und Stop

Während ich in der Küche wurstelte, die es echt dringend nötig hatte, hat der Betreuer sonst rumgeräumt – was auch gut war – so war wenigstens dann ein rausgehen aus der Küche und man sah nicht nur die restlichen Kampfschauplätze, sondern kam in eine einigermaßen aufgeräumte Wohnung.

Aber es war halt wieder mal so ein Moment, wo ich gerne was gesagt hätte, aber nicht reden konnte. Ob das jetzt daran liegt, dass ich mich die letzten 2 Tage mit dem Thema mehr auseinandergesetzt habe oder – ob mich das Thema aktuell mehr berührt, weil das „nicht sprechen können“ in letzter Zeit wieder häufiger aufkam.

Denn das ist so  – ob ich das nun sehen will oder nicht – in der Therapie gibt es wieder mehr Themen und Situationen, in denen Sprechen kaum oder nicht möglich ist. Und es handelt sich da nicht um schwierige Themen oder so – es ist nicht so, dass die Worte tabu wären, nicht aussprechbar oder zu viel auslösen – es sind grade die simplen Themen  – wie das mit den Handschmeichlern – bei denen das auftritt.

Wenn es bei den anderen Themen so wäre, könnte ich es auch verstehen – die sind schwer zu benennen, formulieren, das will man nicht benennen – da versteh ich die Sprachlosigkeit, finde sie fast „normal“. Aber grade da klappt es eher – naja auch nicht unbedingt mit sprechen, aber mit schreiben/mitteilen.

Aber grade bei diesem „Kleinkram“ – bei Sachen wo ich doch weiß, dass es ok ist – es auch nicht daran liegt, dass ich Angst hab, dass es doch nicht ok ist – oder so – ich weiß dass es für den Thera ok ist, wenn ich einen der Handschmeichler nehme oder einen meiner dort lasse – und doch kann ich dann selbst wenn er es anbietet – nichts sagen – irgendwas blockiert.

Oder dass ich mich mit jemanden treffe, sehr klar  vorbereitet hab, was ich sagen/fragen will – und dann doch nicht kann – oder – und das ist etwas was ich eher mit Erschrecken festgestellt habe – dass ich statt an den Schalter lieber an den Automaten gehe – obwohl ich grade das eigentlich lieber anders handhaben würde.

Früher war das Alltag, das ist es nicht mehr – Gott sei Dank – aber so ganz unbemerkt hat es sich wieder ein Stück eingeschlichen.

Vielleicht war es deshalb die letzten 2 Tage auch so berührend – weil es – wieder mehr – beschreibt, was da ist – auch wenn ich das so gar nicht sehen und bemerken will.

Dieses Gefühl – dieses Wissen, dass da etwas ist – und eigentlich auch was da ist – aber man will nicht hinschauen, nicht hinfühlen, will es nicht hören, nicht bemerken – und wie es sich verändert – weil das wegschauen nicht mehr so gelingt.

Es ist nach wie vor so, dass die Sprachlosigkeit nicht das Hauptproblem ist – im Gegensatz zu früher bin ich eher eine Quasseltante – und lange dachte ich – das liegt hinter mir – nur um das denken zu können war auch nötig, alles was dann doch in die Richtung ging einfach zu übersehen.

Und das war einfach – denn wenn es um das ging, was in der Kindheit passierte – war die Sprachlosigkeit „normal“ – das verschlug auch dem Thera die Sprache und mir reichte, es schreiben zu können – ich konnte es ja mitteilen – in Worten – nur nicht in gesprochenen.

Hinter diesem versteckte sich auch die andere Sprachlosigkeit – nicht nicht damit begründet werden konnte, dass die Worte ja so Schlimmes beschreiben.

In der Betreuung, im Gebetskreis, im Kontakt mit Freunden, beim Thera, in der Bank oder wenn mich jemand auf der Strasse ansprach und nach der Uhrzeit fragte.

Ob nun Mutismus oder nicht – es ist eine Sprechblockierung – die da ist – und wieder vermehrt auftritt.

Vielleicht kann ich aber jetzt – wo mir das auch wieder bewusster ist – gezielter dran arbeiten – Druck raus, nicht das „das musst du sagen“ – sondern wieder mehr aufs „Hauptsache ich kann es mitteilen – ob geschrieben oder gesagt“ – denn je weniger Druck, desto eher klappt es.

2 Fragen will ich dennoch für mich klären – und dazu werde ich einen Spezialisten fragen (zumindest versuchen):

– muss Mutismus in der Kindheit auftreten, oder kann das auch erst in der Jugendzeit deutlich (mit totaler Blockierung) zu Tage treten

– gibt es die umgekehrte Form: dass zu Hause nicht gesprochen wird, aber zu Fremden sehr wohl – es hieß immer ich hätte das vom Vater und bekäme kaum meine Zähne auseinander und spreche kaum 3 Worte am Tag – das war auch in der Kindheit da

So und jetzt ein Stop für heute – Welt aussperren und mich mit lesen ablenken (sofern die Kopfschmerzen das mitmachen – sonst eben Hörbücher oder Entspannungsübungen oder Musik)

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