Loslassen

Grade eben hab ich eine mail geschrieben – an M. und an S. – meine besten Freunde aus meiner Jugendzeit – von denen ich damals so viel erhofft und irgendwie erwartet hatte – was beide gar nicht geben konnten. S. hab ich nicht mal die Möglichkeit gegeben, ich hab ihr nie was gesagt – und M. – nun er hatte selbst mehr als genug Probleme – er bangte um sein Leben – und ich erwartete, dass er versteht, dass er die Zeichen lesen kann, die Andeutungen versteht und für mich da ist.

Das hätten beide niemals leisten können – noch dazu in einer Gegend, wo es Missbrauch doch nicht gibt.

Sie waren zwar meine besten Freunde, aber ich war nicht ihre – ich klammerte mich an eine Hoffnung, an ein „ich brauch sie doch“ – das vielleicht nie auf Gegenseitigkeit beruht hat. So war es kein Wunder, dass der Kontakt einschlief als ich wegzog – anfangs kam noch mal ein Brief oder ein Anruf – irgendwann war nur noch Kontakt wenn ich mich meldete – und bei M. konnte ich mich ja nicht melden – er war nie da – so lief der Kontakt über seine Mutter, seine Schwester oder über S. – und vermutlich vergassen alle außer S. die Grüße auszurichten.

Doch ich klammerte mich daran, für mich waren es immer noch meine „besten“ Freunde. Bis ich irgendwann so nebenbei erfuhr, dass sie einen Sohn hatten – das hat damals so weh getan, dass ich es nicht mal wert bin, dass sie mir erzählen ein Kind zu bekommen. Also meldete ich mich nicht mehr.

Bis vor einem halben Jahr etwa – damals stolperte ich über einen Lebensweg von M., erfuhr dass die beiden mittlerweile 4 Kinder hatten und auch M.’s Mailadresse – und ich mailte ihm. Es kam auch eine Antwort – doch alles wirkte irgendwie „verkrampft“ – wir wussten nicht recht miteinander umzugehen. Ich erfuhr, dass sie ein Kind verloren hatten und war so unendlich traurig, merkte, dass ich so gerne für sie dagewesen wäre – vor allem für S. – doch ich hatte immer noch keine Möglichhkeit mit ihr direkt Kontakt aufzunehmen.

Die mail heute war für mich ein Erklären und ein Abschluss – nicht des Kontaktes – aber dessen, was da mal war – zwar nur von meiner Seite – aber eben so war. Mir wurde klar, dass ich heute von ihnen nichts mehr erwarte – aber auch, dass ich nicht mehr verletzt bin – ja die Enttäuschung von damals tut immer noch ein bisschen weh – aber mehr, weil es ein Abschied nehmen von der Vorstellung war, von dem Bild das ich mir von dieser Freundschaft gemacht habe – und nicht mehr dieses „die haben mir weh getan“  – das ist weg.

Ein Loslassen einer Freundschaft die mir viel bedeutet hat – ohne die beiden, vor allem ohne M. würde es mich heute nicht mehr geben – und dafür werde ich ihm ewig dankbar sein – vielleicht ist es auch ein Stück ein „ihn entlassen aus dieser Erwartung an ihn“.

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2 Antworten auf Loslassen

  1. Irmi sagt:

    Ilana, ich lese täglich bei Dir. Aber oftmals weiß ich ganz einfach nicht, ob und was ich kommentieren kann. Es ist immer schwer, sich von einem „Jugendtraum“ zu verabschieden. Du löst Dich gerasde von der Vorstellung „Beste Freunde“.
    Für Dich waren es die besten Freunde. Du hast all die Jahre daran festgehalten.
    Vielleicht wolltest Du ganz einfach glauben, daß es die besten Freunde sind. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung – das Lösen. Bedauere nicht, diee Mail geschrieben zu haben.
    Liebe Grüsse
    Irmi

  2. Ilana sagt:

    Ich kann die mail eh nicht zurückholen – für mich waren sie meine besten Freunde, verabschieden musste ich mich davon, ich aber nicht die beste Freundin für sie war. Allerdings sehe ich heute auch, dass sie das wohl auch nicht sein hätten können – ich hätte einen Therapeuten gebraucht, fachliche Hilfe – auf jeden Fall Hilfe die junge Menschen überfordert – auch Freunde.

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