benennen

In der Thera war die letzten eineinhalb Jahre klar, dass es ums benennen geht, dass das benennen für mich ganz wichtig ist – und wenn ich es nicht benennen kann, macht es oft der Thera – das hat er früher nicht gemacht – mehr im Sinne von „Triggerwörter meiden“ – und damals war das auch gut so. Doch auch wenn es mich in dem Moment dann oft trifft – ist es für mich ganz wichtig, dass er die Dinge benennt, ausspricht und nicht umschreibt.

Der sexuelle Missbrauch war beim Jugendamt bekannt, der Vater hatte zugegeben, dass da „etwas“ passiert ist (nicht bei mir, bei der jüngeren Pflegeschwester) – aber es wurde nie nachgefragt.

Das Benennen ist für mich auch so wichtig, weil es damit dann auch einen Namen hat, es ist greifbar, klar, kein Wischi-Waschi.

Bei den Gefühlen geht es mir genauso – wenn ich sie benennen kann, kann ich sie greifen – sie tun dann nicht weniger weh, sind aber irgendwie fassbarer und damit kann ich auch besser damit umgehen.

Wenn etwas nicht richtig fassbar oder greifbar ist – kann ich es nicht benennen. Und nur wenn etwas einen Namen, einen Begriff für mich hat, kann ich es auch wegpacken – so „Ungefasstes“ ist dann wie ein Schatten – nicht abgrenzbar und somit auch nicht „bewegbar“.

Als ich mit dem Blog damals anfing – hatte ich geschrieben, dass ich die Zeit „davor“ irgendwann nachhole. Damit war die Zeit vor meinem Umzug gemeint. Raus aus einer völlig vermüllten Wohnung, die nicht nur dadurch schlimm war, sondern auch eine Menge baulicher Mängel hatte. Der Herd war kaputt und da die ganze Wohnung an einer Sicherung hing, flog diese oft schon beim Wasserkocher oder Toaster. Einen eigenen Sicherungskasten hatte ich nicht – ich musste hoch zum Vermieter und ihn bitten, die Sicherung wieder reinzumachen.

Wenn der Kühlschrank ansprang, flackerte das Licht – und ich hatte jedesmal panische Angst wenn ich ein elektrisches Gerät anschaltete.

3 Jahre kämpfte ich um diesen Umzug, war sehr viel Willkür ausgeliefert. Doch ich wollte alles ordentlich hinterlassen – und das musste erst finanziert werden.

Diese drei Jahre waren die schlimmsten in meinem Leben – ich war am Ende – am tiefsten Punkt angelangt. Auf einer Skala von 1-10 wie es mir geht – war meine heutige 1 (für schlecht) – damals eine 30 – zwischen diesen Leben liegen Welten.

Auch heute – eineinhalb Jahre danach – sage ich noch – dass es – obwohl es mir heute gut geht – der Preis damals zu hoch war – ich würde das nicht nochmal durchkämpfen – diesen Preis nicht nochmal zahlen – trotz dem wirklich lebenswerten Leben heute. Ich hätte lieber meine Kindheit nochmal durchgemacht – also diese Zeit – es war wie gesagt mein tiefster Punkt – an den ich nie wieder zurück will.

Ich bin mir sicher, dass diese Zeit ein weiteres Trauma hinterlassen hat.

Doch dieses Trauma kann ich nicht fassen oder benennen – es nicht genauer anschauen, weil es mich überwältigt und ich mich wieder in der Gefühlswelt von damals verliere. Das konnte ich nie jemanden erklären – es war mir immer klar, dass es die Wohnung ist – alle glaubten, dass ich mir nur was vormachen würde und es ein böses Erwachen geben wird, wenn ich in der neuen Wohnung feststelle, es lag doch nicht nur an der alten Wohnung.

Sie haben sich geirrt.

Doch was es genau war – weiß ich nicht.

Die Betreuung setzt da an – es ging vorrangig um die Wohnungssituation.

