glaub mir

Ein zentrales Thema bei fast allen Traumatisierten – vor allem wenn es um sexuellen Missbrauch geht.

Aufgewachsen in einer Lügenwelt ist die Definition von Wahrheit und Lüge in dieser Zeit schwammig gewesen –  Wahrheit wurde als Lüge verkauft – man durfte nichts sagen und wenn doch war es „gelogen“.

Vielleicht ist das mit ein Grund warum ich auf Lügen so empfindlich reagiere – mir Ehrlichkeit so wichtig ist.

Aber da gibt es noch einen zweiten Punkt:

Die eigenen Zweifel an den Geschehenen – die zermürgen – die ewige Frage „ist das wirklich passsiert?“ – die Täter schieben uns die Schuld zu, verharmlosen „war ja nicht so schlimm“ – zerstören unser Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Deshalb ist es so wichtig das andere einem glauben – weil wir das nicht so können, weil wir das alles durch die Brille des „Täterintrojektes„, der ewigen Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, sehen.

Ich brauche noch heute die Bestätigung des Theras, dass er mir glaubt – und es wirft mich aus der Bahn wenn es jemand nicht macht. Grade weil mir Ehrlichkeit so wichtig ist, ist der Vorwurf, dass ich lüge – für mich besonders schlimm.

Es stärkt die Widersacher, die eh schon viel zu viel zu sagen haben. Die sind vertraut, bin ich doch damit aufgewachsen, aber sie torpedieren auch alles was dazu führen könnte, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Betroffene haben ständig damit zu kämpfen und das letzte was wir brauchen können sind Leute, die diese Widersacher/Täterintrojekte noch weiter verstärken – sie sind dann nichts anderes als weitere Täter für uns – es ist jedesmal eine Wiederholung von alten Mustern – die wir doch so sehr versuchen zu ändern.

Es ist für uns wichtig, das uns geglaubt wird – sehr wichtig. Grade weil wir selbst oft genug an uns zweifeln.

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12 Antworten auf glaub mir

  1. hexenherz sagt:

    letztens habe ich einen artikel über elizabeth loftus gelesen, die sich u. a. mit dem false-memory-syndrom auseinandergesetzt hat, seitdem nagen wieder die zweifel ganz extrem an mir… auch wenn mein freund mir glaubt und meine therapeutin, ich habe immer angst, dass mir jemand nicht glaubt, und es kommen immer wieder phasen, wo ich mir selbst nicht glaube und mich innerlich beschimpfe, dass ich so eine lügnerin bin und meinen vater „verleumde“… glaubst du, dass das jemals aufhört? es macht mir immer wieder angst.

  2. Svü sagt:

    Um so wütender macht es mich, wenn es dann wirklich Leute gibt die solche Anschuldigungen erfinden. Ich habe nie daran gezweifelt, wenn mir jemand erzählt hat, dass er missbraucht oder misshandelt worden ist. Nie. Ich bin nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass man so etwas schreckliches erfinden würde. Doch dann gab es tatsächlich mal eine in meinem Bekanntenkreis, die sich alle Schrammen selbst zugefügt hat, die tollsten Geschichten erfunden hat und mich so von einem meiner besten Freunde getrennt hat. Es macht mich maßlos wütend, weil gerade solche Leute dazu führen, dass euch nicht mehr geglaubt wird…

  3. aritsta sagt:

    „Es ist für uns wichtig, das uns geglaubt wird – sehr wichtig. Grade weil wir selbst oft genug an uns zweifeln.“

    Diesen Satz kann ich nur unterstreichen….so was von wichtig…hat uns doch als Kind schon niemand geglaubt…bei mir was es so…bzw. man redete mir jahrelang ein das ich lüge…obwohl man wusste, dass ich es nicht tat…

    Selbstzweifel…etwas womit ich auch immer noch kämpfe..
    weil ich es nicht wahr haben will…
    weil ich mir selber nicht glauben will…
    weil mir nie geglaubt worden ist…
    weil…

  4. Ilana sagt:

    @hexenherz: bei mir gibt es immer wieder Phasen wo ich alles in Zweifel ziehe – ich weiß nicht ob das jemals anders sein wird. Mein Vater hat es ja nie bestritten – auch nicht zugegeben, aber auch nie bestritten – und dennoch zweifel ich oft. Es ist heute nicht mehr so allumfassend wie früher, und es gibt mittlerweile Phasen in denen ich die Zweifel zur Seite schieben kann – aber sie sind da.

