Grenze

Es geht mir heute für die Umstände ganz gut – aber es ist halt immer an der Grenze entlang – und da nicht auf die falsche Seite zu kommen bedarf einer ständigen Aufmerksamkeit und auch ein Balancieren und Abwägen.

Es ist ein Haushalten mit Kräften, Ressourcen und Anforderungen – ein Drahtseilakt der besonderen Klasse zwischen Skills, Schonen, Ruhe und Zulassen und Rauslassen (Aufschreiben) und ablenken (mails, Blogs, Bücher lesen usw).

Deshalb auch nur möglich mit Zurückziehen, keine direkten Kontakte (Telefon, Chat), sozusagen „Welt aussperren“ – und nicht noch mehr „unkontrollierte“ Reize zu bekommen.

Ein Verlangsamen der Welt, der Geschehnisse, ein Dämpfen der Geräusche und Eindrücke – ein sehr sorgfältiges „Vorsortieren“ der Wahrnehmungen und damit ein Stück „in Watte packen“ und die ganzen Aufpralle ein bisschen abzumildern.

Darin bin ich eigentlich ganz gut – es ist also nicht die Angst, dass ich das nicht kann – aber es ist anstrengend und kostet viel Kraft – vor allem, weil das negative Selbstbild gerne dazu verleiten würde mir eher zu schaden bzw. das „mir Gutes tun“ – ja grade in solchen Zeiten sehr schwer ist.

Eigentlich ist es das was die ständige Aufmerksamkeit bedarf – zu trennen was da grad von Seiten der Widersacher (und der Selbstschädigung) kommt und was wirklich grad gut wäre (denn die Einflüsterungen der ersteren sind meist auf den ersten Blick nicht als das zu erkennen).

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6 Antworten auf Grenze

  1. shekaina sagt:

    ich habe mir so eine kiste gemacht, wo ich alles dinge reingetan habe, von sachen, die ich gerne tue, die gute erinnerungen habe z.b. kinokarten, briefe von bestimmten menschen, fotos von den bergen, listen mit dingen, die mir WIRKLICH gut tun, gutscheine zum buch kaufen oder anderes.
    vielleicht kannst du dir zusätzlich etwas gutes gönnen? irgendwo einen kuchen kaufen oder sowas?
    (hast du übrigens auch angst, rauszugehen oder habe ich das mal falsch verstanden?)
    ich denk an dich, werde dir nicht zu nahe kommen, hoffe, es ist ok, dass ich hier so viel kommentiere grad, wenn es dir zuviel wird, dann sag es …

  2. Ilana sagt:

    Ich hab auch so eine Kiste 🙂
    Ja ich hab eine Sozialphobie – da ist rausgehen oft schwierig – weil da könnte mich ja jemand nach der Uhrzeit fragen – allerdings ist das nicht mehr ganz so schlimm – so dass ich schon rausgehen kann und das auch mache. Es zählt heute auch zu meinen Skills – nur an Tagen wie heute – muss ich das einfach vom Moment abhängig machen.
    Und das Kommentieren ist ok – weisst du – bei Kommentaren und mails kann ich entscheiden wann ich sie lese und auch wann ich antworte – das ist also gut und lenkt eher ab 🙂

  3. shekaina sagt:

    ich hatte auch lange eine soziophobie, sie wurde aber die letzten zwei jahre besser, mittlerweile geniesse ich es mit menschen zusammen zu sein.
    ich wünsche dir, dass du dir heute wirklich etwas gutes tun kannst.

  4. Ilana sagt:

    danke – bisher klappt es ganz gut 🙂

  5. Christian sagt:

    Die Geschichte mit der Kiste ist gut… ich glaube die greife ich auf…

    Ich bin froh, das meine Medis so gut Anschlagen, ich hatte früher Stunden, Tage manchmal ne Woche wo ich mich nicht bewegen konnte. Ich bin am ersten Tag zwangsweise aufs Klo gegangen, wenn es nicht mehr ging, und habe sonst nur gelegen. Arbeit, Schule, Essen, Trinken war mir egal. Telefon, Türklingel und alles andere haben mich vollkommen überfordert… Das war auch ausserhalb der „ganz schlimmen“ Phasen oft so. Wenn es klingelt wurde nicht aufgemacht, weil könnte ja was schlechtes sein, wenn das Telefon klingelte wurde nicht drangegangen, weil könnte ja was schlechtes sein. Briefe wurden nicht geöffnet…
    In der zwischenzeit habe ich vieles besser im Griff. Aber manchmal rutsche in in Phasen, da ist mir alles zu Anstrengend.
    Das Thema der Widersacher kenne ich auch aus meiner Kindheit…

    Ich weiss leider nicht wo ich es jetzt sonst machen soll, also Kommentiere ich es hierher…
    Ich habe vor einiger Zeit mal einen Plan bei http://www.spuernasen.info gefunden. Der behandelt das Thema des Nicht-Aufräumen-Könnens. Ich habe mich mal mit der Autorin unterhalten, Sie hat das auch als Plan für psychisch Kranke Menschen gemacht.
    MIR hat der Super geholfen. Ich habe den Angefangen mit 2 Minuten in jedem Raum, mehr habe ich nicht geschafft. Ich weiß nicht, ob der Plan für dich umsetzbar ist, aber vileeicht guckst du ihn dir einfach mal an?
    Meine Thera hat mir das ganze um 10 Uhr in den Tagesplan gepackt, das hilft mir. Zumal ich mir aussuchen kann ob Morgens oder Abends…
    Vieleicht hilft er dir ja.

    Ansonsten bringe ich mal wieder ein paar meiner lieblings Standardfloskeln…
    Halt die Ohren steif, es kommen auch wieder bessere Zeiten. Sorry, mehr kann ich dir zur Zeit echt nicht sagen, wenn jemand so ganz tief „drin“ ist, dann fällt es mir schwer meine Gefühle zu benennen.
    Aber sei dir gewiss: Ich bin bei dir.

    • Ilana sagt:

      @christian: danke dir – diese Putzpläne kannte ich noch nicht, aber ähnliche. Das Problem ist nicht das anfangen oder so – es sind schon die Basics – manchmal ist es schon zu viel das Glas in die Küche zu stellen – weil sich da einfach ein Druck aufbaut (erklärt in den Kommentaren des Beitrags „benennen“) – aber danke dir trotzdem 🙂

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