Probleme beim Aufräumen

Irina hat mir in den Kommentaren ein paar Fragen gestellt – zum Aufräumen – ich finde das wichtig und möchte es deshalb hier her kopieren (vor allem, damit ich das auch wieder finde 🙂 ):

hat es auch etwas mit messi zu tun? also sammelst du auch, kannst nichts wegschmeissen oder ist es eher eine antriebslosigkeit, dass du nichts anpacken kannst?
überfordert dich das “chaos”- das tatsächliche in der wohnung, nach dem motto “wo soll ich anfangen?”?
worum geht es dir bei dem problem anpacken- um die sehr traumatische situation von damals, WIE du das alles (umzug usw) dann bewältigen musstest oder darum, in welchem zustand die wohnung war?

Messie – nur bedingt – es ist nicht das Sammeln oder nichts wegwerfen können – aber ich habe z.Bsp ein großes Problem den Müll wegzubringen – dabei klappen Küchenmüll usw meist gut – aber Altpapier ist ein großes Problem – nicht weil ich es nicht wegwerfen will oder so – ich kann es auch nicht erklären – ich weiß es nicht. So bring ich mit dem Betreuer jede Woche gemeinsam den Müll raus – da ist es dann kein Problem.

Wenn es nur wenig ist – schaff ich es meist – aber ab einem bestimmten Punkt wird es “zuviel” – leider ist dieser Punkt schon sehr sehr früh. Der Antrieb ist da, aber es baut sich, wenn ich dann anfange, ein Druck auf – der – wenn ich da nicht aufpasste – früher in SVV endete – heute ist es einfach ein Druck, dass ich das Gefühl habe gleich zu platzen (und wenn ich dann nicht aufhöre mache ich auch heute noch irgendwas mit dem ich mir schade, wenn auch nicht mehr körperlich). Das es dann nicht klappt lässt – wenn es dann eben schon wieder mehr ist – die Angst aufkommen, dass ich da lande wo ich damals war, dabei ist meine Wohnung aktuell echt besuchertauglich – und das schon die letzten Monate.

Der Druck kommt aus der Kindheit – wir mussten immer schon vor der Schule aufräumen (was ich ok finde) – das war aufgeteilt, einer das Bad und Toilette, einer Küche, einer Kinderzimmer, einer staubsaugen usw. Aber egal wie wir es machten, es war nie sauber genug – es gab immer was zu meckern und musste immer “nachgeputzt” werden. Dazu kam, dass wir keine Privatsphäre hatten – so hat meine Mutter einige Schularbeiten weggeworfen (die in meinem Schrank aufgeräumt lagen) – weil war ja beschriebenes Papier – erklär sowas mal dem Lehrer. Es war nie ordentlich genug – und das ist irgendwie in mir drin.

Der Druck hat mit meiner Mutter zu tun – mittlerweile geht es wenigstens dann mit dem Betreuer zusammen oder auch selbst was zu machen – und solange es nicht zuviel ist, krieg ich es auch hin – mal mehr mal weniger – das ist sehr stimmungsabhängig und auch wie sehr meine Mutter oder die Betreuung grad Thema ist – denn wenn die Thema sind geht meist gar nichts mehr.

Manchmal ist es auch so, dass ich mich einfach verzettel – ich will den Tisch abräumen z.Bsp – und bringe das Glas in die Küche und dann seh ich da was und räum das weg usw (hat was von ADS) – das klappt dann mit dem Betreuer besser, weil der mich wieder auf das Eigentliche zurückholt.

Dann ist es oft so, dass ich nicht das sehen kann ,was ich geschafft hab, sondern die Ecken, die es eben nötig hätten (und die finde ich IMMER, dieses “nie ordentlich genug” ist ganz tief in mir drin).

Außerdem ist es so, dass ich körperlich oft einfach nicht kann – dass die Schmerzen so heftig sind, dass ich mich kaum rühren kann und froh bin wenn ich es schaffe mir was zu Essen zu machen – oder dass die körperliche Kraft einfach nicht ausreicht – wenn das mit einer Phase wo es grad psychisch eh schon problematisch ist zusammenfällt – ist dann sehr schnell das “aus” erreicht.

Das Körperliche ist sogar ein großes Problem – Abwaschen z.Bsp – geht nur mit Extra-Schmerzmittel (generell geht Aufräumen nur mit Extra-Schmerzmittel) und ich kann mich dann danach meist kaum noch rühren – genauso bei den Böden – deshalb sind das auch die Sachen die ich mit dem Betreuer zusammen mache.

Das Anfassen an sich ist nicht das Problem – aber der Missbrauch fand zum Teil im Bad statt – und so war es jahrelang nicht möglich Bad oder Toilette oder Küche zu putzen ohne dass ich mich dabei übergeben musste. Heute übergebe ich mich nicht mehr – aber es gibt immer noch Zeiten, in denen Bad oder Küche für mich einfach nicht machbar sind – was natürlich grade in diesen Räumen ein Problem ist.

Ich kann z.Bsp auch nur was machen wenn ich dabei Musik höre (recht laut) – Musik bei der ich mitsingen kann (ist ja mein Hauptskill) – sonst kann ich es ganz vergessen. Selbst mit dem Betreuer zusammen ist Musik ein Muss – doch das ist ja auch nicht so sehr das Problem und lässt sich recht problemlos umsetzen.

