Mutismus?

Ich hatte mich entschieden da mal bei Boris Hartmann anzurufen und einfach die Fragen die ich da für mich klären wollte – zu stellen.

Ein Teil von mir wollte hören: ja das könnte Mutismus sein, ein anderer Teil jedoch wollte nur: nein bitte nicht!

Am Wichtigsten fand  ich da für mich, dass es nicht so ist, dass es schon im Kindesalter auftreten muss, sondern es sogar häufig vorkommt, dass es erst im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auftritt.

Auch interessant fand ich den „Gen“-Anteil – denn soweit hab ich nie gedacht. Mein Vater war wortkarg, sagte oft keine 3 Worte am Tag – er war halt still – und alle sagten, ich sei wie er.

Aber als er dann mit den Merkmalen anfing – und ich bis auf die Depression alle auf meinen Vater (und auch auf meinen Großvater) zutraffen – die Depression aber sowieso niemals „sein hätte dürfen“ und damit versteckt worden wäre – vielleicht hatten beide auch keine – naja – fielen mir so viele Gelegenheiten ein, in denen mein Vater keine Worte fand.

Z.Bsp als es ein „Familiengespräch“ bei der Therapeutin gab und sie ihn nach seiner Lieblingsfarbe fragte – und er ihr das nicht sagen konnte (seine Lieblingsfarbe ist blau – aber er konnte es nicht sagen) – oder die vielen Male wo halt nur ein „mmh“ und ein Schulterzucken als Antwort kam, seine große Abneigung vor dem Telefonieren, sein ständiges kurz angebunden sein – und dann wieder stundenlang über den Fotoapparat erzählen zu können, dass unter Alkoholeinfluß er plötzlich zu plaudern anfing usw, sein zwanghaftes Verhalten, mit dem er seine Unsicherheit zu überspielen versuchte, sein sichtliches Unwohl fühlen wenn er etwas sagen sollte oder sich unter Menschen befand und und und.

Oder z.Bsp dass ich keinen Blickkontakt halten oder aufnehmen kann – zum Gesprächspartner.

Wir haben fast 45 Minuten gesprochen und irgendwie fanden so viele Puzzleteile plötzlich einen Platz, passten zusammen, ergaben ein Bild.

Und er fügte zwei Dinge zusammen, die für mich immer so entweder-oder waren: Schweigen aufgrund der Traumatisierungen (nicht „speechless terror“, sondern allgemeiner) oder Mutismus

Dass grade bei Traumatisierungen mit Mutsimus reagiert wird, dass all das was ich eher als „aber könnte“ sehe – eher ein „das gehört alles dazu, ist eher typisch“ aus seiner Sicht war.

Und sogar seine Wut – dass es nie jemand erkannt hat, dass es zwar im Raum stand, aber statt dann zu schauen, dass das ordentlich diagnostiziert wird, einfach „rumtherapiert“ wird – wobei er der Meinung ist, dass ich in der Therapie nicht weiterkommen kann, wenn ich den Mutismus nicht therapiere (was ich ein bisschen anders sehe – da die Therapeuten sehr wohl Jahre auch die Sprachlosigkeit im Fokus hatten – mit dem Ziel mir da mehr Möglichkeiten zu gehen) – ja sogar seine Wut darüber machte irgendwie deutlich, dass da doch einiges ganz klar ist – nämlich das Mutismus durchaus sehr wahrscheinlich ist.

Er meinte auch dass (s)elektiver Mutismus sehr breit gefächert ist – und auch als Diagnose in unterschiedlichen Varianten möglich – als Bsp: Sozialphobie mit mutistischen Anteilen – wobei da geklärt werden müsste ob es bei mir nur in Verbindung mit der Sozialphobie auftritt – denn die nehme ich am Bankschalter z.Bsp nicht so wahr.

Auch interessant fand ich, das Dreieck

Mutismus befindet sich innerhalb dieses Dreiecks.

Im Gesamten für mich sehr interessant – es fühlt sich „stimmig“ an – was ich jetzt mit den ganzen Infos mache wird sich noch zeigen.

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