Thera heute – Teil 2

Als wir heute anfingen – mit EMDR – war irgendwie nur klar, ich muss in die alte Wohnung – nur dass ich da nicht „reinkam“. Kaum öffnete ich die Tür, blieb mir die Luft weg, ich konnte nicht mehr atmen – und geriet in Panik. Da war kein wahrnehmen von dem Raum oder sonst etwas – nur der Kampf um den rettenden Atemzug.

Wir versuchten dem nachzugehen – doch ohne Erfolg – immer das selbe – keine Luft mehr bekommen und Panik. Egal wie wir es versuchten, mit welchem Ansatz, ob der Thera dabei war oder nicht – ob nur er reingeht – ich bekam keine Luft mehr.

Ehrlichgesagt weiß ich nicht genau was er dann gesagt hat – er hat mit dem Anteil gesprochen, der Angst hatte – vor der Tür, also mit genug Luft usw – und erzählte da irgendwas, wo ich noch dachte – hmm. Aber irgendwas passierte auch – so als würde er jemanden in mir ansprechen und ich bekomme es zwar mit, weiß aber weder mit wem er da spricht noch was. Und es begann sich etwas zu lösen – für mich erst völlig unzuordenbar.

Und irgendwann war es dann da – nicht wie sonst oft überrollend oder wie eine Wand oder so – einfach nur klar da – und es folgte ein Entsetzen. Da hat niemand was mit mir getan – das war ich – ich habe mir das mit dem nicht atmen angetan.

Viele Jahre lang hab ich mich, wenn es mir schlecht ging, hingelegt und „tot gespielt“ – nicht mehr mit Luft anhalten, aber mit so flacher Atmung, dass man nichts sah. Viele Jahre lang hatte ich angst, dass ich aufhöre zu atmen, weil ich so oft plötzlich feststellte, dass ich das Atmen eingestellt hatte – ich hatte einfach aufgehört zu atmen – bis irgendwann das Bewusstsein das mitbekam und in Panik geriet – und Luft holte. Oft dachte ich, dass ich, wenn ich nicht aufpasse, vielleicht irgendwann vergesse weiterzuatmen. Vom Kopf her war mir schon klar, dass das nicht geht, es Atemreflexe gab – doch zu oft merkte ich plötzlich auf und stellte fest, dass ich nicht atmete.

Zu ersticken oder zu ertrinken – das ist die schlimmste Vorstellung für mich, davor hab ich wahnsinnige Angst. Heute.

Doch das war ich – es gab keine Strangulationen durch die Eltern oder sonst wen. Nur mich.

Und dann war da nur die Verzweiflung von diesem Kind – und diese Verzweiflung – ist die Verbindung. Es ist die gleiche Verzweiflung wie die, die ich in der alten Wohnung hatte. Ausgeliefert irgendwelchen Ämtern, die erst ja und dann doch nein sagen, die mich in dieser Hölle sitzen ließen – allen war klar, da muss ich raus, doch das einzige was mir alle vorschlugen war: ziehen sie einfach um, bei ihnen ist eh nichts zu holen, bleibt dann eh am Vermieter hängen.

Doch das konnte ich nicht – der konnte ja nichts dafür.

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2 Antworten auf Thera heute – Teil 2

  1. shekaina sagt:

    schrecklich, ich glaube ja, dass fast alle kinder sich irgendwie „selbst schädigen“, wenn sie missbraucht wurden- auf die ein oder andere weise und ich sehe das auch als selbstverletzung an, vielleicht sogar „die welt anhalten“ für einen moment, vielleicht auch eine art „dissoziation“ herzustellen, was ich auch sehr gut kenne durch eine gewisse art von atemnot ist man ja auch „benebelt“-
    ich wünsche dir, dass die erinnerung sich bald integriert und die verzweiflung weggeht.
    alles liebe

  2. Ilana sagt:

    Nein mit dissoziieren hatte es nichts zu tun – ich habe damals schon mein Leben „von außen“ betrachtet – mir immer von außen zugesehen – für mich war das auch ganz „normal“ – ich hab erst Jahre nachdem ich eine Therapie machte gelernt, dass das eben nicht „normal“ ist. Vielleicht hatte es was mit Kontrolle zu tun – aber eigentlich war es einfach die Überzeugung – wenn ich das lang genug übe, trainiere, werde ich es schaffen aufzuhören zu atmen – für immer – werde ich diesen Körper überlisten – so wie ich es bei den ersten Atemreflexen geschafft hatte (auch wenn das nicht so bewusst war)

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