Frage an die Leser

Wie ihr von hier wisst, arbeite ich ja an einem Projekt das in einem Buch enden soll (ja mittlerweile hab ich mich damit abgefunden dass es ein Buch werden wird 😉 ).

Es soll Außenstehenden die Begriffe, aber auch die Auswirkungen von Trauma und Traumatherapie erklären. Im Moment sind 2 Teile geplant – im ersten ein halbwissenschaftliches Herangehen und Erklären und Definieren von Begriffen, möglichst kurz, aber so umfangreich, dass es eben auch verstanden wird, da sind manchmal doch ausführlichere Erklärungen nötig. Im zweiten Teil – und hier kommt meine Frage an euch! – möchte ich meine persönlichen Erfahrungen reinbringen und überlege ob es für Leser – also vor allem Laien, aber auch Betroffene, die sich über die Therapie informieren wollen oder da mitten drin sind oder auch angehende Traumatherapeuten – das überhaupt von Interesse ist.

Wichtig wäre dabei das Trauma nicht ausführlich zu erklären – es soll bei den Erfahrungsberichten vor allem um das Leben damit gehen, die Folgen – dazu sollte das Trauma zwar erwähnt werden, aber nicht ausführlich, sondern eher in Überbegriffen und kurz – wichtiger wäre das heute – wie leb ich heute, welche Auswirkungen hat es, was hab ich gemacht, wo steh ich eigentlich grade, was von den im Buch vorkommenden Begriffen kennt man und wie ist das für einen selbst usw.

Und die Frage an die Betroffenen unter euch: könntet ihr euch vorstellen so etwas zu schreiben? Ist das überhaupt möglich? Die meisten stecken ja mitten drin oder eher am Anfang auf diesem Weg – das ist auch die Frage des „wo steh ich eigentlich“ – meint ihr, dass so etwas in der Art gut wäre?

Veröffentlicht wird das mit im Buch – mit Namen oder ohne – oder unter einem Pseudonym – das wird nach Wunsch des jeweiligen Autors gehandhabt – die jenigen die sich bereiterklären bekämen vorab ein Script mit dem in Rohfassung fertigen Buch (ihr müsst ja wissen was alles vorkommt) – und natürlich müsst ihr nicht zu allem Stellung nehmen – mir wäre da wichtig dass ihr euch das raussucht, wo ihr den Eindruck habt, dass Außenstehende oder auch Therapeuten nicht richtig verstehen dass dieser Teil für euch so schwierig ist oder ihr euch mehr Verständnis gewünscht hätten (meines ist da hauptsächlich das mit den Skills z.Bsp  – das wird immer so als „müssen Sie halt üben“ festgehalten, doch ich hatte schon Probleme was zu finden was in guten Zeiten hilft – es hatte mir keiner gesagt, dass ich mir jeden einzelnen Skill hart erarbeiten muss – so dachte ich immer – ich ticke nicht richtig, mach da was falsch).

Es soll um den Umgang heute damit gehen – deshalb werden auch nur Erfahrungsberichte aufgenommen, wo die traumatisierende Konstellation vorbei ist – die Therapie machen und eben den Weg der Therapie und auch den Alltag beschreiben können (denn darum geht es ja in dem Ganzen).

Was haltet ihr von der Idee – lässt sich sowas umsetzen? Könntet ihr euch vorstellen da einen Erfahrungsbericht zu schreiben (und ein ja ist jetzt keine verbindliche Anmeldung – das Buch wird erst in Jahren fertig werden und ich werde auch erst dann fragen wer es möchte – dazu kann sich viel zu viel in der Zeit ändern – mir geht es mehr darum herauszufinden, gibt es überhaupt Menschen die sich das vorstellen können?) Wie würdet ihr das gehandhabt haben wollen – also unter  Namen, Pseudonym (das wird auf jeden Fall freigestellt) – als „Bezahlung“ gibt es halt das fertige Buch dann zumindest als PDF (ob auch als Buch hängt davon ab ob es überhaupt gedruckt wird – wenn ja – natürlich auch als Buch)

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12 Antworten auf Frage an die Leser

  1. Svü sagt:

    Huhu Ilana 🙂

    Also, da ich selbst mit Trauma keine Erfahrung habe, kann ich nun nur aus Sicht des Laiens schreiben. Allerdings kann ich allgemein sagen was ich mir von einem solchen Buch wünschen würde, WENN es mich betreffen würde. Also im übertragenen Sinne was ich von einem Buch wollen würde was mit meinen „Störungen“ zu tun hat.

