Liebe

Wenn ich in Familenblogs von Bruderliebe lese oder von Müttern die zum Geburtstag oder so etwas über ihre Kinder schreiben oder wie sie sich Sorgen – ja selbst wenn sie sich mal über sie ärgern oder am Ende ihrer Kräfte sind – oder wenn ich eine Mutter oder einen Vater mit ihrem Kind sehe, wie sie auf das Kind eingehen und man die Liebe richtig sehen kann – dann tut das weh.

Ich lese solche Blogs – vielleicht um kennenzulernen wie Eltern normalerweise mit ihren Kindern umgehen – wie es auch sein kann.

Ich glaube nicht dass mir meine Eltern jemals gesagt haben, dass sie mich lieben – wobei mir mein Vater das durchaus manchmal gezeigt hat (und das mein ich nicht ironisch – die wenigen positiven Erinnerungen an die Kindheit sind, wenn ich mit ihm etwas unternommen habe, bergsteigen war oder einfach unterwegs).

Aber bedingungslose Liebe – kenne ich nicht.

Besonders traurig macht mich das, weil ich verlobt war. V. starb vor der Hochzeit und ich musste irgendwann erkennen, dass das was wir für Liebe hielten keine war – wir haben uns verstanden, es war eine besondere Verbundheit, doch Liebe war es nicht. Wir waren beide gar nicht in der Lage zu lieben.

Das bin ich bis heute nicht – und ich frage mich ob ich das jemals lernen werde – oder kennenlernen darf. Eine bedingungslose Liebe, eine aufrichtige, von Herzen kommende. Denn ich weiß, dass ich das nicht kann – zum jetzigen Zeitpunkt und in meinem bisherigen Leben.

Und es stellt sich mir die Frage ob man selbst nur lieben kann, wenn man Liebe erfahren hat.

Ich hab viele Geschwister – und als Kinder war da auch ein Zusammenhalt – aber wirklich geliebt haben wir uns nicht. Auch wenn ich das dachte – dass ich meinen kleinen Bruder S. liebte – bin ich mir da heute nicht mehr so sicher. Ja da war was und er war mir wichtig – doch reichte es nicht aus – ich hab keinen Kontakt mehr zu ihm. Auch zu den anderen Geschwistern nicht – dabei hat mir nur einer wirklich „aufgekündigt“ als ich mit meiner Mutter brach.

Kontakt hab ich nur noch mit einem Bruder – dieser Kontakt entstand erst in den letzten Jahren, als Kinder hatten wir kaum miteinander zu tun – er ist acht Jahre älter. Ich mag ihn – und seine Frau – aber lieben?

Manchmal frag ich mich was das überhaupt bedeutet – jemanden zu lieben.

Für mich hat es damit zu tun, jemanden nahe an sich heranzulassen – und das allein ist für mich schon unvorstellbar – dabei lass ich meinen Thera sehr wohl an mich, mein Innerstes, heran – und liebe ihn mit Sicherheit nicht – also kann es nicht nur mit Nähe zu tun haben.

Es ist ein Gefühl das man nicht erklären kann, man muss es fühlen – und ich bin mir nicht sicher, ob ich das jemals kennenlernen darf.

Und bis dahin wird es jedesmal auch weh tun, wenn ich die Liebe sehe – wenn eine Mutter ihr Kind in den Arm nimmt, mit ihm spielt, es tröstet, es umsorgt – ja sogar wenn ich sehe wie sie im Schwimmbad mit Ungeduld drängen oder auch mal schimpfen – es ist so ein anderes schimpfen als ich es kenne – es ist ein liebevolles und nicht so voller Hass und Niedermachen.

Ich möchte kein Kind haben – weil ich weiß, dass ich viel zu sehr wie meine Mutter bin, ich das nicht so ablegen kann und damit einem Kind schaden würde. Ich kann nicht lieben – und das würde ein Kind zerstören – den Kinder brauchen Liebe.

Und so freut es mich, wenn ich davon lese, wenn ich sie sehe und so ein Stück weit daran teilhaben darf, lernen darf, dass es auch andere Eltern gibt, dass es nicht „normal“ ist, wie es bei uns zu Hause lief.

Dabei wurden wir beneidet – von vielen – um unsere Mutter, unsere Geschwister – vielleicht so, wie ich heute andere oft beneide.

