Stille

Der Versuch nicht in Nebensächlich- und Oberflächlichkeiten zu flüchten – denn es wäre nur ein weglaufen, aber auch der Versuch, sich nicht im Durcheinander zu verlieren.

Es müssen keine Entscheidungen getroffen werden – nicht heute und nicht morgen – es reicht wenn ich mir da nächste Woche mit dem Thera Gedanken mache. Die Entscheidungen die getroffen werden, kann ich eh nicht erzwingen oder mit dem Verstand treffen, ich muss hier nach meinem Herzen, meinem Gefühl gehen – doch dazu muss ich diesen Gefühlen auch Raum geben um auch „zuhören“ zu können.

Das muss ich nicht alleine tun, habe die Möglichkeit das zusammen mit dem Thera anzuschauen.

Er brachte das Beispiel mit der Umkehrbrille. Eigentlich sind die Bilder auf der Netzhaut ja auf den Kopf gestellt, das Gehirn dreht sie dann für uns um. Wenn man nun eine Brille aufsetzt die das umdreht – steht alles auf dem Kopf. Es dauert mehrere Tage (6-9) bis man sich daran gewöhnt hat – sofern man sich aktiv mit der Umwelt auseinandersetzt.

Meine Welt steht jetzt Kopf – alles wird hinterfragt und mir fehlen die Richtlinien zum orientieren.

Es wird länger als 6-9 Tage dauern, aber irgendwann wird es wieder einen Horizont geben an dem ich mich orientieren kann, wird es wieder ein oben und unten geben und damit auch der Rest sich finden.

Für die nächsten Tage reicht es zu wissen, dass ich jetzt nichts entscheiden muss, dass egal welche Realität da damals nun dahintersteckte – ich heute atme, mir was zu essen machen kann und den Alltag über die Bühne bringen kann.

Und dass es wichtiger ist zur Ruhe zu kommen und aus dem „alles hinterfragen“ rauszukommen – denn für mich allein kann ich da im Moment keine Antworten finden – was das Hinterfragen nur quälend macht.

Es ist wie es ist – ich versuche im heute zu bleiben, im jetzt und vielleicht ein bisschen im morgen. Zu leben für den Augenblick und was an Altem auftaucht – achtsam wahrzunehmen – und ziehen zu lassen.

Achsamkeitsübungen werden somit auf dem Tagesplan stehen – immer dann, wenn mir auffällt, dass ich mich in irgendetwas verliere.

Es wird kein „muss“ geben – ich werde nicht mal in der Wohnung aufräumen oder abwaschen, wenn ich in dem Moment nicht will  – es wird ein darauf achten sein, was mir gut tun würde, was ich machen möchte, was ich brauche – um einfach in den Tag hineinzuleben.

Nicht als Dauerlösung – aber zur Überbrückung der Tage bis zur nächsten Thera.

Am Freitag werde ich mit den Betreuer in der Wohnung klar Schiff machen – vielleicht auch in einer größeren Aktion – das werden wir dann sehen. Und ich werde auch zum Gebetskreis gehen am Freitag.

Ansonsten weiß ich noch nicht genau – vielleicht fahr ich einmal runter in den Park und dreh meine Nordic-Walking-Runden, vielleicht mach ich mein Sportprogramm zu Hause, gehe schwimmen oder mach gar nichts.

Ich mag es eigentlich nicht so – einfach in den Tag hineinleben – ohne „Tiefe“, ohne wirklich leben, weil ich mich nur berieseln lasse. Doch es bringt auch nichts da jetzt zwanghaft zu suchen und unbedingt verstehen zu wollen was jetzt wie wo warum ist.

So wie sich das Gehirn nicht zwingen lässt – jetzt sofort alle auf den Kopf gestellten Bildern wieder umzustellen.

Es braucht Zeit – und es ist etwas, was ich ohne Hilfe nicht schaffen kann.

Doch ich habe das Glück, dass ich diese Hilfe habe.

Was ich jetzt brauche – ist wieder etwas Ruhe – und Stille – die ich auch als Ruhe und Stille wahrnehmen kann – und ich werde mich dieser Aufgabe jetzt widmen.

Die Möglichkeiten dazu, die hab ich – ich muss sie „nur“ nutzen.

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