Aufräumen, Putzen ist für mich ein Problem – es ist zu eng mit der Mutter gekoppelt – und so ist das für mich ein Kampf, der über das „muss man halt machen“ hinausgeht. Alleine schaffe ich das nicht. Auch wenn es in der neuen Wohnung nie so schlimm wurde wie in der alten – hat sich erst die letzten vier Monate ein System entwickelt mit dem es wirklich gut funktioniert – ich mache einmal in der Woche mit dem Betreuer gemeinsam die Wohnung – so ist sie zur Zeit wirklich gut in Schuss.

Aber immer wenn es mit der Betreuung hakte, klappte auch die Wohnung nicht mehr – selbst das was ich sonst alleine schaffe, geht dann nicht mehr. Und sofort gerate ich in Panik, dass ich wieder dort lande, wo ich damals war.

Die Wohnung ist für mich wichtig – sie ist mein Rückzugsort, der Ort an dem ich mich sicher fühle. Das war bei der alten Wohnung nicht, da fühlte ich mich von der Wohnung bedroht – und so habe ich so manche Nacht (auch bei Schnee und Regen) – im Wald verbracht, weil ich es zu Hause nicht aushielt.

Doch dieser Rückzugsort ist für mich existenziell wichtig – doch ich kann ihn nur mit gut laufender Betreuung halten.

Was den Betreuungsverein angeht zu dem ich wechseln muss – ich muss meinen Fall jemanden anvertrauen, dem ich nicht vertrauen kann, der mich hängen hat lassen, der sich nicht an Absprachen hielt – was für mich sehr wichtig ist.

Als ich zum aktuellen Verein gewechselt bin fiel mir nach einiger Zeit auf, wie sehr die Betreuung beeinträchtigt war, weil ich mit der Koordinatorin des Vorgängers nicht klar kam. Da war immer eine Angst – denn ich habe in ihren Augen falsche Prioritäten gesetzt „und nur Rückschritte“ gemacht – was definitiv nicht wahr war.

Mir war das damals gar nicht so bewusst – es ist mir erst aufgefallen, als es wegfiel, weil ich mit dem aktuellen Koordinator gut klar kam.

Das werde ich mit dem zukünftigen nicht – er hat mich in meinem Anliegen (für das er zuständig war) hängengelassen und nach der 5. oder 6. nicht abgehaltenden Absprache – war jede Zusammenarbeit einfach nicht mehr möglich.

Doch jetzt hab ich keine Wahl – und ich habe große Angst, dass es die Betreuung beeinträchtigt. Jede Beeinträchtigung wiederum wirkt sich sofort auf die Wohnungssituation aus. Auch wenn es jetzt funktioniert hat – ist es durch diese Beeinträchtigung nun wieder ein großes Problem – weil ich das nicht trennen kann.

Die Angst dass es wieder so wird wie es damals war – löst den ganzen alten Mist aus. Da bin ich weit von entfernt den in der Thera aufgreifen und bearbeiten zu können – einfach weil es im Gegensatz zum Missbrauch – nicht vorbei ist.

Das Problem im Haushalt ist auch heute noch gegeben, die Gefahr, dass es wieder so wird nicht vom Tisch oder alt – denn es klappt alleine ja auch heute noch nicht.

Die Verzweiflung die da aufkommt ist alte – von damals – sowohl aus der Zeit der alten Wohnsituation, aber auch der ganze Hick-Hack und die Willkür der Ämter und Koordinatoren, das die Betreuung nie in Ruhe laufen konnte, es immer drohte, dass sie wegfällt, dass Retraumatisierungen drohten und ein ruhiges und wirkliches Arbeiten nicht möglich war – und daran war nicht ich schuld. Diesmal dachte ich – es klappt – als im Januar klar war, dass ich mit W. weitermachen kann – die Bewilligung bis November da war – da dachte ich wirklich wir könnten die Zeit endlich mal nutzen.

Und lernte – wieder einmal – dass ich mich darauf eben nicht verlassen kann. Zu oft wurde ich da jetzt enttäuscht – ich weiß nicht ob ich mich da jemals wieder wirklich einlassen kann – und ohne mein Einlassen – funktioniert das nicht.

Irgendwann muss ich den alten Mist aufarbeiten – doch sehe ich da zur Zeit keinen Weg – ich kann es auch nicht benennen – nicht sagen was da das Hauptproblem ist – oder um was es dabei eigentlich geht – denn ich verlier mich sofort in dem Gefühlschaos von damals – das verschlingt mich in den Moment dann einfach mit Haut und Haaren.

