Thera heute

Es war eigenartig – aber gut – es ging ja darum wie es weitergeht – weil ich im Moment das Gefühl habe, dass ich eine EMDR-Pause möchte – wobei ich eigentlich ja keine will.

Die letzten eineinhalb Jahre etwa haben wir sehr konsequent an den Traumata gearbeitet. Aber es war immer irgendwie klar – es gab immer ein oder zwei Sachen, die sich in den Vordergrund drängten, aufdrängten und die ich deshalb aufgegriffen habe.

Aktuell drängen zwar auch zwei Sachen, aber da ist es so, dass die im Alltag eigentlich nur am Rande da sind – wenn die auftauchen kommt auch gleich ein „ich will mir die jetzt nicht anschauen“ – und das funktioniert – die letzte Woche gab es keine Flashbacks (den Traum dass ich einen habe zähle ich da nicht) und ich weiß einfach nicht was ich aufgreifen soll.

Es ist nicht so, dass es keine Themen gäbe, aber irgendwie sind die alle weit weg.

Als ich heute beim Thera sass fielen ihm gleich 6 Themen ein, mir nicht eines. Und deshalb haben wir jetzt entschieden, das mal anders anzugehen – er hat 6 Themen – da würde er gern nachfragen – Themen, die wir die letzten Monate immer geschoben haben, weil anderes wichtiger war. Themen, die nie wichtig genug waren oder keinen Raum bekamen (und ich weiß immer noch nicht welche 6 ihm da einfielen – wenn ich noch länger dort gewesen wäre, wären ihm noch welche eingefallen) – weil anderes den Raum einforderte.

Und so wird am Freitag er diese Themen ansprechen, nachfragen – außer ich hab bis dahin eins das ich unbedingt aufgreifen will.

Aber mir wurde noch etwas klar – dieses „nicht gezielt an was arbeiten“ – kenne ich nicht – es gab immer Themen, die klar da waren – es war immer eher ein Prioritäten setzen – meist war es eher so, dass ich zuviel gemacht hab – und jetzt mach ich nicht mal mehr konkretes Angsttraining (halte aber die Sachen aufrecht wie Gebetskreis, wöchentlich einkaufen, ab und an mit dem Bus fahren usw.) – auch das ist neu – an irgendwas hab ich immer gearbeitet.

Und dass ich das jetzt nicht mache – hinterlässt ein komisches Gefühl (und eine gewisse Leere). Ich hab große Mühe das anzunehmen, mich da nicht niederzumachen und auf die „bist doch nur faul“-Schiene zu kommen (denn dass ich „nur faul“ bin hab ich oft genug gehört – auch als ich 5 Nebenjobs neben der Schule hatte – es war immer „zuwenig“).

Als ich dann sagte, dass ich grad nur in den Tag hinein lebe, meinte der Thera nur, das macht er im Urlaub auch – nur dass ich ja keinen Urlaub mache (was ihn nur fragen lies, wer das denn sagt 😉 ).

So war seine Anregung, das als meine „Arbeit“ anzusehen, auszuhalten und genießen, dass eben grad nichts zu tun ist.

Am Freitag wird er dann ein Thema vorschlagen – und ich bin sehr gespannt was er da so alles hat – hab da auch keine Angst davor dass das zu heftig wird oder so – eher die Angst, dass es zu „oberflächlich“ bleibt, weil es Themen sind, die für mich keine Thera-Themen sind.

In der Tischlerei hab ich heute übrigens das zweite Block-Krippenhaus fertig gemacht (muss es nur noch am Boden anschrauben, aber der ist schon fertig) – ich werde also nächste Woche ein drittes beginnen (und die ultimative Dachlösung ist die aktuelle auch nicht – auch wenn sie besser ist als die erste, also werde ich eine weitere Lösung suchen müssen). Außer mir waren heute keine weiteren Patienten da – und ich hab das sehr genossen – die Ruhe, kein Rangeln um die Japansäge – herrlich.

Mir geht es jetzt mit dem in den Tag hinein leben ein bisschen besser – ich werd das versuchen so zu sehen – es ist was Neues, für mich Unbekanntes – aber es geht mir ja gut – und so werde ich es einfach genießen dass sich nichts in den Vordergrund drängt und ich auch kein bewusstes Angsttraining oder an sonst etwas arbeite – sozusagen ein Stück weit Urlaub. Mal sehen wie lange ich das hinkriege.

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4 Antworten auf Thera heute

  1. Svü sagt:

    Oh ja… dieses „faul“ Gefühlt setzt so schnell ein 🙂
    Selbst wenn man 500% mehr macht als früher möglich war.. es ist immer noch weniger als „normale“ Menschen leisten… und damit einfach… zu wenig…

  2. Ilana sagt:

    Das Problem ist – dass für schon das „normale“ nicht reicht. Mein Thera sagt immer zu mir ich sei mein schlimmster Sklaventreiber.
    Und es ist seit Jahrzehnten tatsächlich so, dass ich zum ersten Mal nicht an irgendwas von mir arbeite – kein gezieltes Angsttraining oder Vergangenheitsbewältigung oder schlicht überleben. Dabei geht es mir auch recht gut und das auch noch stabil ;).

    Ich glaub es liegt mehr daran, dass es noch so viel gibt, was Probleme bereitet – es gibt noch unzählige Themen zum dran arbeiten – aber im Moment komm ich da nicht wirklich ran.

    Objektiv gesehen war ich nie faul – keiner meiner Geschwister, wir haben immer alle gearbeitet und geackert – selbst neben der Schule hatte ich 5 Jobs(davon auch unbezahlte) und mich allein finanziert – aber meine Mutter sagte ich immer ich sei phlegmatisch und faul – das sitzt ganz tief in mir drin. Dabei war ich ein typ. Workaholic.

  3. shekaina sagt:

    liebe ilana, du DARFST dich auch einfach mal der zeit hingeben, ich glaube, dass das sehr schwierig ist, weil man a, (so gehts mir zumindest immer) dann sehr auf sich „zurück geschmissen“ ist und man oft mit dingen konfrontiert ist, die man lieber wegschiebt und man b, einfach immer das gefühl hat, nicht produktiv zu sein, aber DU bist produktiv, wenn du einfach mal für dich da bist, einfach mal die zeit kommen und gehen lässt. ich denk an dich

  4. Ilana sagt:

    Dieses auf mich zurückgeschmissen hatte ich in der Jugendzeit, deshalb hab ich ja ständig gearbeitet – wehe es fiel mal ein Termin aus – da wäre ich ja zum nachdenken gekommen – so war ich der typische Workaholic damals.

    Heute ist das für mich nicht so sehr das Problem – es ist halt mehr so, dass dieses „du bist faul“ tief in mir drin ist – ich komm deshalb auch mit meiner Rente nicht so wirklich zurecht – und mir dann grade beim Angsttraining denke, dass ich es jetzt ja machen könnte – z.Bsp das mit dem Busfahren – das fiel das letzte Jahr einfach weg, weil so viel anderes war, jetzt würde es kräftemäßig gehen, aber in mir ist so ein „will nicht“.

    Ein nicht können wär ok – ein nicht wollen – kann ich mir schwer verzeihen oder zugestehen. Seit der Thera grade dieses mir zugestehen als Aufgabe vorschlug – geht es jetzt auch.

    Vom Kopf her ist das klar – ich hab jetzt eineinhalb Jahre sehr intensiv jede Woche EMDR gemacht – jedem anderen würd ich sagen: klar dass du da mal eine Pause brauchst. Dass aber auch ich einfach mal nichts machen muss – nicht kämpfen muss – ist eine neue Erfahrung.

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