Das Aufräumen war schon immer ein Problem für mich – das hat nicht nur mit der alten Wohnung zu tun – da kamen dann halt nur die baulichen Mängel dazu – dass selbst wenn es top aufgeräumt war wie auf einer Baustelle aussah – ich hatte flächendeckend Schimmel an den Wänden usw – das war sicher mit ein Grund, warum es dann im Endeffekt dann so extrem schlimm für mich wurde. Die Bedrohung kam nicht vom Zugemüllten, sondern von den baulichen Mängel.

kann das dann auch so sein, dass du zu hohe ansprüche an dich hast (vor allem auch durch deine starken schmerzen- da nehmen sich andere jemanden, der für sie putzt und putzen gar nicht mehr selber)- dass du dann in eine total hilflose situation reinkommst? kann das sein? so nach dem motto “ich muss/soll, aber eigentlich geht es gar nicht und schon gar nicht so, wie es (laut meiner mutter, die alte ordnung) sein sollte”- dass da noch sehr viel deine mutter auf dich einwirkt…?

Ja ich erwarte von mir zu viel – aber jemanden der hier putzt kann ich mir nicht leisten – also muss ich es selbst machen. Meine Ansprüche sind sicher zu hoch – doch meist erwarte ich nur das “Grundlegende” – und doch stapelt sich manchmal das ungewaschene Geschirr und der Boden sieht aus wie Sau (hab ja auch zwei Katzen die ihre Fellmäuse und das Katzenstreu überall verteilen). Bei mir ist es nie supersauber – weil ich das gar nicht hinbekomme – ich bin schon froh, wenn nicht das große Chaos hier herrscht und ich zur Not jemanden reinlassen kann. Aber es ist schon dieses Grundlegende so schwer – und muss hart erkämpft werden.

Das mit der hilflosen Situation trifft es glaub ich ganz gut – Danke dir dafür

Liebe Irina, ich danke dir für deine Fragen – und deine Antworten – sie haben einiges klarer gemacht – grade auch was das „benennen“ angeht bin ich dank dir ein ganzes Stück weiter.

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2 Antworten auf Probleme beim Aufräumen

  1. Svü sagt:

    Hey 🙂
    Wie schon letztens in der Mail gesagt… passt das mit unseren Wohnproblemen wirklich sehr gut zueinander.

    Ich kenne das Gefühl „des nicht ordentlich genug“… Ich kenne auch das „nur die schlechten Ecken sehen“. Mag daran liegen, dass meine Mutter auch immer eher den Bleistift der noch in der Ecke lag gesehen hat, statt die 16m² zu betrachten die aufgeräumt waren.

    Das mit dem Altpapier ist bei mir ebenfalls eine so kuriose Sache. Ging es dir manchmal auch so, dass du Dinge vergessen hast, die du nicht siehst? Also ich habe zum Beispiel mehrere Mülleimer. Einen mit Deckel, den Rest ohne. Es ist bei mir durchaus schon mal vorgekommen, dass ich den Müll im Eimer mit Deckel absolut verdrängt habe. Solange bis er sich bemerkbar gemacht hat :/

    Hinzu kommt bei mir allerdings noch eine ziemliche Trotzreaktion. Mein Vater hat hin und wieder einen Müllsack genommen und alles weggeworfen was rum gelegen hat. Das war natürlich nicht schön, aber es war Aufmerksamkeit. Irgendwann habe ich nach dem Motto „Wenn schon keine Liebe, dann wenigstens Ärger.“ gehandelt. Teilweise ist das bis vor kurzem noch der Fall gewesen. Interessanterweise klappt das hier fast von alleine seit dem er nicht mehr nachfragt..

    Was deine Schmerzen und die Putzerei angeht. Du hast doch sicherlich einen Behindertenausweis, oder? Also als ich jetzt in der Klinik war, da war ein Mitpatient der auf Grund einer Lungenerkrankung ein Sauerstoffgerät tragen musste und nicht mehr voll belastbar war. Vieles hat ihn angestrengt, er musste öfter Pausen machen und durfte an der Bewegungstherapie nicht teilnehmen. Von ihm weiß ich, dass er sowohl den Umbau seines Badeszimmers (behindertengerecht) als auch die Putzfrau die 2x die Woche kommt, bezahlt bekommt. Gibt es da für dich keinerlei Möglichkeit irgendwo einen Zuschuss zu bekommen? Gut, es ist jetzt wahrscheinlich blöde sich da auch noch drum zu kümmern, wenn du grad eh schon so ein Betreuungsstress hast :/
    Ich finde das irgendwie eh schon höchst kompliziert was ich da bei dir lese. Hier ist die Beantragung der Betreuung und die Bezahlung derer irgendwie wesentlich simpler geregelt..

    Allerdings.. wenn ich mal so über die Gehälter nachdenke.. was ein Sozialarbeiter pro Stunde bekommt und eine Reinigungskraft… da müsste sich das doch eigentlich decken, wenn man den Betreuer 1x die Woche durch eine Putzfrau ersetzt, oder?

    Hach, ich würde dir so gern ein Stück meiner Motivation abgeben…

  2. Ilana sagt:

    Ja ich hab einen Behindertenausweis, aber das allein reicht leider nicht um eine Putzhilfe bezahlt zu bekommen.

    Das mit den Mülleimern kommt schon auch mal vor – aber aktuell mache ich das ja mit dem Betreuer einmal die Woche alles – und damit klappt es ganz gut.

    Weisste – ich wünsches uns, dass wir das in den Griff kriegen – und zufriedener mit dem Erreichten sein können 😉

    Danke dir – und ich denk an dich 🙂

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