Ob ich will oder nicht – ich muss mich dem jetzt stellen. Und grade dieses „aufgezwungen sein“ macht das für mich unmöglich.

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8 Antworten auf benennen

  1. shekaina sagt:

    liebe ilana,
    bei mir äussert sich das im umgekehrten sinne: ich habe putzzwänge, weil mir meine wohnung zum einen auch sehr wichtig ist, zum anderen aber auch wie du (wahnsinn) nächte nur mit spazieren verbracht habe, weil ich es nicht ausgehalten habe.
    ich ahbe einige fragen an dich, wenn es dir zu weit geht, dann bitte beantworte sie nicht, ja? ich will nur verstehen.
    hat es auch etwas mit messi zu tun? also sammelst du auch, kannst nichts wegschmeissen oder ist es eher eine antriebslosigkeit, dass du nichts anpacken kannst?
    überfordert dich das „chaos“- das tatsächliche in der wohnung, nach dem motto „wo soll ich anfangen?“?
    worum geht es dir bei dem problem anpacken- um die sehr traumatische situation von damals, WIE du das alles (umzug usw) dann bewältigen musstest oder darum, in welchem zustand die wohnung war?

    hast du auch mal darüber nachgedacht, dass du vielleicht deine hände nicht so gerne „benutzt“ (ich habe tage, da kann ich kaum etwas anfassen), was vom missbrauch kommt?

    ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht noch weiter in was reingebracht bzw. getriggert- sonst bitte sofort löschen.

    tut mir leid, dass ich soviel gefragt habe, aber ich verstehe es noch nicht ganz.

  2. Ilana sagt:

    Liebe Irina – ich bin froh um deine Fragen! Mir helfen Fragen meist weiter – Danke dir

    Messie – nur bedingt – es ist nicht das Sammeln oder nichts wegwerfen können – aber ich habe z.Bsp ein großes Problem den Müll wegzubringen – dabei klappen Küchenmüll usw meist gut – aber Altpapier ist ein großes Problem – nicht weil ich es nicht wegwerfen will oder so – ich kann es auch nicht erklären – ich weiß es nicht. So bring ich mit dem Betreuer jede Woche gemeinsam den Müll raus – da ist es dann kein Problem.

    Wenn es nur wenig ist – schaff ich es meist – aber ab einem bestimmten Punkt wird es „zuviel“ – leider ist dieser Punkt schon sehr sehr früh. Der Antrieb ist da, aber es baut sich, wenn ich dann anfange, ein Druck auf – der – wenn ich da nicht aufpassste – früher in SVV endete – heute ist es einfach ein Druck, dass ich das Gefühl habe gleich zu platzen (und wenn ich dann nicht aufhöre mache ich auch heute noch irgendwas mit dem ich mir schade, wenn auch nicht mehr körperlich). Das es dann nicht klappt lässt – wenn es dann eben schon wieder mehr ist – die Angst aufkommen, dass ich da lande wo ich damals war, dabei ist meine Wohnung aktuell echt besuchertauglich – und das schon die letzten Monate.

    Der Druck kommt aus der Kindheit – wir mussten immer schon vor der Schule aufräumen (was ich ok finde) – das war aufgeteilt, einer das Bad und Toilette, einer Küche, einer Kinderzimmer, einer staubsaugen usw. Aber egal wie wir es machten, es war nie sauber genug – es gab immer was zu meckern und musste immer „nachgeputzt“ werden. Dazu kam, dass wir keine Privatsphäre hatten – so hat meine Mutter einige Schularbeiten weggeworfen (die in meinem Schrank aufgeräumt lagen) – weil war ja beschriebenes Papier – erklär sowas mal dem Lehrer. Es war nie ordentlich genug – und das ist irgendwie in mir drin.

    Der Druck hat mit meiner Mutter zu tun – mittlerweile geht es wenigstens dann mit dem Betreuer zusammen oder auch selbst was zu machen – und solange es nicht zuviel ist, krieg ich es auch hin – mal mehr mal weniger – das ist sehr stimmungsabhängig und auch wie sehr meine Mutter oder die Betreuung grad Thema ist – denn wenn die Thema sind geht meist gar nichts mehr.

