Thera heute

Ein paar Themen abgeklärt – und dann kam die Frage nach der Zeit als ich damals nach D kam – er weiß, dass es so war, aber drüber gesprochen hab ich da nie – anderes war immer „wichtiger“.

Und bei V. gelandet – auch er war nie Thema in der Thera. Eigentlich dachte ich, dass der Trauerprozess abgeschlossen ist.

Doch heute – da kamen Tränen – und tiefste Trauer – um ihn, und später um die „Normalität“, um das Haben einer Beziehung, das schlechte Gewissen damals, weil ein Teil wusste, dass wir uns nur etwas vorgemacht hatten und fast „froh“ war – weil wir uns das nie eingestanden hätten und uns irgendwann das Leben zur Hölle gemacht hätten.

Eigentlich hab ich um V. nie wirklich getrauert – anfangs war ich einfach nur wie gelähmt und dann weiß ich nicht – ich hab an seinem Todestag immer etwas besonderes gemacht – in Gedenken an ihn – mir bewusst eine Stunde Zeit genommen – um zu trauern.

Aber das Trauern war immer vermischt – die Trauer um V. wurde verstanden, anerkannt, durfte sein – und deshalb versteckte sich hinter ihr dieses endlose Meer an Tränen und Trauer meines Lebens.

Das hinterließ immer das Gefühl, dass ich V. nicht gerecht werde – er „benutzt“ wird – und das nährte mein schlechtes Gewissen.

Doch die Tränen heute – die galten ihm, seiner Person – und erst später der „Normalität“, dem „nicht haben“ einer Beziehung, dem schlechten Gewissen.

Ich hab mich verändert – wenn ich heute auf V. treffen würde, wie er damals war – ich glaube ich würde ihn nicht mögen – so weiß ich nicht ob ich ihn wirklich vermisse – so praktisch – aber ich konnte mit ihm über alles reden.

Ja wir haben uns damals was vorgemacht – wir waren verliebt in die Fassade, das Bild nach außen, die „Normalität“ – weil wir beide nicht „normal“ waren, nicht in einander.

Und doch war er jemand, der mir sehr wichtig war.

Sein Todestag naht – und ich werde ihn dieses Jahr wieder bewusster begehen und für mich prüfen, ob da noch etwas ist, das ich anschauen und zulassen muss.

Der Theratermin war aufwühlend und endete im Kampf gegen Tränen und Kampf gegen schlechtes Gewissen (wegen der Tränen) und irgendwie hab ich mich da im schlechten Gewissen verloren. Dazu kommt, dass ich etwas verwechselt hatte – was die Chemo damals anging – das ist mir noch nie passiert – und brachte mich völlig durcheinander – ich hatte etwas falsches erzählt.

Das hab ich zwar per mail richtig gestellt – aber es füttert das schlechte Gewissen grade ziemlich gut (ich bin bei so was sehr empfindlich)

Deshalb werde ich jetzt ein STOP setzen – mein Betreuer wird mich in einer halben Stunde abholen, dann geht es zum Großeinkauf.

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