Wumm

So ging es mir grade – als wäre ich gegen eine Plakatwand gefahren.

Ich hab es geschafft um ca 17 Uhr den Computer auszumachen, habe gelesen (Die Wachsmalerin zu Ende und den Anfang von „Das Sakrament“ von Tim Willocks), hab dazwischen mit D. telefoniert – eineinhalb Stunden – und fühlte mich gut.

Die Medis hatte ich irgendwie vergessen und erst spät genommen, doch das ist nicht schlimm, hat auch keine Auswirkungen auf irgendwas.

Die Tigerkatze, die seit der Bettwäsche von Aldi sämtliche bisher erfolgreichen Erziehungsmaßnahmen (z.Bsp. eben Kopfkissen ist Tabu – alles andere im Bett ist ok – aber das Kopfkissen ist meins) mit überraschtem Blick quittiert als wüsste sie gar nicht was los ist, eben diese Katze schläft – am oberen Ende des Kopfkissens – nicht schnurrend (weil das kann ich beim Einschlafen nicht haben so nah an meinem Kopf – unter der Bettdecke darf sie das, aber nicht neben meinem Ohr) und die Piratenkatze kuschelt sich auch noch auf die Seite (was sehr selten ist – ist keine Kuschelkatze) – alles ist friedlich – sogar in mir drin ist Ruhe.

Einschlafen klappt nicht so recht,  aber es ist angenehm und deshalb liege ich da also nur.

Und dann macht es WUMM.

Ein Bild taucht auf – und kommt auf mich zu – als würde ich gegen eine Plakatwand fahren. In dem Moment wo ich durch die Plakatwand breche taucht ein anderes Bild auf – und wieder kommt es auf mich zu, wird größer – bis es mich fast erschlägt.

Dabei hab ich nicht das Gefühl in Bewegung zu sein, dieses heranrasen oder größer werden ist auch weniger optisch, sondern mehr „vereinnahmend“, nichts anderes zählt mehr, wird gesehen – es wird fast „übergestülpt“.

Die Bilder (wenn mich nicht alles täuscht sind es 3 völlig unterschiedliche Szenen, die aber alle mit Übergriffen, Missbrauch, Schmerz und Angst zu tun haben) sind eigenartig – einerseits völlig klar, scharf, deutlich, andererseits kann ich nicht sagen was es wirklich war – als würde mein Verstand sich weigern die Formen und Farben zu einem Bild zusammenzustellen.

Als wäre es wie in einem Dunst oder Neben oder völlig verschwommen (so als hätte man 12 Dioptrin und die Brille nicht auf) – aber auch hier nicht optisch wahrgenommen (denn die Bilder waren schon scharf und klar) – sondern die Verarbeitung im Gehirn – von diesen Wahrnehmungen – völlig wirr und unklar.

Dass es sich um 3 Szenen handelt ist nur so ein Gefühl – es waren mehr Bilder, wobei einzelne zusammenzugehören schienen.

Das erste Bild war so ein Schock, dass ich erstmal gar nicht reagieren konnte – bis das 2. kam (die wechselten etwa im 10 Sekunden-Rhythmus – also schon langsam) – bei dem ich nach kurzem Auftauchen erstmal die Augen aufriss – und es war weg.

Kaum machte ich die Augen wieder zu ging es weiter – da wo ich aufgehört hatte.

Also wieder Augen auf – noch ein Versuch und irgendwann Licht an.

Das war ein Fehler, denn jetzt tauchen die Bilder nicht nur beim Augen zu auf, sondern beim Licht aus.

Das Herz klopft und pocht gegen die Rippen, dass ich es von außen sehen kann – trotz dem massiven Übergewicht. Ich spüre den Herzschlag noch im Hals, die Atmung ist aufgeregt und alles in allem lässt sich das alles nicht recht beruhigen.

Die Bilder – auch wenn ich sie nicht „zusammengesetzt“ kriege – lösen einiges aus – zum einen natürlich die Angst vor diesem – für mich neuen – Phänomen, aber auch Entsetzen und schiere Panik, ein „gelähmt sein“.