    Manchmal ist es auch so, dass ich mich einfach verzettel – ich will den Tisch abräumen z.Bsp – und bringe das Glas in die Küche und dann seh ich da was und räum das weg usw (hat was von ADS) – das klappt dann mit dem Betreuer besser, weil der mich wieder auf das Eigentliche zurückholt.

    Dann ist es oft so, dass ich nicht das sehen kann ,was ich geschafft hab, sondern die Ecken, die es eben nötig hätten (und die finde ich IMMER, dieses „nie ordentlich genug“ ist ganz tief in mir drin).

    Außerdem ist es so, dass ich körperlich oft einfach nicht kann – dass die Schmerzen so heftig sind, dass ich mich kaum rühren kann und froh bin wenn ich es schaffe mir was zu Essen zu machen – oder dass die körperliche Kraft einfach nicht ausreicht – wenn das mit einer Phase wo es grad psychisch eh schon problematisch ist zusammenfällt – ist dann sehr schnell das „aus“ erreicht.

    Das Körperliche ist sogar ein großes Problem – Abwaschen z.Bsp – geht nur mit Extra-Schmerzmittel (generell geht Aufräumen nur mit Extra-Schmerzmittel) und ich kann mich dann danach meist kaum noch rühren – genauso bei den Böden – deshalb sind das auch die Sachen die ich mit dem Betreuer zusammen mache.

    Das Anfassen an sich ist nicht das Problem – aber der Missbrauch fand zum Teil im Bad statt – und so war es jahrelang nicht möglich Bad oder Toilette oder Küche zu putzen ohne dass ich mich dabei übergeben musste. Heute übergebe ich mich nicht mehr – aber es gibt immer noch Zeiten, in denen Bad oder Küche für mich einfach nicht machbar sind – was natürlich grade in diesen Räumen ein Problem ist.

    Ich kann z.Bsp auch nur was machen wenn ich dabei Musik höre (recht laut) – Musik bei der ich mitsingen kann (ist ja mein Hauptskill) – sonst kann ich es ganz vergessen. Selbst mit dem Betreuer zusammen ist Musik ein Muss – doch das ist ja auch nicht so sehr das Problem und lässt sich recht problemlos umsetzen.

    Das Aufräumen war schon immer ein Problem für mich – das hat nicht nur mit der alten Wohnung zu tun – da kamen dann halt nur die baulichen Mängel dazu – dass selbst wenn es top aufgeräumt war wie auf einer Baustelle aussah – ich hatte flächendeckend Schimmel an den Wänden usw – das war sicher mit ein Grund, warum es dann im Endeffekt dann so extrem schlimm für mich wurde. Die Bedrohung kam nicht vom Zugemüllten, sondern von den baulichen Mängel.

  3. shekaina sagt:

    danke, dass du es mir erklärt hast, in einigen dinge finde ich mich sehr wieder, es konnte nie sauber genug sein (mein vater ist ein sauberkeitsfanatiker), dass du auch selbst das gefühl hast, dass es nie sauber genug ist und auch das mit dem Bad- bei mir war es nur so (und ist bis heute noch oft so), dass ich nur duschen, aber nicht mehr baden (was ich früher gerne tat) kann…

    ok…das klingt für mich alles sehr klar und plausibel, was daran ist für dich nicht benennbar- du wurdest auch hier seelisch misshandelt und missbraucht,
    erniedrigt und runtergemacht – du warst nicht „gut genug“ und wahrscheinlich kommt schon im vorhinein die angst vorm aufräumen, weil du es ja ohnehin „nie gut genug“ machen kannst, könntes das sein? so, dass du es alleine schon gar nicht mehr anpacken kannst, weil es dich regelrecht überflutet und ich weiss es von mir selbst- dass ich, wenn ich in meinem zwang bin, anfange zu weinen und durck bekomme, weil ich WEISS, dass ich nicht ALLES so putzen kann, dass es perfekt ist-
    kann das dann auch so sein, dass du zu hohe ansprüche an dich hast (vor allem auch durch deine starken schmerzen- da nehmen sich andere jemanden, der für sie putzt und putzen gar nicht mehr selber)- dass du dann in eine total hilflose situation reinkommst? kann das sein? so nach dem motto „ich muss/soll, aber eigentlich geht es gar nicht und schon gar nicht so, wie es (laut meiner mutter, die alte ordnung) sein sollte“- dass da noch sehr viel deine mutter auf dich einwirkt…?

