Muttertag

Bei einer Mutter, die nicht lieben kann, für die das Kind nur ein Werkzeug ist, Werkzeug für die Anerkennung, zur Fassade gehört, nun ja – da löst der Muttertag – ähnlich wie ihr Geburtstag leider viele unliebsame Erinnerungen aus.

Sie hat uns versorgt, wir hatten zu Essen, immer saubere Kleidung zum anziehen, eine stets aufgeräumte Wohnung. Aber sie war auch unberechenbar, sadistisch und krank.

Den Kontakt zu ihr abgebrochen zu haben, habe ich nie bereut.

Ich weiß nicht ob ich mich nach einer Mutter sehne – ich glaube eher nicht – weil ich es nie kennengelernt habe – ich sehne mich nach einem Menschen der für mich da ist – ohne dass es sein Job ist – aber eine Mutter? Da fehlt mir die Vorstellungskraft.

Sie hat mich verstümmelt – emotional. Aber für sie wird es keine Konsequenzen geben – denn natürlich bin ich die undankbare böse Tochter, die sich nicht mehr meldet.

Für sie existiere ich nicht mehr, dafür eine Tochter ihrer Vorstellungen (natürlich auch noch mit meinem alten Namen), die in Deutschland in einem Büro einer großen sozialen Einrichtung arbeitet – und weil sie so weit weg wohnt und so viel arbeitet – kann sie so selten zu Besuch kommen.

Ich hoffe dass mein Bruder auf seine Kinder aufpasst, bei meiner Schwester hab ich diese Hoffnung leider schon aufgegeben – eigentlich beim Bruder auch, aber da setze ich auf meine Schwägerin.

Eigentlich wünsche ich meiner Mutter nicht mal etwas böses – ihre Mutter hatte die letzten Wochen ihres Lebens sehr unter Verfolgungswahn gelitten, schwarze Männer die sie umbringen wollen – wirklich gelitten. Meine Mutter wird dekompensieren, wenn ihre zusammengebastelte Welt zusammenbricht. Nur mit dieser – ihrer eigenen Welt – kann sie überleben.

Aber ich möchte mit ihr nichts mehr zu tun haben – und ich hoffe sehr, dass ich ihre Anteile in mir drin – irgendwann bekämpft bekomme, loswerde, sie irgendwann ihre Macht über mich verliert.

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5 Antworten auf Muttertag

  1. Petra sagt:

    Hallo Ilana,

    was für bittere Gedanken… Ich wünsche dir, das du mit der Zeit solche Gefühle/Erinnerungen/dunklen Wolken nur noch selten und mehr und mehr verblassend empfindest…

    Die Macht anderer über unsere Seele ist beklemmender als ein direkter Fesselgriff. Hoffentlich fühlst du dich bald frei von der Macht deiner Mutter…

    LG
    Petra

    • Ilana sagt:

      Hallo Petra, herzlich Willkommen hier 🙂 – ja diese Macht ist beklemmend, und ich hab da noch einen sehr weiten Weg vor mir, bis ich mich davon endgültig lösen kann, dazu gibt es noch zu viele Themen die anschauen muss – doch ich bin auf diesem Weg! Danke dir für deine Wünsche.

  2. shekaina sagt:

    liebe ilana,
    ich kann das verstehen, auch wenn ich meine mutter nicht aus meinem leben verbannt habe, obwohl sie mich seelisch stark misshandelte und missbrauchte, aber sie hat sich im laufe der jahre geändert, was bei deiner mutter ja nicht der fall ist, manchmal ist es besser, es zu beenden, bevor es einen selbst beendet.

  3. artista sagt:

    liebe ilana,

    ein so schwieriges thema – auch für mich…

    ein satz hat mich aufhorchen lassen

    „Ich weiß nicht ob ich mich nach einer Mutter sehne – ich glaube eher nicht – weil ich es nie kennengelernt habe – ich sehne mich nach einem Menschen der für mich da ist – ohne dass es sein Job ist – aber eine Mutter? Da fehlt mir die Vorstellungskraft.“

    darüber muss ich nachdenken-nach was sehne ich mich? ist das wirklich eine mutter, oder?

    danke für den impuls

    herzlichst
    artista

  4. Ilana sagt:

    @Irina: den Abbruch zu ihr hab ich nie bereut – nicht eine Sekunde, den zum Vater schon – aber bei ihr ist klar, dass sie sich nicht ändern wird – weil sie es nicht kann – sie wird nicht hinsehen – und schon gar nichts „zugeben“ – für sie hatte ich eine tolle Kindheit und bin die undankbare Tochter. Das zu beenden war gut und richtig – so fühlt es sich auch heute noch an.

    @artista: ich hatte es bei dir gelesen – und mich daraufhin gefragt ob ich mich auch nach einer Mutter sehne – denn Sehnsucht ist am Muttertag schon da – aber nicht nach einer Mutter – vielleicht ist dieser Begriff für mich zu sehr negativ besetzt. Außerdem sehe ich es als Job einer Mutter, dass sie sich um ihr Kind kümmert und es leben lernt – dazu gehört auch das Kind lieben zu lernen. Auch wenn das eher Nebensache ist (ich meine das mit dem Job ;)) – unter einer Mutter stelle ich mir was anderes vor – und auch wenn das Kind in mir sich sicher eine Mutter wünscht – geht es mir heute nicht mehr darum – sondern einfach um einen Menschen, der mich liebt, mich nimmt wie ich bin, sich hinter mich stellt – für mich da ist – ohne Bedingungen – der für die Liebe keine Gegenleistung erwartet (wobei ich da unschlüssig bin – denn ich denke, derjenige wird wenigstens erwarten, dass ich ihn/sie auch mag)

    Diese Sehnsucht nach so einem Menschen ist es, was eben auch am Muttertag für mich da ist – weil eine Mutter eigentlich so ein Mensch sein sollte – und mich deshalb daran erinnert, dass ich so jemand nie hatte und immer noch nicht habe.

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