Diese Liebe zu sehen tut weh – weil sie eine Sehnsucht weckt, die vielleicht nie gestillt werden wird. Denn bevor ich zulassen kann, dass mich jemand liebt (oder es glauben kann, dass es so ist), muss ich wohl mich selbst lieben lernen – und da hab ich noch einen sehr weiten Weg vor mir.

Daher möchte ich heute auch Danke sagen – an all die Mütter, die ihre Kinder wirklich lieben – denn die Liebe macht die Fehler, die man als Mutter immer mal macht – immerhin sind wir alle nur Menschen – wett – nur mit dieser Liebe können eure Kinder leben lernen – und ich danke euch dafür, dass ihr sie euren Kindern angedeihen lässt (und das gilt natürlich auch für die Väter 🙂 ).

Danke dafür dass ihr eure Kinder lieben lehrt.

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4 Antworten auf Liebe

  1. shekaina sagt:

    liebe ilana, diese frage habe ich mir auch schon oft gestellt:_ ich bin zwar „erst“ 28 und doch habe ich schon einiges hinter mir: ich hatte einen jugendfreund und war sechs jahre mit ihm zusammen, ich war es, weil er mir sicherheit und geborgenheit gab, weil er gut zu mir war, aber ich liebte ihn nicht. ich war das, was man als promiskuitiv bezeichnet (ich hoffe dich jetzt nicht zu schockieren, ich bin es nicht mehr)- ich habe viele kontakte gehabt, dann die letzte beziehung vor der jetzigen mit einem mann, der mich seelisch misshandelt und missbraucht hat, ich glaube, ich brauchte diese erfahrung, um endgültig mit der lieblosigkeit und dem hass abschliessen zu können-
    und jetzt bin ich seit 3 jahren mit meinem helden zusammen (wir kennen uns aber schon länger, wollten immer zusammen sein, konnten es aber nie, weil er weit weg wohnte)- und ich kann jetzt mit 28 zum ersten mal sagen: ich weiss jetzt, wie LIEBE ist, richtiges lieben. und jetzt kann ich mir auch vorstellen, wie wunderbar es sein muss, ein baby zu haben, es beschützen zu wollen, es zu lieben und alles für es zu tun- auch ich habe oft zweifel, ob ich dazu fähig sein werde und doch denke ich, dass man sein kind sehr wohl in liebe und respekt aufziehen kann, wenn man seine eigene geschichte genügend reflektiert und bearbeitet hat.

    kommt es für dich denn überhaupt in frage? ich meine: denkst du, du HÄTTEST GERNE mal eines oder eine beziehung? oder würdest du es gar nicht erst „wollen“?

  2. Ilana sagt:

    Nein – ein Kind möchte ich nicht – ich hab da zu viel meiner Eltern in mir – und vielleicht bin ich einfach auch zu „egoistisch“ – ich glaube ich kann im Moment keine Kompromisse eingehen – zu lange hab ich immer alles für andere getan und nichts für mich – ich bin noch nicht bereit da groß Abstriche zu machen, zu groß die Angst da mich wieder zu verlieren. Außerdem weiß ich nicht ob ich wirklich lieben kann.
    Eine Beziehung – ja ich hätte schon gern eine – doch weiß ich auch hier nicht, ob ich dazu überhaupt fähig bin.
    Weißt – nur zu reflektieren reicht da nicht – ich hab es nie kennengelernt – kann Nähe kaum ertragen – Kompromisse sind schwierig – aber das gehört zu einer Beziehung dazu.

  3. shekaina sagt:

    aber, dass du sehr liebevoll sein kannst/ bist, zeigst du doch hier, deinen lesern und mir immer wieder… ich glaube nicht, dass du nicht lieben kannst, ich glaube eher, dass du angst davor hast . ich habe die erfahrung gemacht, dass ich unendlich froh war, als ich die liebe in mir endlich irgendwo „anbringen“ konnte, weil ich fast überging.
    Ich konnte Nähe früher auch nicht ertragen, aber ich glaube, dass das stark auf das Verständnis des Partners ankommt…
    lass es dir offen (das mit der Beziehung), vielleicht kommt es irgendwann…

  4. Ilana sagt:

    das kann gut sein – ich glaube dass es etwas ist, was man erfahren muss – erst dann werde ich es wissen :)- die Zukunft wird es zeigen – hoff ich

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