Projekt

Irgendwie hab ich das glaub ich noch gar nie wirklich definiert – so für mich – fiel mir grad so auf als ich es im letzten Beitrag verlinken wollte.

Als ich hier mit dem öffentlichen Blog anfing fiel mir auf, dass ich viele Begriffe der Traumatherapie verwende – logisch – geht es hier doch auch darum.

Aber ich fand keine wirklich guten Erklärungen – die man kurz verlinken kann  – um so Außenstehenden auch klarer machen zu können um was es grade geht.

Wenn man grade mit Skills zu kämpfen hat – ist es mühsam dann noch groß zu erklären was damit gemeint ist – und worin diese Kämpfe bestehen.

So war geplant eine Art kleine Broschüre zu machen – um diese Begriffe für Laien verständlich zu erklären.

Und stieß auf ein – für mich großes – Problem: ich kann nicht etwas kurz erklären – ohne wenigstens auf eine genauere und ausführlichere Erklärung verweisen zu können – alles andere bietet zu viele Möglichkeiten für Missverständnisse und Verdrehungen.

So sollte es ein kurzer Leitfaden werden, der die Traumatherapie umreißt – max 12 Seiten lang. Leider war das Inhaltsverzeichnis – also die Sammlung der Dinge die da rein sollten – schon 3 Seiten lang.

Kürzen war nicht drin – ich bin da leider jemand, der das möglichst vollständig haben will – wenn ich also einzelne Therapieverfahren vorstelle, will ich die anderen wenigstens erwähnt haben – oder so ähnlich.

Als ich mit meinem Therapeuten das erste Mal drüber sprach meinte der nur: Klasse! Schreiben sei ein Buch, das gibt es nämlich eh noch nicht für Laien.

Klar – ich und ein Buch – der spinnt doch!

Auch mein 2. Thera – der immer die Urlaubsvertretungen macht – und selbst schon Bücher zu dem Thema geschrieben hat – war begeistert – und irgendwie wurde aus dem kurzen Leitfaden immer mehr.

Für mich ist immer noch geplant es einmal ausführlich zu schreiben – um dann eine Zusammenfassung online stellen zu können – mit der Möglichkeit auf das ausführlichere zu verweisen.

Jetzt ist es bei mir so dass ich nicht beides kann – Traumatherapie machen und darüber schreiben – es geht immer nur entweder oder – denn früher hab ich mich oft in die Theorie geflüchtet – es war gut, weil ich dann nicht fühlen musste. Für die Traumatherapie selbst muss ich aber fühlen – also kann ich mich dann nicht der Theorie widmen (zumindest nicht in dem Ausmaß das nötig wäre).

Weihnachten rum hab ich den Anfang gemacht – einige Kapitel sind in der Rohfassung schon so weit fertig – der Großteil aber nicht. Interessant war, dass da auch einige Dinge dabei sind, wo ich selbst erstmal schauen muss, was genau damit gemeint ist – denn ich kenne nicht alles aus eigener Erfahrung (Gott sei Dank!).

Mittlerweile wird es wohl doch ein Buch – allerdings gehe ich davon aus, dass ich das nie veröffentlichen werde – im Moment schreib ich das für mich – es nur zu lesen oder hören ist etwas anderes als es neu zu schreiben – denn dazu muss ich es wirklich „verstehen“ – wenn ich nicht nur abschreiben will.

Es bringt eine andere Art des Verständnisses mit – das zeigte sich schon Weihnachten – zu wissen, dass Traumata neurobiologische Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen ist eine Sache – wirklich zu verstehen wie und warum – etwas anderes. Außerdem hat sich da sehr viel getan in den letzten Jahren.

Es ist spannend sich auch mal die – für mich – abstruseren Therapieverfahren anzuschauen, die sich da entwickelt haben.

Und mir wurde klar, warum es zu diesem Thema keine dünnen Bücher gibt oder kurze Zusammenfassungen – es ist ein endloses Thema.

Ich war nie gut darin etwas fachlich zusammenzuschreiben – habe auch nicht das Gefühl dass ich das jetzt besser kann – das ist auch der Grund, warum ich mir nicht vorstellen kann das jemals als Buch zu veröffentlichen.

Es ist für mich ein Projekt – es sollte Trauma und Traumatherapie für Laien erklären. Vielleicht wird es das irgendwann tun – bis dahin wird dieses Projekt Trauma und Traumatherapie mir erklären 🙂

Und es ist ein Projekt das von vornherein auf Jahre angelegt war – weil ich weiß, dass ich es gleich lassen kann, wenn ich mir da Druck mache. Zu Weihnachten war auch eine Urlaubsvertretungszeit – eine in der wir nicht inhaltlich arbeiten konnten – und es hat Spass gemacht da über verschiedene Ansätze zu diskutieren oder sich in die Neurobiologie zu vertiefen (was mir auch eine ganz neue Erfahrungstiefe beim EMDR verschafft hat – plötzlich war die Theorie auch praktisch erfahrbar).

Ich lese mich gern in Themen ein, lerne neues – inhaltlich wurde das abgelenkt weil ich mich von D. überreden lies, das ganze Projekt mit LaTex zu machen (heut bin ich ihm dankbar dafür) – so dass ich mich erstmal mit LaTex auseinandersetzen musste – auch das machte Spass.

Es wird immer nur in Therapiepausen – zumindest wenn es eine Pause gibt beim an den Gefühlen arbeiten – und das wird es in nächster Zeit nur in Therapiepausen geben – denn die Gefühle sind mein Hauptthema in der Therapie – und das sicher noch einige Monate/Jahre – doch wie ich da auch aktuell merke – brauche ich da ab und an eine Pause – und das gelingt mir besser wenn ich mich mit der Theorie auseinandersetze.

