Artztermin und Thera

Urologie: war heute nicht so gut organisiert wie das letzte Mal, so dass es dann zeitweise echt schwierig war – aber ging – die Untersuchungen selbst beschränkten sich auf abklopfen und Ultraschall – musste mich nicht mal entkleiden. Arzt nach wie vor sehr nett und hilfsbereit.

Jetzt geht es darum ein Medikament auszuprobieren (aber erst muss ich auf den Rückruf meines Neurologen warten, der sein ok geben muss, da der Urologe da drauf bestand das das mit dem Arzt geklärt wird, der auch den Rest verordnet – bezüglich Wechselwirkungen usw).

Danach Thera – war unerwartet und eigenartig – von der Untersuchung her ging es recht gut – es hatte sich ein großer Druck aufgebaut und irgendwie wusste ich nicht was wo wie.

Mit EMDR kamen dann erstmal eine Flut von Blitzbildern – aus völlig unterschiedlichen Bereichen – die auch meistens gar nicht zu fassen waren – weil sie nur einen Bruchteil einer Sekunde aufblitzen und sofort vom nächsten Bild abgelöst wurden – kam mir teilweise vor wie in einem Karussell, das sich ganz schnell dreht – man sieht dann die Umgebung nur noch so als verschwommenen Film – so ähnlich war es – nur dass es halt kein Film war sondern viele Bilder die „vorbeiflitzten“. Parallel dazu war einfach nur viel Angst.

Und das Gefühl dass hinter diesen Blitzbildern irgendwas hockt und lauert – und das haben wir dann aufgegriffen und ich sah nur ein Bild meiner Mutter, die irgendwas mit mir macht – hatte auch was mit Urologie zu tun – aber war zu unklar – es war nur Entsetzen und ein „will ich nicht sehen“ – was genau weiß ich aber nicht.

Das löste wiederum jede Menge Gefühle aus und wir haben dieses Bild nicht weiter angesehen – sondern versuchten mit den Gefühlen ins Turmzimmer zu gehen -was nur teilweise gelang – anfangs flossen dann Tränen und es war Traurigkeit da – unendliche Traurigkeit, die aber irgendwann auch „ruhiger“ wurde – doch dann kippte es – wieder in die Vorwürfe und ständige Frage:

Bin ich wie meine Mutter, hab ich mir eine eigene „Realität“ geschaffen, in der ich gefangen bin und die nichts damit zu tun hat was wirklich passiert ist? Bin ich wie sie, dass ich irgendwann diese ausgedachte und angepasste Realität zu glauben begann und so in ihr verfangen bin.

Eine Angst die ich ja eh immer habe – immerhin hab ich erlebt, dass meine Mutter sich eine Realität bastelt, diese dann ja auch wirklich glaubte und es schaffte, dass alle anderen das dann ebenfalls glaubten.

Und ja mir ist durchaus klar, dass das das ideale Argument ist für die Schuldgefühle – die Schuld wieder bei mir suchen und sie nicht da hin geben müssen wo sie hingehört – aber die Zweifel sind da – und auszuschließen ist es auch nicht – immerhin hab ich es bei meiner Mutter erlebt.

Auch wenn die Fakten klar sagen es gab Missbrauch, es gab Lieblosigkeit und Sadismus, es gab das Niedermachen zur Genüge und auch die Arztbesuche und Untersuchungen und ihr „untrisch waschen“ – ist da immer noch das Stimmchen das sagt: ja aber vielleicht war alles nicht so schlimm wie ich denke und nur ein „bisschen“ und nicht in dem Ausmaß wie Körpererinnerungen, Bilder, Gefühle und Gedanken es glauben machen.

Vieles ist so unfassbar – so unglaublich, dass ich an den organisatorischen Umsetzungen zweifel – wie schafft das Jugendamt es eine Anzeige zurückzuziehen, die ich aufgab, wie kann das Jugendamt aktenkundig machen, dass der Vater den Missbrauch zugab und die Akte verschwinden lassen, als sie jemand kopieren wollte ob der Unglaublichkeit.

Wir hatten 96 qm auf denen wir wohnten, zwei Kinderzimmer – wie kann es sein, dass all das passiert und keiner kriegt das mit?

Wie kann es ein solches System geben, das  die Eltern aufbauen – das so funktioniert, dass trotz Erzählen von Seiten der Kinder immer alles als „zuviel Fantasie“ oder „Lüge“ ausgelegt wird?

Warum spielen alle Menschen da mit? Wurde den ständigen Erklärungen und Beteuerungen der Mutter immer und immer wieder Glauben geschenkt?

Kann es wirklich sein das alle wegschauen? Dass die Geschwister schweigen, es mit ansehen (zumindest gibt es Bilder, wo ich Übergriffe auf meine Schwestern sehe – ich war im selben Raum, im Bett nebenan) und doch nichts sagen können? Wie muss dieses System funktionieren, dass wir gar nicht auf die Idee kamen aufzumucken?

Wie kann über Jahrzehnte so etwas hinter 4 Wänden passieren – und keiner merkt etwas? Alles sehen nur die tolle Mutter, die sich aufopfert, den Vater, der zwar manchmal beängstigend ist ob seines Jähzorns, sich aber mit den Kindern beschäftigt und sich abrackert, damit genug Geld zu Hause ist? Und dann nimmt diese tolle Frau auch noch Pflege- und Tageskinder auf – sie war eine wichtige Frau in der Gemeinde, anerkannt ob ihres sozialen Engagements.

Ist es überhaupt möglich, dass es dahinter so ganz anders aussieht? Dass es die zwei Seiten gibt, die solche Extreme sind :

die nahezu Heilige und das sadistische Monster, das ihr Kind krank macht um noch mehr Aufmerksamkeit und Bewunderung zu bekommen?

der schwer arbeitende Buchhalter, der mit seinen Kindern viel unternimmt wenn er Zeit hat – und der perverse Lüstling, der sich von der Mutter einspannen lässt?

Wenn ich das alles schon nicht glauben kann, wo ich es doch „fühle“, immer wieder erlebe, manches klar weiß – wie können dann andere das glauben?

Und die Folgefrage:

Warum können andere das eher glauben als ich?

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