Mutismus

Sab vom Mutismus-Blog hatte sich die Mühe gemacht die Formen von Mutismus zusammenzuschreiben.

Da ich das sehr interessant fand und es mir (für mich) auch wichtig ist, hab ich sie gefragt ob ich das hier schreiben darf – und ich darf 🙂

von daher kopiere ich ihren Beitrag hier herein :

Ich habe mir gedacht, mal ein bisschen zu recherchieren, ob es neben der Einteilung zwischen totalem und selektiven Mutismus noch weitere gibt und wie es bezüglich der Mutismusformen in der Vergangenheit aussah.

In der Literatur sind verschiedene Einteilungen  zu finden. Eine der ältesten stammt aus dem Jahr 1936 (von J. Waterink und R. Vedder):

  1. hysterischer Mutismus: Mutismus mit hysterischen Symptomen (z.B. körperliche Störungen: Erbrechen, Zittern, Atemnot, Lähmungen).
  2. elektiver Mutismus: “freiwilliger” Mutismus, bei dem die Personen ausgesucht werden, mit denen der Betroffenen spricht.
  3. Heinz`sche Mutismus: der Betroffene reagiert bei einem Mileuwechsel mit Mutismus.
  4. neurotischer Mutismus: Mutismus, der durch eine Angstneurose ausgelöst wird.
  5. thymogener Mutismus: Mutismus, der aufgrund eines Traumas auftritt. Der Begriff thymogen wurde im zweiten Weltkrieg geprägt. Beispiele sind daher Traumata durch Kriegserlebnisse.
  6. ideogener Mutismus: Mutismus, der organische Ursachen hat.

Eine andere Einteilung wurde 1950 (von A. Weber) vorgenommen:

  1. einfach-reaktiver Mutismus: Mutismus aufgrund eines schrecklichen Erlebnisses, der besonders bei der Sprachentwicklung auftritt. Beschreibt eher totalen Mutismus.
  2. neurotischer Mutismus: Mutismus, der in Form einer Neurose durch innere und/oder äußere Konflikte entsteht. Überwiegend elektiver Mutismus.

T. L. Hayden unterteilte den Mutismus 1980 in vier Formen:

  1. symbiotischer Mutismus: es besteht eine Kind-Elternteil-Symbiose (meist mit der Mutter), die das Schweigen auslöst oder verstärkt. Hierbei wird eine eigenständige Entwicklung des Kindes verhindert. Die Kinder verhalten sich eher nicht zurückgezogen, sondern kontrollierend und manipulierend.
  2. passiv agressiver Mutismus: das Schweigen wird als Waffe verwendet um andere zu manipulieren. Oft ist der Betroffene der Sündenbock in der Familie. Allerdings richtet sich der Mutismus nicht an die Familie, sondern vielmehr an die Umwelt. Dieses Verhalten ist mit Gewalt verbunden um die eigene Verwundbarkeit zu überdecken.
  3. Sprechphobie-Mutismus: hierbei hat der Betroffene Angst vor dem Sprechen an sich und vorm Hören der eigenen Stimme. Anstelle verbaler Kommunikation werden Zeichensprache, Gestik und Mimik benutzt.
  4. reaktiver oder traumatischer Mutismus: Mutismus verursacht durch ein Trauma. Begleitend können starke Depressionen, Isolierung, Drogenkonsum und Suizidversuche auftreten.

Dagegen unterschied T. Spoerri 1986 den Mutismus anhand des Alters der Betroffenen:

  1. infantiler Mutismus: Mutismus, der sich anfangs durch Sprachscheu im Alter von fünf und sechs Jahren entwickelt.
  2. adulter Mutismus: Mutismus, der in Verbindung mit einer katatonen Schizophrenie auftritt.

aus: Mutismus, zur Theorie und Kasuistik des totalen und elektiven Mutismus von Boris Hartmann

Danke, liebe Sabrina, dass ich das hier verwenden darf. So eine schöne Zusammenfassung hab ich nämlich sonst nirgends gefunden.

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