    was ich noch fragen wollte: was lief damals mit der betreuung schief, weil du sagst, es war die schlimmste zeit in deinem leben… hat man dich mit dieser verschimmelten wohnung und deinen problemen alleine gelassen? und wird das grad durch irgendwas reaktiviert (wirst du gerade wieder alleine gelassen, du schreibst sehr deutlich ilana, aber auch für mich manchmal so, dass ich es nicht ganz verstehe, deswegen entschuldige bitte, wenn ich was falsch verstehe, das liegt nicht an dir, sondern an mir)?

  4. Ilana sagt:

    es gab bei der Betreuung immer Theater mit der Genehmigung – normalerweise wird die für ein Jahr genehmigt, ich kann aber wegen der Gefahr einer Retraumatisierung nicht zum Gutachten (gibt viele Gutachten, dass ich nicht begutachtungsfähig bin) – und der Landkreis hat sich daran aufgehängt und die Betreuung da immer nur für wenig Zeit genehmigt – dabei gab es dann immer den Druck, dass die darauf bestehen – es war immer dieses Damoklesschwert über der Betreuung dass sie abgelehnt wird. Und so passierte es dann auch – alle sagten, dass die schon genehmigt wird, aber sie wurde abgelehnt und ich hatte von heut auf morgen keine Betreuung mehr. Wir haben Widerspruch eingelegt und nach knapp 3 Monaten kam ein Schreiben, dass sie es nochmal für 6 Monate genehmigen wenn wir den Widerspruch zurückziehen (allerdings rückwirkend – so dass ich drei Monate veloren hätte – wir konnten dann durchdrücken, dass sie wenigstens bis Dezember übernehmen). In dieser Zeit stellte der Betreuungsverein sein Modell um und konnte mir dann keinen passenden Betreuer anbieten (und ich hatte mit meinem Betreuer zu der Zeit große Probleme, weil ich mich nicht einlassen konnte)- deshalb wechselte ich den Verein (ich bin dabei mit der Koordinatorin total zusammengerasselt, weil sei mir Vorwarf die Prioritäten falsch zu stecken und nur Rückschritte zu machen und dass ich überhaupt alles falsch mache) – ich meldete mich bei einem anderen Betreuungsverein und hatte ein sehr traumatisierendes Erstgespräch mit einer Dame, der ich mehrfach sagte, dass ich kein Gespräch zu dritt führen kann und die meinte sie würde dann gehen, wenn der Herr S. käme – und natürlich dann nicht ging – was zu einem Desaster führte – sie hielt sich also nicht an die Abmachung – daraufhin sollte ich nur noch mit Hr. S. zu tun haben und der versprach immer bis da und dahin zurückzurufen – meldete sich aber nie. 2 Monate lang lies er mich warten (er wollte einen Betreuer für mich auswählen) – diese Betreuungsverein ist von dem Krankenhaus wo ich auch in der Ambulanz bin – aber selbst als mein Thera und auch mein 2. Thera da einschritten passierte einfach nichts. So wandte ich mich an den dritten Verein und bekam einen Betreuer zugeteilt, der sehr übergriffig war – so dass ich nach jedem Termin nur noch heulend in der Ecke sass – schon am 2. Termin ein „Klärungsgespräch“ führte, das aber nicht fruchtete – in der 2. Woche ein weiteres Klärungsgespräch führte und dann entschied, dass ich keinen weiteren Termin mit dem machen werde. Daraufhin bin ich zu meinem alten Betreuer W. zurück – erstmal nur vorübergehend, denn der hatte mittlerweile bei diesem Betreuungsverein angefangen. Wir vereinbarten eine Probezeit, da wir ja große Probleme hatten und konnten diese – ohne Zeitdruck – auch lösen (das hatte ich beim alten Verein abgelehnt, da auf jeden Fall klar war, dass der Betreuer Klienten abgeben muss und wir den Druck hatten das in 2 Monaten zu „probieren“ – da konnte ich mich nicht drauf einlassen, zumal die Probleme in den Wohnungsangelegenheiten waren – und da Druck ein Scheitern bedeutet hätten).
    Bei dem Wechsel war auch wieder unklar ob der Landkreis überhaupt verlängert – weil die immer noch auf ein Gutachten bestanden (dabei gibt es einen Paragraphen der für mich gilt) – und sie hatten dann verlängert – für 11 Monate.
    Im Februar oder März hatten der Betreuer und ich uns hingesetzt und eben überlegt ob wir miteinander weitermachen und uns dafür entschieden.
    Leider zahlt dieser Betreuungsverein schon seit einem halben Jahr keine Gehälter an die Betreuer (also schon bevor ich dort hin gewechselt bin – nur wußte ich das nicht) – so dass der Betreuer, der ja davon lebt, das nun einklagen wird. Bisher sind alle Betreuer, die auf ihr Geld bestanden, von diesem Betreuungsverein gekündigt worden – was bedeutet, dass ich höchstens noch im Mai über meinen Betreuer bei diesem Betreuungsverein betreut werden kann. Mein Betreuer ist auch bei dem Verein, der mich da so hängen lies – so dass die einzige Option die ich hab dorthin zu wechseln – um so wenigstens bei meinem Betreuer bleiben zu können.