Dabei ist der Inhalt nicht neu – glaub ich – zwei der Szenen sind schon als Thema bekannt – auch dass sie aktuell im Vordergrund sind, das dritte – wirkt irgendwie auch bekannt und vertraut und ist doch völlig unklar – da kann ich nicht mal sagen in welchen Bereich es gehört.

Irgendwann kamen auch andere Bilder dazu  – doch genauso gleichzeitig klar und deutlich und doch völlig unklar und nicht greifbar.

Ein Stopp zu setzen war schwer, gelang immer nur kurz – anfangs ging es so weit, dass selbst das Blinzeln ein kurzes Bild zeigte – was zu verzweifeltem Augen aufreißen führte und die Augen schnell schmerzten – doch das legte sich wieder – nur die Augen schließen ist immer noch schwierig.

Auch wenn jetzt nicht mehr jedes mal ein Bild auftaucht, reagiert der Körper, mit einem rasanten und „ausschlagendem“ Herzschlag, beschleunigter Atmung (oder alternativ eingestellter Atmung, weil völlig erstarrt), Anspannung und manchmal auch Muskelzuckungen in den Armen – Panik halt – auch wenn ich sie dann in dem Moment nicht als solche wahrnehme – es ist eine reine Körperreaktion. Und ich weiß nie was kommt – ein Bild, die Körperreaktion oder was anderes?

Im Angebot sind:

  • Bilder
  • Körperreaktion
  • Panik (als Gefühl „gefühlt“)
  • Entsetzen
  • Traurigkeit (wobei das nicht richtig stimmt – mehr eine Mischung aus Traurigkeit, Angst, Sehnsucht, ausgeliefert und ohnmächtig sein, Fassungslosigkeit, Schmerz)
  • nichts (wobei das leider bisher nicht getestet werden konnte, ob es denn beim nichts bliebe wenn ich die Augen zuließe – weil ich es irgendwie nicht schaffe sie dann zuzulassen – so ein „erzwungenes“ zulassen – scheint grade nicht möglich)

Der Versuch die Bilder wegzupacken gelingt nur teilweise – sie in die „Bildergalerie“ zu stellen – eine Art Raum, in dem belastende Bilder abgestellt und erstmal weggepackt werden können – fällt schwer, da ich die Bilder nicht fassen kann, sie nicht benennen, zuordnen kann.

Dieses Benennen und fassen können ist für mich für das Wegpacken sehr wichtig – ich kann nicht etwas völlig „unbenanntes“ wegpacken – das würde nur Chaos geben und klappt nicht – benannt kann ich es in der Regel dann auch wegpacken – dabei geht es nicht um Einzelheiten, aber eben eine klare Benennung, die manchmal einfach nur ein Kästchen ist oder ein xyz – aber eben auch dieses Kästchen oder xyz ist dann klar zugeordnet und nicht „irgendwas“.

Die Augen brennen, die Lider mögen sich schließen, doch der Schock sitzt tief.

Langsam wird es häufiger, dass beim Schliessen „nichts“ auftaucht – langsam wird die Atmung wieder ruhiger und auch den Herzschlag seh ich nicht mehr so deutlich, wenn ich ihn auch immer noch spüre – wieder nicht so langsam ruhiger wird – das geht deutlich schneller als bei der Atmung.

Aufmerksamkeitsübungen:

was seh ich …. den blinkenden Cursor auf dem Monitor, den Lichtschein der von links kommt, das blaue Lämpchen des Ein-/Aus-Schalters am Laptop

was hör ich …. die Atmung der Katze, den Lüfter des Laptops, das Summen des Kühlschrankes nebenan

was fühl ich …. die Wärme des Wärmeunterbettes unter mir, den Fuß der grade am Einschlafen ist, das große Kissen im Rücken

erst je drei Dinge, dann je zwei Dinge, dann je ein Ding – dann wieder je zwei Dinge und wieder je drei Dinge

Ablenken, im hier und jetzt bleiben, bei auftauchenden Bildern ein Stopp setzen – nur die äußeren Dinge aufzählen, nicht die inneren Bilder, Geräusche, Empfindungen

…. so lange bis Ruhe einkehrt und sich der Schlaf finden lassen wird ….

(ein Beitrag der über einen Zeitraum von etwa einer Stunde entstand und eine Entwicklung „dokumentierte“)

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