Turmzimmer

Ein runder Raum, ein Turmzimmer, nur eine stabile dicke Holztür. Nur ein Kissen oder kleiner Sitzsack – sonst keine Einrichtung – es ist wichtig, dass ich den Raum spüren kann, den Boden, die Wand – den direkten Kontakt. Die Wände sind Natur, unterschiedliche Steine, überwiegend hell, unregelmäßig, stark – hauptsächlich in beige, sand, hellem braun, mal fast weiß. Es ist sonnendurchflutet.

Kein Fenster, wobei die da sind wenn ich sie brauche – Fenster die nach aussen gehen – eine Landschaft zeigen. Die Anzahl der Stockwerke weiß ich nicht – aber das Zimmer ist ziemlich weit oben, direkt unterhalb des Daches.

Der Boden mal ein Holzdielenboden (seltener mal aus Stein) [mittlerweile nur noch Holzbohlen]- so wie ich es jeweils brauche, sowohl der Boden als auch die Wände sind mal kühl, mal warm, meist recht glatt, nicht rau und doch auch nicht wirklich glatt – Natur halt – vom jahrelangen Gebrauch „glatt genutzt“.

Wenn ich in dem Raum bin – bin ich sicher – nichts kann passieren, niemand die Tür öffnen, so sehr sie auch dran rütteln. Nur wenn ich die Türe aufmachen möchte – kann ich sie öffnen.

Nicht mal die Widersacher können da rein – sie können draußen toben – doch in den Raum kommen sie nicht.

Ich kann meine Gedanken „ausschicken“ – in die Vergangenheit – jederzeit mich wieder „zurückziehen“ – in meinen Körper. Oder ich kann wie auf einer Leinwand sehen was passiert – auf die Mauer projiziert. Oder es erscheinen Fenster – durch die ich sehen kann, was war. Kann damit beobachten – mich in verschiedenen Situationen z.Bsp – auch für best. Vorstellungen (z.Bsp mit den Idealen Eltern).

In dem Turmzimmer – kann nichts passieren, ich bin absolut sicher und das Wichtigste: es wird keine – negativen – Konsequenzen haben – keine Bestrafungen oder sonst was – alles darf sein.

Auch – oder grade – die Gefühle dürfen sein – ohne Angst, dass dann etwas Schlimmes passiert.

Das Turmzimmer vermittelt Sicherheit, Schutz – und Ruhe. Ein „getragen“ und auch ein „geborgen“ sein.

Ich begrüße es, muss es im wahrsten Sinne auch „begreifen“ – um dort anzukommen, die Hand ausstrecken und rundherum gehen und die Hand an der Wand entlangstreifen, mich auf den Boden setzen (ob in der Mitte oder an der Wand oder wo auch immer), die Hand auf den Boden legen und ihn fühlen, spüren, mit allen Sinnen „aufnehmen“.

In dieses Turmzimmer darf außer mir niemand – auch nicht der Thera – aber ich kann Verbindung halten – zu ihm, dem inneren Helfer – es gibt die Möglichkeit eines Kontakts – ein gedankliches „Ausstrecken“ und Berühren, das eine Verbundenheit darstellt – eine „Erweiterung“ des Raumes für Menschen, denen ich wirklich vertraue und die durch diese Verbundenheit helfen können, dabei, dass dieses Turmzimmer sicher bleibt – auch wenn ich Unangenehmes anschaue.

Eine Verbundenheit, die nötig ist, damit ich lernen kann wie ich damit umgehe – mit dem Ausstrecken nach dem Negativen, dem Alten, dem Belastenden ohne mich dabei zu verlieren.

Dieses Turmzimmer stammt aus einer Triologie („Das verbotene Land“ von Margaret Weis) – die Bücher selbst, die Geschichte – war ok, aber nicht so superklasse – doch dieses Turmzimmer fand ich in diesen Büchern – es ist das Zimmer von Markus, in das er als Kind eingesperrt wurde, weil ihn die Drachenmagie „verrückt“ machte – da er nicht damit umgehen konnte. Und in diesem Zimmer lernt er es – das Umgehen mit dieser Magie.

Das hatte mich damals fasziniert (und ich habe die Bücher grade kürzlich nochmal aus der Bücherei ausgeliehen um sie nochmal zu lesen) – weil dieses Turmzimmer etwas ansprach in mir.

Ich fand nie den „sicheren“ Ort – den absolut sicheren Ort für mich – es gab den Ort der Ruhe und den Ort der Gefühle und der Ort, wo alles so sein darf wie es ist, es gab den Ort der Begegnung und den sicheren Ort – doch der war irgendwie nie ganz ideal (heute ist das übrigens meine Oase und ein wichtiger Bestandteil für mich). Bis ich das Turmzimmer fand.

Mittlerweile etabliert und sicher – und immer wieder mit der Erfahrung dass selbst Widersacher nicht rein können – gehe ich mit was auch immer an Gefühlen da rein – bleiben nur die Gefühle über, kein „darf nicht“ oder „stell dich nicht so an“ oder was den Widersachern sonst noch so einfällt – wie von selbst fallen die da einfach weg.

Trotzdem wird der Raum dosiert aufgesucht – beim EMDR ist er fester Bestandteil – wir beginnen dort und wir beenden es dort.

Und zur Zeit ist es auch der Ort der Arbeit, denn zu Hause um nur runterzufahren oder zur Ruhe zu kommen oder mich zu stabilisieren – nutze ich ihn nicht – das passt irgendwie dann nicht – dafür wird dafür die Oase dann genutzt – mit Erfolg.

Das Turmzimmer ist was ganz besonderes – und es passt sich immer dem an, was ich in dem Moment brauche – ohne dieses Zimmer, diesen Turm – könnte ich nicht in der Art an den Traumata arbeiten wie ich es jetzt mache – und ich schätze mein Thera könnte es auch nicht, denn mittlerweile ist dieses Turmzimmer auch für ihn in unserer Arbeit wichtig geworden (obwohl es für ihn vermutlich anders aussieht als für mich).

In diesen Raum darf niemand hinein – ausser mir – und vielleicht noch der Helfer, der weiss von selbst wann er darf und wann nicht.

Nachtrag vom 20. Januar 2012: mittlerweile ist der Raum etwas „aktiver“ – ich habe es hier genauer beschrieben. Als wäre das Turmzimmer der Helfer oder eine Gruppe von Helfern, die auch Namen haben und für best. Sachen zuständig sind.

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