ich weine

ICH WEINE …

Ich weine
doch niemand sie die Tränen

Ich schreie
ohne das jemand den Schrei hört

Ich bin wütend
und lächle dabei

Ich bin verletzt
und es tut so weh
aber ich sage:
„mir geht es gut, danke“

Ich habe Angst
doch niemand kann es merken

Ich bin verzweifelt

und

ich bin gefangen
hinter einer Fassade
und der Mauer des Schweigens

vor ca 6 Jahren entstanden

Diese Fassade ist heute Gott sei Dank Vergangenheit. Natürlich kommt es immer noch vor, aber sie ist nicht mehr lebensbestimmend. Und auch die Mauer des Schweigens habe ich geschafft zu durchbrechen – sie hat nun einen großen Durchbruch, auch wenn noch Reste der Mauer stehen.

Viele Jahre war es so, dass ich keine Worte fand, teilweise konnte ich nicht sprechen – keine Worte, keine Laute bilden, egal wie sehr ich es versuchte. In der Therapie schaffte ich es dann irgendwann mich wenigstens schriftlich mitzuteilen, währen das Sprechen sehr oft total blockiert war.

Es war sowohl ein „nichts sagen dürfen“, als auch eine „Sprachlosigkeit“ – weil ich keine Worte hatte für das was da war – an Gefühlen – es oft auch nicht fassen konnte – es war wie ein „gelähmt“ sein. Speechless Terror.

Doch da war immer auch eine andere Sprachlosigkeit – Mutismus? – die ich als besonders schlimm empfand – denn da wollte ich etwas sagen, mitteilen, wollte etwas loswerden, hatte Worte – doch die Zunge, die Lippen, die Kehle gehorchten mir einfach nicht.

Diese Blockade konnte ich dank meiner beiden Therapeuten nach Jahren des dran Arbeitens – ein gutes Stück weit lösen (unter anderem Dank deren EMDR-Ansätze) – zumindest so weit, dass ich im Alltag nicht mehr so sehr dadurch eingeschränkt bin.

Noch heute fällt es schwer über bestimmte Dinge zu reden, einfach weil manche Wörter für mich Tabuwörter sind. Es ist eine andere Art des „nicht sagen könnens“ – und ich schaffe es dann diese Dinge aufzuschreiben und dadurch mitzuteilen – und durch dieses Mitteilen kann ich an diesen Dingen auch arbeiten. Dadurch ist die Tabuwörter-Liste deutlich kleiner geworden.

Auch wenn die Sprachlosigkeit immer noch zu meinem Leben gehört, bestimmt sie es nicht mehr.

Es gibt sie noch – die Mauer des Schweigens – aber mit einem großen, stabilen und offenen Tor – und darüber bin ich sehr froh!

Und die Tränen und die Gefühle – tja – irgendwann werden auch die sein dürfen …

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8 Antworten auf ich weine

  1. LexX Noel sagt:

    Das kommt mir sehr vertraut vor, jedoch auf andere Weise. Denn ich verzichte eher bewusst meistens auf die Kommunikation mit anderen Menschen, beschränke mich bewusst auf das nötigste. Eben weil ich weiss das meine Art und Weise der sprachlichen Kommunikation mit anderen Menschen teilweise sehr arg werden kann und häufig auch wird.

    Die andere Richtung, so wie du das beschrieben hast, ist aber wahrlich nicht so toll muss ich sagen, auch wenn ich sowas nur im Ansatz selber kenne.

    • Ilana sagt:

      Als ich das damals geschrieben hatte, ging es tatsächlich um die Fassade – immer schön lächeln und alles ist gut – das ewige Bild der „heilen Familie“ – bloss niemanden zeigen wie es mir wirklich geht (was ich meistens gar nicht wirklich wusste)

      Es war schwer dieses Fassade zu durchbrechen, denn dahinter gab es erstmal nichts – ich wusste nicht wer ich bin oder was ich will – mein Leben lang lebte ich diese Fassade – von klein auf – denn alles andere war zu gefährlich – ich hatte eine Rolle auszufüllen – aufgezwungen von der Mutter.

      Erst später wurde mir klar, dass es um mehr ging – nicht nur das Bild nach außen, sondern auch um die Sprachlosigkeit an sich – und auch um die Gefühle. Und doch war das damals schon mit drin – warum sonst hätte ich es Mauer des Schweigens nennen sollen?

      Die letzten Monate ging es mir mehr um die Sprachlosigkeit und das „nicht sagen dürfen“ – der nächste große Schritt – so wie damals weg von der Fassade hin zu mir – und dann gibt es noch eine weitere Mauer – die die Gefühle einschließt – die immer noch nicht wirklich „sein“ dürfen – und so versuche ich immer noch weiter an der Mauer zu rütteln und den Durchbruch zu vergrößern – bis ich irgendwie ganz durchpasse – mit allem was mich ausmacht 🙂

  2. LexX Noel sagt:

    Gefühle einfach so wie selbige sind sein lassen zu können, das ist auch etwas was ich noch lernen muss und immer noch lerne. Das „Bild“ was Du erfüllen musstest, das kenne ich auch, ging mir eine Abschnitt meines Lebens auch so, das ich eine bestimmte Rolle zu erfüllen hatte.

