Nachtgedanken II

Schlaf ist für mich was ganz wichtiges. Tagsüber komme ich schon klar, doch nachts will ich schlafen. Abgesehen davon dass ich die Ruhe auch brauche – weil ich bei weniger Schlaf sofort noch weniger leistungsfähig bin als eh schon – baut sich da recht schnell ein Druck auf. Alte Ängste, denn es gab viele Jahre, in denen ich höchstens 4 Stunden geschlafen hab – wie gesagt über Jahre, bis irgendwann der Zusammenbruch kam.

Unzählige Nachtdienste damals, aber auch in freien Nächten – ein 18 – 20-Stunden-Arbeitstag, der typische Workaholic halt. Bloß keine Zeit nachzudenken – mich mit mir zu beschäftigen – denn dann würde ich zusammenklappen. Es war meine Flucht – vor mir, meinem Leben, meinen Eltern, meiner Vergangenheit – und meinem Versagen, weil ich immer weniger die Rolle ausfüllen konnte, die die Mutter für mich vorsah. Viel gearbeitet, in der Schule versagt – aber im Job war ich gut – meinem Alter immer weit voraus und meisterte auch Arbeiten, die dem Alter gar nicht angemessen waren mit Bravur. Da bekam ich Anerkennung ohne Ende, dafür aber auch Arbeiten, die aus heutiger Sicht – zuviel waren.

Nicht umsonst gibt es Altesvorgaben für die Arbeit in der Sterbebegleitung zum Beispiel – doch ich schlitterte da rein und fühlte mich damals dem gewachsen. Auch heute sage ich noch, dass diese Zeit mir mehr gegeben als genommen hat – und doch ist mir auch klar, dass ich einfach zu jung war.

Dann kam die Rettung dazu und unzählige Schichten, die ich zusätzlich gemacht habe – oft einfach nur, damit ich nicht zu Hause bei den Eltern sein musste.

Hauptsächlich aber war es die Flucht vor mir selbst – durch viele Jobs (gerne auch mal 5 gleichzeitig – natürlich neben „Haupberuf“ Schule), war ich nur noch wenige Stunden im Bett.

Viele Jahre waren Schlafstörungen an der Tagesordnung – bis ich mit dem Skillstraining begann. Oft verflucht und verhasst – doch irgendwann merkte ich, dass sich das Schlafen verbesserte. Und ich fand heraus, dass ich mindestens 2 Stunden ohne Computer, Fernseher und Co brauche – um so weit runterfahren zu können, dass ich eben auch einschlafen kann. Lange brauchte ich dann leise Musik dabei – sehr leise, denn die Stille machte mich eher wahnsinnig – oder Entspannungsübungen.

Lange Zeit habe ich ja auch Unmengen an Medikamenten genommen – so richtig viel und auch unverantworlich viel (nur als Beispiel: 600mg Neurocil plus weitere 150 bei Bedarf – pro Tag versteht sich, aber auch Haldol, Tavor und Co) – doch das Ergebnis war nur, dass der Körper zwar „lahmgelegt“ war, jede Bewegung anstrengend und schwer auszuführen, doch mein Geist war wach und die Gedanken jagten durch die Gegend. Damals ging es mehr darum den Körper „lahmzulegen“ – denn dann konnte ich nichts machen um mir zu schaden, mich zu verletzen (wobei das ging trotzdem) oder mich umzubringen. Es war grauenhaft – ich war gefangen in einem Körper, der nicht oder nur sehr stark verlangsamt reagierte, während die Gedanken übersprudelten). Im Endeffekt so lange, bis der Körper streikte. Ein Arztwechsel (weg vom Neurologen der zum einen diese verantwortungslose Dosis verordnete und gleichzeitig nicht darauf achtete, dass es nicht noch mehr wird – was es natürlich dann auch wurde, weil es mir schlicht besch….. ging) und die Hilfe eines Homöopathen (dem ich damals mit sehr viel Skepsis begegnet bin – altes Schulmedizin-Kind halt) machten es möglich zum einen von den vielen Medikamenten wegzukommen (40 Tabletten am Tag mussten auch erstmal geschluckt werden).