    Mein Thera sagt da immer, ich soll meinem Körper vertrauen, der Körper kann nicht lügen, er erinnert sich – und was ich da fühle KANN nicht erfunden sein. Daran halte ich mich dann oft fest.

    @Svü – ja das macht mich auch wütend – und zwar richtig

    @artista – du hast mit jedem Wort so recht – bei mir war es auch so – in der ganzen Nachbarschaft und überall wurde erzählt ich lüge, weil ich mehr Aufmerksamkeit will – bis ich selbst dran glaubte und ich füge noch ein weil dazu:

    weil es sonst zu weh tun würde

  5. Tati sagt:

    „Das Kind hat eine blühende Phantasie und kann Traum nicht von Wirklichkeit unterscheiden“.

    Eine meiner frühesten Erinnerungen: „Mutti, Oma… der Opa kann mit seinem Pipimann Shampoo machen.“ – „Kind, das hast Du nur geträumt!“… ich war drei Jahre alt. Danach hörte ich immer wieder, dass ich Traum und Wirklichkeit nicht unterscheiden kann.

    Kann ich das nicht? Oder hab ich auch diese Erinnerung nicht wirklich erlebt, sondern es war nur ein Traum? Was ist mit den „Träumen“, die folgten und an die ich mich auch so gut erinnern kann, als wären sie Realität?

    Es ist ein zermürbendes Spiel: hin- und hergerissen zwischen Wut, Zweifel, Verzweiflung.

    • Ilana sagt:

      So viel Phantasie kann ein Kind nicht haben – man träumt das was man erlebt, oft verschlüsselt – manchmal auch klarer – aber nicht sowas – ohne dass es passierte.

  6. shekaina sagt:

    weisst du ilana, vielleicht verstehst DU genau, was ich jetzt sage: „sowas“ passiert in einer grossstadt, sowas passiert in berlin oder new york, aber doch nicht in einem dorf. doch nicht da. warum auch? gerade hier in diesem land (du weisst ja, wo ich wohne) wird alles immer schön unter dem deckmäntelchen versteckt. die traditionen (ich denke da nur an die einschlägig rechten schützen, die verehrt und geliebt werden). das fleissige land, die familie- das wird hoch gehalten. heile welt in einer luftblase.
    hier erhängen sich menschen in scheunen, weil sie nicht sagen können und dürfen, dass sie depressiv sind, weil es sowas hier nicht „gibt“ und so ist es doch auch mit missbrauch.
    würde ich es hier jemanden sagen, ich bin mir GANZ SICHER, niemand würde mir glauben, zumal mein vater ein angesehener mann ist.
    vor allem, wenn sehr krasse sadistische erinnerungen kommen, dann denk ich auch manchmal: welchen film hast du denn da geschaut? aber es stimmt: mein körper ist mein beweis. meiner. deiner. unserer

    und weisst du wäre die beste freundin der mutter meines freundes nicht selbst missbraucht worden, hätte ich es selbst denen NIE erzählt.
    wie gehst du damit um, sagst du es offen, KANNST du es gewissen menschen erzählen?

    danke fürs aufschreiben!

  7. Ilana sagt:

    @shekaina
    Oh ja – das versteh ich sehr gut – war bei mir nicht anders – dabei hat mein Vater es niemals bestritten! Ich wohne weit weg von zu Hause – und ja da kann ich es sagen: ich wurde missbraucht und die Mutter hat das Münchhausen-by-proxy-Sydrom (und ernte große verständnislose Augen weil das keiner kennt 😉 )- was aber genauer passierte – kann ich nicht erzählen – außer dem Thera gegenüber und auch der Vertretung des Theras – und hier im Blog.

