Sicherheit …

… die  gibt es nicht.

Äußerlich gibt es keinen Kontakt mehr zu den Tätern – es gibt eine äußere Sicherheit – wie sie jeder hat – ich weiß nicht ob mir beim nächsten Spaziergang ein Ziegelstein auf den Kopf fallen wird – um in den Worten meines Theras zu sprechen – aber so rein äußerlich hab ich heute ein Leben, dass die „normale“ Sicherheit bietet, die Menschen sich aufbauen können.

Doch innerlich gibt es diese Sicherheit nicht und ich weiß nicht ob es die irgendwann mal geben wird.

Der diesjährige Traumakongress in Göttingen hatte zum Motto: Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Ich glaube dass ich niemals wieder dieses Urvertrauen zurückgewinnen kann – egal ob das nun bei der Geburt vorhanden und später  verloren wurde oder eben im Säuglingsalter erworben werden muss – da streitet sich ja die Wissenschaft – ich hab meines jedenfalls verloren oder nie erwerben können – und ich bin überzeugt davon, dass man das nicht nachholen kann. Das ist wie mit dem Sprechen, wenn Kinder das nicht bis zu einem gewissen Alter lernen, gehört haben (ich glaub es ist das Alter von 8 oder 9 – bei sogenannten „Wolfskindern“ wurde das nachgewiesen), nie richtig sprechen lernen können – obwohl organisch alles ok ist – so glaube ich, dass auch das Urvertrauen bis zu einem best. Alter erhalten oder erworben sein muss und dass ein Versäumnis davon später nicht nach geholt werden kann.

In mir gibt es Geister und Dämonen und immer noch die Täter – die jede Sicherheit torpedieren. Es gibt unzählige Türen, die teilweise noch verschlossen sind, teilweise stemm ich mich nur verzweifelt dagegen, damit sie nicht aufgehen.

Die Therapie ist ein „vorantasten“ – und da versteh ich es auch. Aber das wird auch aufgezwungen – denn selbst wenn ich da nicht rantaste – gehen manchmal Türen auf – egal ob ich sie verschlossen halten will oder nicht oder irgendjemand oder -etwas in mir entscheidet mir weitere Türen zu zeigen.

Und ich kann nur dastehen und reagieren – hoffen, dass ich genug Fertigkeiten (Skills) erworben habe um damit umzugehen, diese Geister, Dämonen – und Dampfwalzen – wieder unter Kontrolle zu kriegen und das genug Kräfte da sind um die Fertigkeiten überhaupt einsetzen zu können – das genug Reserven da sind um das alles durchzustehen.

Ich erinner mich noch gut an die Zeit, als ich das Gefühl hatte ständig auf Reserve zu stehen – selbst der Reservetank schon nahezu leer – und keine Möglichkeit irgendwie aufzutanken. Nur noch „Stopp!“ schreien zu wollen, aber selbst dafür fehlte die Kraft.

Das ist heute – Gott sei Dank – anders. Es kommt durchaus vor dass ich genug Kraftreserven habe – und nicht mehr so oft, dass ich einfach nicht mehr kann.

Trotzdem – es wäre schön, ein bisschen mehr Sicherheit zu haben – und auch innerlich nur noch die Dachziegel beim Spaziergang fürchten zu müssen.

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5 Antworten auf Sicherheit …

  1. hexenherz sagt:

    ja… danke für diese worte, sie drücken aus, was auch ich fühle oder „weiß“… mir geht es wie shekaina, ich lerne hier viel. danke dafür.

  2. payoli sagt:

    Bei Deinem Text eben, ist mir eingefallen, dass es auch Kulturen gibt, bei denen das Sein im Vordergrund steht. Bei denen Alte den Weisenrat bilden, psychisch ‚Kranke‘ den Kontakt zur Jenseitswelt herstellen, Kinder als vollwertige Mitglieder und Träger der Zukunft sind. In solch einer Gesellschaft ist alles Sicherheit!
    Und bei uns?
    Kinder sind generell mal blöd und müssen erst alles lernen. Kranke sind krank und ‚brauchen‘ Therapie und müssen anders gemacht werden. Und die Alten sind die weggesperrten Altlasten!
    Bei uns gibt es nirgends Sicherheit!
    Liebe Grüße vom
    payoli, und

    paradise your life ! 😉

  3. Ilana sagt:

    @ hexenherz – dafür findet ihr oft Worte, wo ich keine finde 🙂 – Danke dir
    @ payoli: Sicherheit haben diese Kulturen auch nicht – auch dort gibt es Unfälle und Krankheiten und genug Überraschungen. Absolute Sicherheit gibt es nicht – nirgends.

  4. Artista sagt:

    Hallo Ilana,

    das kann ich sehr gut nachempfinden, was du geschrieben hast…es ist sehr schwer innere Sicherheit zu erlangen…lange konnte ich mit dem Wort rein gar nichts anfangen…bzw. es hat mir eher Angst gemacht…wie oft hat man zu mir gesagt, du bist bei mir sicher…und herausgestellt hat sich das Gegenteil…wie soll man sich da jemals sicher fühlen…ich arbeite immer noch daran und manchmal gelingt mir so etwas in der Art…aber genauso schnell kann dieses Gefühl wieder vollkommen verschwunden sein.

    Lieben Gruß
    artista

  5. Ilana sagt:

    Es gibt sehr wenige Momente und Orte, wo ich mich sicher fühle – auch äußerlich. Aber z.Bsp in der Thera fühle ich mich sicher – trotz der inneren Chaostruppe – weil ich weiß, egal was passiert, er kann mich da wieder rausholen. Und weil es für mich ein Ort ist, wo es sein darf, ein sicherer Rahmen.

    Sicher fühlen – es gibt einen inneren Ort – mein Turmzimmer – da kann ich dieses Gefühl spüren – Sicherheit. Leider kann ich mein Leben nicht in diesem Turmzimmer verbringen (wobei mir da dann auch viel entgehen würde)

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