    Ich persönlich finde es immer sehr hilfreich den Weg anderer mit den gleichen Problemen zu sehen. Auch oder gerade auf verschiedenen Positionen des Weges. Also jemand der schon seit 20 Jahren damit umgeht oder eben jemand der erst seit 1 oder 2 Jahren in Therapie ist. Die Unterschiede sehen die verschiedene Therapeuten oder Therapieansätze machen können. Eben auch was die Skills angeht, dass es bei jedem anders ist (Ich dachte nämlich auch immer, dass ich etwas falsch mache… )Wie unterschiedlich Traumata aussehen können, wie unterschiedlich „schwer“ es ist damit umzugehen. Gerade letzteres ist wichtig für die Angehörigen die so ein Buch in die Hand bekommen. Oft sind es ja gerade die Alltagsprobleme die keiner nachvollziehen kann.
    Ich denke jede Erklärung von psychischen Erkrankungen ist im Grunde sehr theoretisch. Egal wie plastisch, blumig oder metaphorisch man etwas auch darstellt. Leben bekommt diese Theorie durch Erfahrungsberichte.

    In meinen Augen auch am besten: Möglichst ehrlich, hart, aufschüttelnd. Aber letzteres ist eine ziemlich subjektive Einstellung. Nur bei den vorher gesagten Dingen bin ich mir ziemlich sicher, dass sie relativ allgemeingültig sind. Die meisten Laien sind halt schnell der Meinung die Theorie verstanden zu haben und wissen im Grunde genommen immer noch nicht wie es in einem aussieht.

    Ich wünsch dir viel Erfolg mit deinem Buch. Und ich werde es lesen. Selbst wenn es erst in 20 Jahren der Fall sein wird =)

    *wink*

    Svea

  2. Ilana sagt:

    @Svü
    das seh ich ähnlich – aber mir wäre wichtig dass es eben um die Folgen geht und nicht um das Trauma an sich – ich bin unsicher ob es möglich ist die Folgen, das Leben heute damit und die Therapie zu beschreiben wenn das Trauma an sich zwar klar benannt wird, aber eben ohne das ausführlicher zu beschreiben – also im Sinne von „sexueller Missbrauch durch Vater, Mutter mit Münchhausen-by-Proxy-Syndrom und stark sadistischen Anteilen“ – oder so ähnlich. Das fällt mir schon sehr schwer – und ich frag mich ob das so überhaupt umsetzbar ist bzw wo ich da die Grenze setzen soll/kann.

  3. Kat sagt:

    Wegen dem „ob das Buch überhaupt gedruckt wird“:
    Es gibt ja auch noch „Books on Demand“, da wirds dann auf jedenfall gedruckt, wird es doch speziell für den Kunden gemacht. Ist dann meist etwas teurer als ein „normales“ Buch, andererseits hätte man dann immerhin ein Buch in der Hand und nicht nur eine PDF Datei.

  4. Ilana sagt:

    @Kat
    Ich hab nicht das Geld um da etwas zu verlegen, aber jemanden der sich bei einem Verlag für mich einsetzen kann (ein Verlag, der zu diesem Thema schon einiges veröffentlicht hat). Selbst außer dem Schreiben und der Zeit auch finanziell etwas zu investieren ist mir nicht möglich. Doch erstmal muss ich es schreiben – den Rest sieht man dann

