nochmal Mutismus

Ich habe grade das Buch „Mutismus im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“ von Boris Hartmann gelesen.

Und bin – ja was eigentlich?

Durcheinander? Das trifft es nicht wirklich.

Aufgewühlt? Ja schon, aber trifft es auch nicht recht.

Verwirrt?Ja und gleichzeitig – nein – eher weniger als davor.

Getroffen? Ja – ins Innerste zum Teil.

Entwirrt? So eigenartig das klingt passt das irgendwie am besten – muss man nicht verstehen – ich versteh es auch nicht wirklich.

Den ganzen Tag bin ich schon um das dünne Büchlein rumgeschwirrt – hab es hervorgeholt – 2 Sätze gelesen und wieder weggelegt – einerseits wollte ich es lesen, andererseits war da irgendwas, das es offensichtlich nicht so wollte.

Bis ich es in der letzten Stunde etwa gelesen hab.

Und mich sehr erschrocken habe.

Ich fand mich in so vielen Dingen wieder, eigentlich waren es nur sehr wenige, in denen ich mich nicht fand. Aber erschreckender noch fand ich, dass ich auch meinen Vater in so vielen Dingen wieder fand. Mein Großvater starb als ich 12 war oder so (plus minus 3 Jahre – weiß es nicht mehr genau) – und ich kann mich erinnern, dass auch er fast nie sprach – noch weniger als mein Vater. Es hieß immer mein Vater sei genau wie mein Großvater (jetzt allgemein, die sehen sich auch unglaublich ähnlich) – von mir hieß es ich sei wie mein Vater – aber dass ich meinen Vater in so vielen Dingen (auch außerhalb des kaum drei Worte sagens) in dem Buch wiederfinde – hab ich nicht erwartet.

Ein Abschnitt war für mich was Besonderes/Neues – dass auch das „nicht weinen können“ bei Mutismus vorkommt – überhaupt jede Lautäußerung oder Mimik – das war wieder so ein „Puzzlestück“ das an den rechten Platz gerrückt wurde.

Auch wenn sicher das „darf nicht“ bei mir im Vordergrund steht – ist das nichts von mir zeigen schon auch unabhängig davon tief in mir verankert.

Im Moment das Gefühl das sacken lassen zu müssen – so sehr dass ich schon überlegte diesen Beitrag erstmal mit Passwort zu versehen und erst in ein paar Tagen freizuschalten – was ich jetzt aber doch nicht mache.

Es hat sich einiges verändert – nicht nur für mich in mir – sondern auch das Bild dem Vater gegenüber – da ist ein Verständnis da (zumindest für seine „Kargheit“ – nicht für den Missbrauch!) – ein plötzliches „Verstehen“ und in einem anderen Licht sehen.

Aber auch irgendwie ein „neu finden müssen“ – es ist ein weiterer Blickwinkel aufgetaucht und ich muss jetzt wieder eine Art „Mitte“ finden – diesen neuen Blickwinkel bei den anderen Blickwinkeln die es schon gibt integrieren.

Jetzt bin ich erst recht gespannt auf das Buch „Gesichter des Schweigens“ – aber erstmal muss sich das jetzt setzen.

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4 Antworten auf nochmal Mutismus

  1. hexenherz sagt:

    ich finds gut, dass du den beitrag so hast stehen lassen. es ist ja irgendwie ein bewusstes dagegenarbeiten, gegen dieses: ich darf dinge nicht einfach äußern. zumindest erscheint es mir so. zum mutismus kann ich leider nicht so viel sagen, aber was ich noch sagen wollte, ist, dass ich hier bin und lese… auch wenn ich gerade nicht so viel dazu schreibe(n kann).
    liebe grüße!

  2. Ilana sagt:

    Danke dir – und mach dir mal keinen Kopf wegen dem „nicht schreiben“ – achte da auf dich und ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht. Liebe Grüße

  3. shekaina sagt:

    hallo ilana,
    ich hatte als kind (und auch als erwachsene) mutistische phasen, als kind manchmal 3 wochen lang ohne jeden ton (man musste mich aus der schule nehmen), als erwachsene oft mitten in einem gespräch, was da passierte, das macht auch unheimlich „sprachlos“ und da wirkt wohl nach das alte „du darfst es keinem sagen“- aber du darfst das heute, lass deine schreie nicht verhallen!
    lieben gruss

  4. Ilana sagt:

    Ja das kenn ich auch – dieses mitten im Gespräch „sprachlos“ werden – und wenn es dann nicht klappt erstarrte ich oft. Heute kommt das nicht mehr so oft vor – früher war das Alltag.
    Und ich werde da weiter dran arbeiten – und reden

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