was soll mir das sagen?

Wenn ich mir die letzten zwei Tage so anschaue, waren die sehr ruhig – wobei eher eine müde Ruhe.

So wirklich greifbar war nichts, die letzten zwei Tage wurde auch die innere Unruhe langsam „ruhiger“ – zwar noch da, aber nicht mehr so intensiv wie die Tage davor – mehr eine unbestimmte innere Unruhe, die mehr das Gefühl hinterläßt etwas zu tun, mich zu bewegen, Sport zu machen, Spazieren zu gehen oder sosnt etwas.

Aber es ist vor allem diese „Müdigkeit“ – die nicht so sehr körperlich ist, mehr psychisch – die mich fragen lässt, was mir das sagen soll.

Ist eine Pause angesagt?

Es ist jetzt  etwa Jahr, in dem wir regelmäßig, fast wöchentlich, die Vergangenheit durchgehen – in diesem Jahr ging es mehr um das was passiert ist, Erinnerungen – und irgendwann auch darum diese Dinge auch zu fühlen, nochmal durchzuerleben, diesmal aber um das was es damals angerichtet, zerstörrt hat, ein klein wenig zu „heilen“.

Es war und ist wichtig für mich – und wird auch mit Sicherheit in der Zukunft der Weg sein.

In den letzten Wochen ging es dann weniger um konkrete Situationen, sondern um Gefühle.

Gefühle die nie sein durften, denn Gefühle waren gefährlich. Gefühle bedeuteten schlimme Konsequenzen, sie zu zeigen war lebensgefährlich.

Das hab ich so verinnerlicht, dass ich lange gar nichts fühlen konnte, dann sehr lange nur Angst und Panik. Noch heute sind Gefühle immer mit Angst gekoppelt.

Tränen durften nicht sein, lösten Panik aus – heute weiß ich warum: sie waren Vorwand, Begründung, Erklärung – für Missbrauch, der als Trost deklariert wurde oder auch als Vorwand für weitere Übergriffe, denn sie zeigten ja „dass wir das noch üben müssen“.

Zum einen ging es also darum einen Raum zu schaffen, in dem Gefühle sein dürfen, was dann mal mehr mal weniger klappte – aber doch deutliche Fortschritte zeigte.

Doch es gab nie den Zugang zu dem Kind von damals – nicht gefühlsmäßig – auch wenn es verstandesmäßig nicht mehr so mit Abscheu und Abwehr gekoppelt war – diese Vorstellung.

Irgendwann in den letzten Monaten hat es sich dann „eingeschlichen“ – wenn auch immer noch als „Monsterkind“ – gab es ab und an einen Kontakt – und in den letzten Wochen auch darum, dass dieses Kind sein darf.

Für mich noch nicht vorstellbar, dass ich mich irgendwann aktiv um dieses Kind kümmern kann – aber es darf sein. Irgendwann wurde mir klar dass es nicht nur sein dürfen muss, sondern dass ich nur damit umgehen lernen kann, was war, wenn ich eine Alternative kennenlerne – und so geht es aktuell darum, welche Bedürfnisse dieses Kind hat – sozusagen wie es die Welt ohne dieses „System“ in dem es aufwuchs – ein Kennenlernen von Geborgenheit – über die Vorstellung der „idealen Eltern“.

Auch wenn dafür erstmal klar sein muss, was das Kind sich wünschen würde – und das gekoppelt ist mit der Sehnsucht, da es das ja nie erfahren hat.

Es ist kompliziert – schmerzhaft und sehr anstrengend.

An diesem Punkt  – an dem es um die Gefühle des Kindes ging, dass es erkennen kann, dass es auch anderes gibt als Terror, Sadismus und Missbrauch – hakten wir.

Die Reste der Datei kamen dazwischen – und der Urologentermin – wieder wurden Situationen aufgewirbelt und wieder ging es dann mehr um diese Situationen – auch wenn wir sie nicht aufgriffen – waren sie da. Zusammen mit unzähligen Blitzbildern.