Auch wenn es die Theorie von Trauma und Traumatherapie ist – ist das Auseinandersetzen damit immer irgendwie so, als würde mich das gar nichts angehen – schon früher hab ich mich gegen Flashbacks gewehrt indem ich mich schlau las über Posttraumatische Belastungsstörung, Trauma und Dissoziation. Es ist eine Art „Funktionieren“ – die aber nichts mit Dissoziation zu tun hat – mehr wie ein Job – zur Arbeit geht man ja auch „funktionierender“ als man sich im Alltag oft fühlt oder gibt.

Und ja – ich glaube ich habe wirklich Lust mich da wieder 2 Wochen reinzuknien und dann weiterzusehen.

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6 Antworten auf Projekt

  1. hexenherz sagt:

    Wow. Das ist ja mal ein Vorhaben… aber ich finde es eine gute Idee, vielleicht magst du hier ja ein bisschen was davon „veröffentlichen“. Ich glaube, dass es für viele Betroffene sehr hilfreich sein kann, wenn sie die Traumatherapie von jemandem nahegebracht bekommen, der sich nicht nur theoretisch mit Traumata auskennt, und der, um noch einen Schritt weiterzugehen, auch (lebens)praktische Tipps zum Umgang damit geben kann.

    Jetzt zu etwas anderem: DANKE für deinen Ratschlag mit der Wohlfühlkiste – das ist eine Superidee, ich werde mir auf JEDEN Fall eine anlegen! Die Verlinkung: Ich fühle mich geehrt (: Ich weiß nicht genau, wie man das umschreiben kann, was ich da auf meinem Blog mache, aber du wirst schon eine Formulierung finden – nur ganz möchte ich mich doch nicht auf einen Therapieblog reduzieren lassen… Ich bezeichne mein Leben mit den Traumata oft als „Leben mit Tiger“, vielleicht kannst du das einfließen lassen. Wenn du nichts dagegen hast, werde ich dich auch verlinken.

    Viele liebe Grüße (:

  2. Ilana sagt:

    Leben mit Tiger? Klar – warum nicht :-). Darf ich fragen warum gerade Tiger?

    Einzelne Teile werd ich sicher hier veröffentlich – grade dann von den Zusammenfassungen – denn dazu war das Ganze ja ursprünglich mal gedacht – aber noch bin ich ja eher beim „einfach mal drauf los schreiben“ – noch lange nicht beim überarbeiten und es „veröffentlichbar machen“.

  3. hexenherz sagt:

    @Ilana
    Das ist so eine Formulierung, die meine Therapeutin irgendwann mal „eingeführt“ hat und die immer wieder eine Rolle in meiner Therapie spielt – mit den Traumata zu leben, ist, als hätte man einen Tiger im Wohnzimmer (oder auch im Kopf, je nachdem), den man zähmen muss, damit er einen nicht ständig anfällt.

  4. Svü sagt:

    Du hast so eine wunderbare Art zu schreiben, dass ich mir sehr sehr gut vorstellen kann, dass dein Projekt irgendwann eine sehr angenehme „Erklärung für Laien“ sein wird. Die Sache mit der Veröffentlichung (auch als Buch) würde ich einfach so lange nicht überdenken, bis es wirklich fertig ist. Du hast für so Gedanken schließlich noch alle Zeit der Welt.

    Ich bin nun seit vorgestern hier unterwegs und bemühe mich gerade alles „nach zu lesen“. Wie gesagt: Ich mag deine Art zu schreiben 🙂

    Und was dein „Warum?“ angeht. Ich habe im letzten Jahr – als ich endlich auch meinen Freunden gescheit verständlich machen konnte was in mir vorgeht – gemerkt, dass die Welt so viel leichter zu ertragen ist, wenn man ihr einfach vor den Latz knallt was Sache ist. Keine Geheimnisse. „Einfach“ sagen: Ich bin krank(,aber nicht ansteckend ;)). Ich habe damit im Endeffekt fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Auch außerhalb des Freundeskreises. Und wer nicht „angemessen“ reagiert hat, der hat eine gescheite Erklärung bekommen. Aber spätestens, wenn das auch nicht gereicht hat. Dann war der Mensch es einfach nicht wert. Keiner, der so ist wie wir, muss sich verstecken. Wir sind wunderbare Menschen auf die man stolz sein kann. Wunderbare Menschen, wo man dankbar sein sollte sie zu kennen 😉

    Du merkst.. ich kann mich genauso wenig wie du kurzfassen 😉

    • Ilana sagt:

      @ Svü : das hab ich auch gemerkt – es lebt sich „einfacher“ – es geht auch nicht mehr so viel Kraft und Energie fürs „Verstecken“ verloren. Aber es ist schon auch so, dass die Akzeptanz sehr unterschiedlich ist – Leute die nichts damit zu tun haben sind da eher skeptisch und vorsichtig, Betroffene sind da meist offener – mit Betroffene meine ich generell psychische Erkrankungen.

      Und es gibt viele Situationen wo es schon auch schwer ist – am Anfang – aber dann geht es ganz gut – und das Erstaunlichste ist: wenn man selbst offen ist, öffnen sich auch die anderen Menschen – als würden dann auch bei denen „Fassaden fallen“ dürfen oder ähnliches.

  5. Ilana sagt:

    @ hexenherz: Das find ich ein tolles Bild 🙂 – und auch passend

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