Sicher habe ich unter den Medis mehr geschlafen als die 4 Stunden am Tag – es war dennoch zu wenig.

Dann – etwa ein gutes halbes Jahr nach Beginn des Skillstrainings klappte es ziemlich gut – bis das Problem in der alten Wohnung auftrat. Seroquel in niedriger Dosierung (damals glaub ich 100 oder 150 mg – später mit 50mg – die sind es bis heute noch) halfen, später auch zeitweise Stilnox, doch immer nur ab und an. Nur im Krankenhaus war es täglich, denn dort konnte ich immer schlecht schlafen – bei der ersten Station, weil das einfach eine „Horrorstation“ war, bei der zweiten, da Zweibett-Zimmer und mich da die Angst nachts vom Schlafen abhielt. Aus dem Krankenhaus entlassen blieb es als Bedarfsmedikation und das ist es bis heute – wobei sie heute höchstens 1-2 Mal im Monat eingesetzt werden. Oft sogar monatelang gar nicht.

Bis vor wenigen Wochen war das Schlafen damit in Ordnung  – es gab immer wieder mal ein paar Tage wo es schlechter klappte (vor allem zu Vollmond-Zeiten), doch so im Großen und Ganzen klappte es. Bewusst ist es mir etwa seit Silvester – mag sein dass es ein paar Wochen länger schon ist, vielleicht auch erst etwas später – anfangs noch auf Mond und Hormone geschoben, ist es noch nicht so lange her, vielleicht ein oder zwei Wochen, dass ich mir eingestehen muss, dass da mehr dahinter steckt.

Und fehlender Schlaf macht deutlich weniger leistungsfähig – da bekomme ich viel weniger hin und bin auch unausgeglichener.

Heute war mir erst zu kalt, dann zu heiß, so dass ich jetzt schon über eine halbe Stunde das Fenster weit aufgerissen habe (bei -4 Grad draußen) – und immer noch das Gefühl der Hitze in mir habe (da freu ich mich schon auf die Heizrechnung, denn im Schlafzimmer ist sie zwar aus, im Wohnzimmer jedoch nicht und die Tür kann ich wegen der Katzen nicht zumachen).

Es wäre ja noch in Ordnung, wenn ich nicht so müde wäre – aber mir fallen fast die Augen zu. Doch sobald ich mich hinlege oder das Licht ausmache, bin ich wieder wach und wälze mich im Bett herum. Bequem ist das eh nie – die Schmerzen sind da immer da – doch es sind nicht die Schmerzen die mich abhalten.

Auch kein Grübeln oder so – mehr ein Missmut, weil ich nicht Schlafen kann. Dann mach ich das Licht an und lese noch etwas – bis mir wieder die Augen fast zufallen und ich vor Müdigkeit kaum was mitkriege – doch hinlegen macht wieder wach.

Also hol ich den Computer um mir den Frust von der Seele zu schreiben und hoffe, dass ich jetzt dann bald schlafen kann (dabei würd ich grad am liebsten das Fenster auflassen – wohl wissend, dass ich dann – wenn ich endlich eingeschlafen bin – wegen der Kälte wach werde oder sonst nachts aufstehen müsste es wieder zuzumachen – gekippte Fenster gibt es hier nicht – das ist für Katzen eine Todesfalle).

Vielleicht sollte ich mich draußen in den Schnee legen – dann bin ich sicher wieder froh um ein warmes Bett.

Ich bin unleidlich wenn ich nicht genug Schlaf bekomme – ungeduldig und – ja – schlicht unleidlich. Und das bin ich in letzter Zeit viel zu oft.

Dieser Beitrag wurde unter Leben, Psycho-Somatik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.