    alles etwas kompliziert und chaotisch – leider.

  5. Ilana sagt:

    achja – in der Kategorie Betreuung – kannst du den Wechsel auch zum Teil nachlesen

  6. Ilana sagt:

    ups nur die Hälfte beantwortet 🙂 – ja ich erwarte von mir zu viel – aber jemanden der hier putzt kann ich mir nicht leisten – also muss ich es selbst machen. Meine Ansprüche sind sicher zu hoch – doch meist erwarte ich nur das „Grundlegende“ – und doch stapelt sich manchmal das ungewaschene Geschirr und der Boden sieht aus wie Sau (hab ja auch zwei Katzen die ihre Fellmäuse und das Katzenstreu überall verteilen). Bei mir ist es nie supersauber – weil ich das gar nicht hinbekomme – ich bin schon froh, wenn nicht das große Chaos hier herrscht und ich zur Not jemanden reinlassen kann. Aber es ist schon dieses Grundlegende so schwer – und muss hart erkämpft werden.

    Das mit der hilflosen Situation trifft es glaub ich ganz gut – Danke dir dafür

  7. shekaina sagt:

    danke für die erklärung, da hast du ja eine odysseu an bürokratie hinter dir und vor dir…ich kann sehr gut verstehen, dass dich das sehr hiflos macht, vor allem, weil du ja auch nicht eingreifen kannst oder es aktiv beeinflussen.
    aber du sagtest ja, dass es leichter wäre, wenn du das gefühl benennen könntest?
    ich verstehe nicht ganz, warum du das nicht kannst, für mich ist das ganz offensichtlich: wieder wirst du allein gelassen, dir droht wieder, dass helfende unterstützung einfach „wegfällt“ und du mit deinem alltag alleine gelassen wirst, das sind ganz schön existentielle ängste, da würde es erstmal JEDEM menschen (ob krank oder nicht) richtig schlecht gehen, mit deiner vorgeschichte dann umso mehr. du wurdest ja oft im stich gelassen, du wurdest ja übersehen und „unterversorgt“- erinnert dich das nicht sehr stark an deine kindheit?
    kann man diese gefühle vielleicht als „verlassen werden“, Hilflosigkeit und auch unterdrückte Wut bezeichnen (denn mich würde sowas furchtbar wütend machen)?
    Was genau daran kannst du für dich nicht einordnen, nicht bezeichnen oder benennen?
    liebe grüsse

  8. Ilana sagt:

    ach Irina – du bist ein Schatz – du hast recht – auch wenn es für mich immer noch nicht ganz klar umrissen ist, ist das wohl der Knackpunkt – nur dass ich das nicht gesehen habe – das bringt mich grad einen großen Schritt weiter – Danke dir

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