    Auch meine Familie ist hoch angesehen im Ort, dazu kommt, dass meine Mutter manipulieren kann – selbst wenn man es weiß, dass sie das macht, kann sie dir in 10 Tagen klar machen, dass der Himmel grün und das Gras blau ist – ohne sichtbare Gewalt, ohne erkennbares manipulieren – einfach weil sie ihre Welt selbst so anpasst und das dann glaubt. Leider gibt es auch dafür Zeugen.

    Aber im Ort – da hätte ich niemals eine Chance gehabt.

    Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das heute noch genauso ist (bin ja nun schon gut 15 Jahre weg)

    Es mag bei dem einen oder anderen ein fahler Geschmack geblieben sein, aber im Endeffekt – glauben sie das was sie glauben wollen.

    Dort wissen es nur wenige – ein alter Pfarrer, der mir ein guter Freund war und ein Freund – aber selbst meine beste Freundin und mein bester Freund damals – haben gesagt ich lüge – als ich es mal angedeutet habe. Sie glauben mir bis heute nicht – es passt nicht in die heile Welt.

    Heute sage ich, dass ich eine schlimme Kindheit hatte und auf Nachfragen eben den obigen Satz – das ironische ist – seit ich das sage, auch dass ich psychisch krank bin und Therapie mache, stelle ich fest, dass sehr viele Menschen mit denen ich zu tun habe (auch außerhalb der Therapie natürlich – z.Bsp Kirche, Gebetskreis, Chor) dann (nach weiteren Treffen meist) sagen, sowas hab ich auch erlebt oder ein „mir geht es auch nicht so gut“ oder „ich mach auch Therapie“.

    Dort wo ich aufgewachsen bin – ich glaube da könnte ich es nicht sagen – gegen meine Mutter käme ich da einfach nicht an. Und das obwohl der Vater es nie bestritt, wenn er das täte bliebe gar keine Chance mehr.

  8. shekaina sagt:

    ich kenne das münchhausensyndrom übrigens sehr gut aus meinem studium – wir haben damals videos gezeigt bekommen, die kaum zum aushalten waren )von überwachungskameras in krankenhäusern)- mütter, die ihren kinder ein kissen aufs gesicht drücken oder ihnen urin spritzten oder salzwasser. einfach unglaublich, dass man sowas tut, nur, um selbst aufmerksamkeit zu bekommen und die „arme, besorgte mutter“ ist…

    ja, so ging es mir eben auch- wenn ich mal sagte „ich habe panikattacken“ kam aufeinmal „das kenne ich, das hatte ich auch“ usw- aber du weisst ja: in so einem dorf wie hier sagt selten jemand sowas. hier ist heile welt.

    schlimm, dass dir nicht mal die besten freunde glaubten, ein freund von mir glaub es auch bis heute nicht, weil er meinen vater „kennt“ und ihm NIE sowas zutrauen würde…

    azf jeden fall: alles liebe dir

  9. Ilana sagt:

    @shekaina
    ja die „arme Mutter geschlagen mit dem kranken Kind“ – das hab ich so oft gehört. Das ist sicher mit ein Grund, warum ich mit körperlichen Beschwerden nicht recht umgehen kann – krank sein ist für mich so negativ gekoppelt – in mehrerer Hinsicht.
    Danke dir – dir auch alles liebe

  10. shekaina sagt:

    darf ich fragen, was deine mutter gemacht hat, es gibt ja auch solche, die die kinder quälen, indem sie die ärzte zwingen, immer wieder unangenehme untersuchungen durchzuführen. wie war das bei dir?
    bitte antworte nicht, wenn du es nicht sagen willst (kannst auch eine mail schreiben)- und wenn das zuviel war, bitte lösche es einfach.
    ich denk an dich

  11. Ilana sagt:

    @shekaina
    ja du darfst fragen – und ja ich möchte dir antworten – ich weiß nur noch nicht ob per mail oder in einem extra Beitrag, aber ich werde etwas dazu schreiben.

    Ich denke fest an dich heute!

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