen Schritt zu machen. Ja es geht diese Starre zu durchbrechen und heute geht es sogar meistens recht schnell, wenn ich da an früher denke, da war das oft ein endloser Kampf – und dafür bin ich sehr froh, dass es heute gut klappt und gut geht – und die Sicherheit dabei ist, dass ich das auch schaffe, dass es mir wieder gut gehen wird.

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