Ich bin damals ausgezogen – und drei Wochen später war alles weg. Ich kannte keine Leute mehr (auch die Geschwister nicht), außer denen die ich in diesen drei Wochen gesehen habe, hatte keinerlei Erinnerungen mehr an die Zeit davor, an gemeinsame Unternehmungen mit Freunden oder sonst etwas – selbst das was in der Schule nicht vorkam – Geschichte, Geografie – alles war weg – ich konnte noch lesen und schreiben und rechnen – sofern das nicht irgendwas Spezielles war, auf dem das Aktuelle nicht aufgebaut hat.

Und ich merkte es, doch es hat mir keine Angst gemacht – es war einfach so und ich war so damit beschäftigt einfach zu funktionieren – dass das alles unterging.

Das Funktionieren funktionierte auch 🙂

Die Vermutung ist, dass diese unzähligen Blitzbilder die Erinnerungen sind, die ich damals – als Schutzmaßnahme – weggesperrt habe  – das was damals verlorenging, sich jetzt aufdrängt – jede einzelne der Erinnungen „anklopft“ und sagt „hier bin ich“.

Die letzten zwei Wochen waren geprägt von Durcheinander, Chaos, einem „umgestülpt“ werden – und einer gewissen Fassungslosigkeit ob dieses Durcheinanders – so manchesmal sass ich da und konnte nur zusehen was da alles in mir passiert – ohne es greifen zu können – oder gar sortieren.

Zwischendrin immer wieder eine Art „Ruhe“ – die nicht wirklich ruhig war – mehr ein „will nichts sehen oder hören“, Aussteigen aus dem sich so schnell drehenden Karussells, das mich die Bilder und Gefühle nicht greifen ließ.

Das Verhältnis von Durcheinander zu Müdigkeit veränderte sich –  war erst fast nur Durcheinander, wurde das weniger – nicht weil es sortiert war – sondern weil mir glaub ich schon so schwindelig von den Drehungen war, dass ich gar nichts mehr sehen konnte.

Die Müdigkeit nahm zu – erst auf Schlaflosigkeit geschoben, da das Schlafen auch so seine Zicken machte. Der Widerspruch zwischen Unruhe und Müdigkeit wurde größer – doch körperlich fühl ich mich eigentlich nicht müde – nur psychisch.

Vielleicht will mir das sagen, dass ich eine Pause brauche, die Therapie mal etwas „ruhiger“ angehen lassen. Nicht weiter vorwärts, sondern erstmal da bleiben wo ich bin und wieder zu Atem kommen.

Die Szenen aus der Vergangenheit die rumspuken – ich will sie aktuell nicht aufgreifen – hab aber das Gefühl ich muss – wenn ich sie loswerden will – nur selbst die beiden sind ein Stück zurückgetreten.

Das Gefühl dass etwas mehr Ruhe gut wäre – das Kind Kind sein lassen, fühlen lassen und eine alternative Realität zu der schlimmen in dem es lebt – kennenlernen lassen.

Weitermachen, aber Tempo rausnehmen. Das was da ist be- und verarbeiten und nichts Neues dazunehmen – das was da ist erstmal setzen lassen und an dem „Gefühle zulassen“ weiterarbeiten – ohne es voranzutreiben.

Andererseits – ab nächster Woche ist sowieso eine „Zwangspause“ – da der Thera dann Urlaub hat – es gibt zwar zwei Vertretungstermine, aber in denen werden wir wahrscheinlich nicht inhaltlich arbeiten können.

Im Moment würde ich mir mehr Ruhe wünschen, ein bisschen mehr Basis, nicht weil die Stabiltät in Gefahr – die ist da und sicher – aber ein bisschen Ausruhen, Luft holen, innehalten um dann wieder mit neuem Elan weitergehen zu können.

Ist das die Antwort auf die Frage? Will es mir das sagen?

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