  5. shekaina sagt:

    hallo ilana,
    puh, finde die frage total schwierig, ich weiss gar nicht, ob ich das irgendwie zusammenfassend schreiben könnte, was die auswirkungen sind, denn ich glaube, dass ich die selbst noch gar nicht richtig bzw. genug kenne… vieles entzieht sich da meiner eigenen logik.
    ich persönlich würde aber erfahrungsberichte sehr sehr wichtig finden und möchte immer ein buch lesen, in dem auch betroffene beschreiben, wie sie das bewältigen und damit klar kommen usw.
    ich muss sagen, dass ich mich sehr lange dagegen gewehrt habe, die sexuellen handlungen so dezitiert zu beschreiben, wie auf meinem blog, aber für mich gehört das mittlerweile zur verarbeitung dazu, auch wenn es teilweise mit extremer scham und selbsthass behaftet ist… natürlich sollte sowas in einem buch nicht platz haben, da ich der meinung bin, dass das nicht wichtig ist und, auch nicht hilfrreich bzw. sogar ein trigger ist…
    ich kann deine frage da einfach gar nicht beantworten, ich glaube, um sowas zu schreiben, fehlen mir noch viel zu sehr die worte…
    ich wünsche dir aber alles gute beim schreiben, ich glaube, dass du damit vielen menschen helfen kannst, denn ich lerne und profitiere sehr viel von dir und deinem blog, an dieser stelle nochmal: vielen dank, dass ich hier lesen darf….

  6. Ilana sagt:

    @shekaina
    erstmal freu ich mich sehr dass du hier bist 🙂

    ja das ist eben so mein Zwiespalt – einerseits geht es grade darum – dass man es anfangs nicht benennen kann und nur merkt es geht halt nicht so wie man gerne hätte – und daher wären solche Berichte auch besonders wichtig – weil es die sind, wo Betroffene sich wiederfinden – die ja auch am Anfang sind (sonst würden sie das Buch ja nicht lesen) – daher war so die Idee eben genau die unterschiedlichen „Stadien“ der Therapie damit auch einzufangen.

    Der Gedanke war, dass da Berichte über den Alltag stehen – was eben nicth so klappt, wo es Probleme gibt – mit Mitmenschen, Partner, Arbeit, Haushalt, Alltag halt, wo man sich mehr Verständnis wünscht, wo man aneckt, was in der Therapie schwer fällt – was sozusagen der nächste „Abschnitt“ in der Therapie ist – wo man grade steht.

    Ich mache jetzt fast 19 Jahre Therapie – und erst die letzten 10 Jahre bei „guten“ Therapeuten – bin sicher weiter als vor fünf Jahren gar keine Frage – aber noch lange nicht am Ende des Weges.

    Die Traumatherapie braucht Geduld – und Jahre – wenn nur Erfahrungsberichte von Leuten dabei sind die schon sehr weit sind – erreicht man die die am Anfang stehen nicht, schreckt sie eher ab („das kann ich nieeee!/das erreich ich nie“ usw.).

    Aber für mich ist wirklich die Frage ob das geht – ich bin schon recht weit auf dem Weg und es fällt mir unglaublich schwer – vor Jahren – hmm – ich weiß nicht ob ich da viel schreiben hätte können.

    Der Umfang – nun ja der ist unterschiedlich denk ich – es muss nicht auf eine Seite passen, kann aber.

    Es soll also ein persönlicher Bericht sein wie man halt grade so lebt, seinen Alltag gestaltet, auf was für Schwierigkeiten man trifft, was man gerne ändern würde usw – im Endeffekt ähnlich wie bei uns im Blog 🙂

    Wobei so eine Blogsammlung vielleicht auch eine Idee wäre …

  7. shekaina sagt:

    Ich mache ja auch mittlerweile 13 Jahre Therapie und fühle mich doch noch immer nicht reflektiert genug (bei Weitem nicht, hat man erst vor Kurzem in deiner group gesehen, ich sag nur: projektionen pur!).-
    wie meinst du das mit den blogs? links zu den blogs selber reinschreiben oder einfach texte AUS dem blog?
    So detailiert wie du es oben geschrieben hast (arbeit, partner etc) da kann ich mir schon eher was vorstellen, ich brauche da immer sehr klare strukturen, sonst gehe ich total unter.
    ich hatte übrigens mal einen verlag, der meine märchen verlegen wollte und hatte einfach nicht den mut dazu, das möchte ich jetzt bald nachholen mit illustrationen 😉

    also wenn ich dir irgendwie helfen kann: ich würde es gerne tun, auch wenn ich nicht weiss, ob ich das ausdrücken kann, was du brauchst.

