Thera heute

Durch den Termin beim Urologen ausgelöst, war da eh schon recht viel Gefühlschaos da.

Als wäre dadurch wieder ein Stück davon angekommen, dass es damals einfach nur schlimm und entsetzlich war – und als würde da erst jetzt ein „darf auch schlimm empfunden werden“ dazukommen – wieder ein Stückchen mehr.

Entsprechen war einfach nur sehr viel Schmerz, Verzweiflung, Ohnmacht – die Gefühle die damals nicht sein durften. Dreieinhalb Jahrzehnte durften diese Gefühle nicht sein – und so besteht da ein ziemlicher „Nachholbedarf“.

Es ist ein Erkennen, dass dieses Kind von damals – nichts dafür konnte, dass es nicht darum ging, dass es keiner gesehen hat oder wusste, sondern dass es keiner sehen oder wissen wollte. Dafür wurde schöngeredet und Ausreden gefunden.

Daher geht es ums benennen – aber nicht nur im Kopf – es kommt auch im Gefühl an.

Die Intensität des Schmerzes, der Traurigkeit, der Verzweiflung – war kaum aushaltbar – es kam in Wellen – die manchmal schlicht einer Flutwelle glichen.

Wenn von ganz tief drinnen und unten das Schluchzen aufsteigt – in einer Intensität, die ein Atmen kaum noch möglich machen und es den Körper nur noch erbeben lässt – für mich ist das neu und beängstigend.

In der Thera gelingt es da einen Rahmen zu finden – die Sicherheit zu haben, darin nicht zu ertrinken, die Möglichkeit des „Zulassens“ – weil auch klar ist – da ist jemand, der mich da auch wieder rausholen kann (eigentlich ist es ja noch immer eher so, dass ich Mühe habe da „drin zu bleiben“).

Gestern sass ich da und merkte schon am Anfang, dass das Gefühl vom Donnerstag Abend – das nach dem ich beim Urologen raus bin und das Gesagte wirklich zu fassen bekam, mir die Auswirkungen klar wurden – der Schmerz, dass es einfach niemand interessiert hat, dass es nicht nur die Eltern waren, sondern auch dieser Arzt – vielleicht war es aber auch die „Betroffenheit“ des gestrigen Urologen – der da ganz authentisch war – und irgendwie auch nochmal als objektive Person zeigte: das was da passierte – ist nicht normal, das ist nicht in Ordnung, das ist im Gegenteil ganz ganz schlimm.

Vielleicht kam auch deshalb wieder ein Stück an – so dass das Kind von damals irgendwann auch glauben kann, dass es nicht selbst schuld war und nicht das Monster war und nichts weiteres tun hätte können.

Doch das tut auch weh – unsagbar, unglaublich weh.

Und damit muss ich erstmal umgehen lernen…

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