  3. Ilana sagt:

    Da bin ich noch einen Schritt weiter hinten: Gefühle überhaupt zulassen – wahrnehmen tu ich sie ja schon, „sein dürfen“ – tun sie irgendwie noch nicht recht – wobei ich da auch denke, dass ich das alleine gar nicht schaffe – ich brauche für das „zulassen“ noch die Sicherheit der Therapie – das Wissen, da ist einer, der mir da auch wieder rausfischen kann – wenn mich die Fluten überrollen. All die Gefühle haben ja jetzt 37 Jahre nachzuholen sozusagen 😉

    Gefühle waren damals gefährlich, sie waren verboten und wurden bestraft – das hab ich so verinnerlicht, dass jedes Gefühl mit Angst gekoppelt ist – und den Stimmen die warnen, drohen, niedermachen. Aber mittlerweile erkenn ich die wenigstens als das was sie sind – Widersacher, Täterintrojekte.

    Wie gehst du damit um? Mit Gefühlen – mit dem sie als selbige sein zu lassen?

  4. LexX Noel sagt:

    Gefühle waren damals wirklich verboten, so kam es mir auch teilweise vor. Als Mann bekam ich da noch was ganz anderes beigebracht. Nämlich eben jenes Schubladendenken der früheren Generationen der Männerwelt, das Männer nicht zu Weinen haben oder dergleichen, Männer die Gefühle zeigen und zugegeben, gelten als Schwach.

    Das hatte ich auch sehr verinnerlicht, lange gebraucht das zu überwinden und hinter mir zu lassen. Nun habe ich so viel und so viele Gefühle, das ich diese alle gar nicht definieren kann oder ausdrücken kann. Manchmal weiss ich gar nicht was ich fühle, weil ich einfach nie gelernt hatte meine Gefühle kennen zu lernen.

    Ob sich da je wieder ändern wir, das weiss ich gar nicht mal. Ob sich das allerdings ändern sollte, das ist eine weitere interessante Fragestellung für mich in diesem Zusammenhang.

  5. Ilana sagt:

    Dieses nicht wissen was ich fühle, weil nie kennengelernt – das geht mir auch so – für mich war und ist dieses Kennenlernen auch gar nicht so einfach – ich bin da ja jemand der die Sachen gerne genau benennt – was grade bei Gefühlen oft schwierig ist – find ich.

    Inwieweit sich das für dich ändern soll – da gibt es ja viele Möglichkeiten – gibt ja nicht nur „entweder ganz oder gar nicht“ – sondern ganz viele Dinge dazwischen – welchen dieser Mischungen da für mich das „Richtige“ ist – weiß ich auch nicht – fürchte das werde ich auch nur durch ausprobieren herausfinden.

    Bist du glücklich so wie du jetzt damit umgehst, damit lebst?

    Du hast oben geschrieben: „Gefühle einfach so wie selbige sind sein lassen zu können, das ist auch etwas was ich noch lernen muss und immer noch lerne“

    also änderst du doch schon etwas 🙂

  6. LexX Noel sagt:

    Glücklich, keine Ahnung was das Wort für dich für eine Bedeutung hat, aber die meiste Zeit meines Lebens über weiss ich nicht recht was Glücklich oder Glück ist. Ich habe bisher keine passende Definition von Glück für mich finden können, weder Mental, Emotional,Geistlich wie auch immer.

    Du schriebst oben, das Du (D)eine Gefühlswelt von 37 Jahren nachholen müsstest, mir geht es ähnlich. Allerdings bin ich Baujahr 1983 und nachholen, da weiss ich gar nicht mal ob das möglich ist.

    Ändern tue ich beständig irgendwas, nur was genau, das weiss ich oder bekomme ich erst sehr viel später mit. Ich wandele umher auf/in dieser Welt.

  7. Ilana sagt:

    Nachholen mehr im Sinne von Kennenlernen und den Gefühle, die damals nicht sein durften aber immer noch irgendwo da sind – die Möglichkeit zu geben sich zu zeigen – ihnen Raum zu geben. Gefühle wollen etwas sagen, etwas mitteilen – da wenigstens mal hinhören.

    Für mich: ja – es gibt alte Gefühle – jede Menge – da hat sich sehr viel „aufgestaut“ – und das einigermaßen kontrolliert „abzulassen“ – da bin ich zur Zeit dran.

    Definition von Glück – ich glaube es gibt keine universelle – sondern jeder muss das Glück für sich selbst definieren – und diese Defintion ändert sich – bei mir zumindest – immer wieder, passt sich an, an dem was ist, aber auch was war.

    Z.Bsp bedeutet es für mich auch Glück, wenn ich etwas genießen kann – die Sonne im Gesicht z.bsp – kurze Momente – auch wenn es sonst nicht gut geht.

    Glück hat viele Facetten – das was es für mich heute bedeutet war vor Jahren undenkbar und wird in einigen Wochen vielleicht wieder anders sein. Manche Facetten bleiben, andere ändern sich und es gibt immer noch die Überraschungen – Momente, die mir erst in diesem Moment zeigen, dass sie für mich auch zum Glück gehören.

    Zum Glück gehörte und gehört auch, das was grad nicht ist – weil ich grad in einer schlechten Phase bin – als das zu sehen was es ist – es ist dann eben eine schlechte Phase – und zum Glück wird die irgendwann auch wieder anders sein – auch wenn die „Ausschläge“ nach oben klein sind – sind sie da (nur sie zu sehen ist grade dann oft schwer) – doch was ich in diesen Zeiten als Glück definiere – ist es in guten Phasen sicher nicht – es wandelt sich – immer und immer wieder.

    Das macht für mich das Glück auch mit aus.

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