  8. Ilana sagt:

    @shekaina
    Also ich finde schon dass du reflektiert bist – das bedeutet ja nicht nicht mehr zu projezieren – sondern es eben dann zu merken – auch wenn es erst im Nachhinein ist – du merkst es und „klärst“ das für dich auch wieder – das gehört zum reflektieren dazu.

    Mit Blogs meine ich Links zu Blogs (natürlich auch nur mit Genehmigung des Blogschreibers!)

    Wenn ich jemals mit dem Buch soweit fertig bin – werde ich dich gerne fragen – dann kannst du immer noch entscheiden ob du es versuchen möchtest oder nicht 🙂

  9. Irmi sagt:

    Ilana, ich selbst bin nicht betroffen – beschäftige mich aber mit diesen Angele- genheiten. Schreib das Buch – und vor allen Dingen beschreibe Deine Situation. Es sit immer hilfreich, wenn man die Aussagen eines Betroffenen hört – und zeige dann auf, wieweit du gekommen bist und wie Du heute leben kannst.
    Mach in Deinem Buch Mut – laß die Leser spüren, daß Du es sehr ernst mit Ihnen meinst und schreibe vor allen Dingen so, daß auch ein Außenstehender wie ich etwas damit anfangen kann. Dieses Ziel vor Augen, gehe die Sache bald an.
    Viel Erfolg
    Irmi

  10. Ilana sagt:

    @Irmi
    Ich bin ja dabei – wobei ich eben nicht sicher bin ob es „zuviel“ wird – also die Fakten sollen ja schon möglichst einfach, aber auch klar da stehen – eben für Außenstehende – das ist durchaus das vorrangige – denn für die gibt es nichts. Im Endeffekt soll es etwas für den „Einstieg“ in diese Thematik sein. Die Fakten auch soweit möglich belegt, es soll nicht nur „persönliche Meinung oder Erfahrung“ sein (sonst müsste ich den ganzen DBT-Teil weglassen – nur so als Beispiel – und das ist eine der Hauptrichtungen in der Traumatherapie und auch sicher gut) – es soll umfassend informieren – verschiedene Therapierichtungen und -arten – und eben im 2. Teil dann die persönliche(n) Erfahrung(en) – weil ich glaube für Betroffene, die sich damit erstmal auseinandersetzen ist das schon wichtig.

    Und die Probleme im Alltag kriegt man anders auch nicht klarer gemacht – es spricht einfach mehr „an“.

  11. hexenherz sagt:

    hab jetzt nicht alles gelesen, was andere kommentiert haben (ist mir zu viel heute), aber ich wollte gerne dennoch meinen senf dazugeben 😉
    ich finde es bei so einem buch SEHR wichtig, dass erfahrungen von betroffenen beschrieben werden, weil ich persönlich glaube, dass den fachleuten die komponente der eigenerfahrung häufig fehlt. und wenn ich als betroffene ein buch lese, dann ist es für mich wichtig, solche erfahrungen zu lesen. (versteht man das?) – ich könnte mir schon vorstellen, ein bisschen was dazu zu schreiben, aber vielleicht keinen kompletten erfahrungsbericht meiner gesamten therapiezeit, sondern zu einzelnen punkten einzelne statements. ich glaube, das man das so „häppchenweise“ vielleicht auch besser aufnehmen kann (?)
    so. das dazu (etwas verwirrt heute, ich hoffe, man kann das verstehen.)

  12. Ilana sagt:

    @hexenherz
    Ja verstehe ich schon was du meinst 🙂 – über die ganze Therapiezeit kann man nicht schreiben – das wird ein Roman – eher über den Abschnitt wo man grade steht – und eben im Groben was für Abschnitte es gab – das ist in etwa das was ich meinte mit „wo man steht“. Es ist durchaus denkbar zu den einzelnen Kapiteln jeweils Erfahrungsberichte dazuzuschreiben – das muss ich noch sehen – erstmal müssen ja die Kapitel stehen. Aber danke dir – wenn es so weit ist, frag ich dich gerne 🙂

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