Theratermin heute oder „wie geht’s weiter?“

… löste durch sein „Tauziehen“ einiges aus. Verständigungsschwierigkeiten – wobei ich zunehmend das Gefühl habe, dass wir das Gleiche meinen und nur unterschiedlich formulieren, Begriffe anders definieren oder so.

Eigentlich das Gefühl, dass es noch nicht so „restlos“ geklärt ist, wir mehr „vermuten“ und „annehmen“ – dabei aber schon irgendwie „zusammenkamen“.

Der Haupt-Diskussionspunkt – nun ja – es geht mir immer noch darum, dass ein Gefühl sein darf. Ein Beispiel:

Als Kind in einer Missbrauch-Situation – da hörte ich nur ein „stell dich nicht so an“ oder „ist nicht schlimm“ oder was auch immer. Für das Kind war es aber schlimm – es hat weh getan und es war verzweifelt.

Doch da kam niemand der tröstet, der es in den Arm nimmt oder einfach da ist.

In solchen Situationen ist das Kind in mir immer noch überfordert  – es kann nicht  traurig sein, denn es ist ja nichts passiert warum es traurig sein könnte – das ist die Realität des Kindes.

Jetzt weiß ich heute als Erwachsene durchaus, dass da sehr viel Schlimmes passiert ist, dass es nichts „normales“ war und es sich nicht „angestellt hat“ usw – doch in der Situation sehe ich diese Realität nicht – da sehe ich nur die Realität von damals, die Bewertung der Eltern – eben das „ist nichts“.

Dazu kommt, dass Gefühle zeigen eh verboten war – und so sitzt da dieses Kind und weiß nicht was tun, es merkt, dass ganz viel ausgelöst wird, aber nicht was. Es sieht die Situation aus der Sicht der Eltern – und erfährt – durch die Therapie – dass es eben auch noch eine andere Bewertung gibt.

Das es Menschen gibt, die das nicht „normal“ finden oder „nicht schlimm“ – sondern die das ganz entsetzlich finden, unaussprechlich schlimm.

Lange Zeit durfte diese „Alternative“ gar nicht sein, mittlerweile durchaus – und das Kind schaut da eher „begehrlich“ drauf – denn diese Sicht der Situation entspricht eher dem, was in ihm so vorgeht.

Doch da ist Angst – so unglaublich große Angst, denn wenn es sich darauf einlässt – was wird das für Folgen haben?

– da sind die alten Folgen:

Bestrafung, weiterer Missbrauch, das kann das Überleben kosten – und zwar gleich doppelt, denn 1. als Folge dafür, dass das Kind ein Gefühl zeigt und 2. als Folge dafür, dass es das was die Eltern sagen in Frage zu stellen wagt

– aber auch die „neuen“ Folgen:

wenn ich akzeptiere, dass die Situation nicht „Kleinkram“ ist, sondern schlimm war – muss ich auch akzeptieren, dass es nicht nur meine Schuld war, kann ich die Eltern – tief in mir – nicht weiter entschuldigen, muss ich mich der Ohnmacht stellen und dem Ausgeliefert sein – und irgendwann auch der Trauer – dieser besch…. Kindheit.

Ich arbeite daran.

Nun ja – da ist also dieses Kind dass grade versucht herauszufinden, welcher Bewertung der Situation (die der Eltern oder die der „normalen“) stimmt – es versucht der Alternative zu vertrauen – doch das ist schwer – da ist die große Angst, wenn es sich darauf einlässt – und daran glaubt, dass es ihm wieder weggenommen wird – jemand oder etwas kommt, das sagt: ätschibätsch, doch selbst schuld, warst doch ein Monsterkind usw. Das könnte es nicht ertragen – das könnte ich nicht ertragen.

Ein Weltbild wird auf den Kopf gestellt.

Sich darauf einzulassen führt auch dazu, dass das Kind den Schmerz, die Verzweiflung, die Scham, die Traurigkeit, den Ekel und was weiß ich noch alles – fühlt.

Das ist der nächste Punkt – denn das Fühlen ist nicht so einfach erlaubt. Jahrzehntelang war es verboten, bei Strafe – es ging ums Überleben – und das ist so tief verankert, so automatisiert – so ist jedes Gefühl gekoppelt mit dem Kampf, dieses Gefühl zuzulassen.

Genau das ist der Kampf, der aktuell stattfindet – in der Therapie – das „fühlen dürfen“ und gleichzeitig auch das „was ist angemessen, welche Gefühle sind in so einer Situation normal“.

Tja – das war der Knackpunkt – der Thera meinte, dass ich ja den Trost nicht will, zulassen kann, glaube, dass es den gibt usw – nur beim Trost bin ich noch gar nicht – erstmal geht es mir darum das Gefühl wenigstens „sein“ zu lassen – ihm Raum zu geben, die Erlaubnis zu geben.

Während ich also um das Gefühl kämpf(t)e, kämpfte er um den Trost, da er für ihn zur Traurigkeit dazugehört.

Denn die Traurigkeit hat das Bedürfnis nach Trost – doch erstmal hat es für mich einfach nur das Bedürfnis „sein zu dürfen“.

Es geht also darum etwas zu finden um an die Gefühle ranzukommen und dann natürlich darum, dass diese auch „sein dürfen“.

Noch unklar ist das „wie“ – mal sehen was uns da am Freitag einfällt.

Dieser Beitrag wurde unter Grenzen, kleine Schritte, Leben, Psycho-Somatik, Therapie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.