Nachtgedanken I

Wiedereinmal kann ich nicht schlafen – und merke, wie sich eine Verzweiflung breit macht.

Dabei: was ist so schlimm, noch nicht zu schlafen – es ist grade mal 10 Uhr abends?

Morgen muss ich nicht aufstehen – auch nichts tun – so dass es nicht das Problem wäre – und doch macht es mir zu schaffen.

Denn müde bin ich durchaus – sehr sogar.

Manchmal denk ich, dass ich zu viel Fantasy lese – aktuell die Cheysuli-Romane von Jennifer Roberson. Der erste war noch schwierig – ich kam nicht recht rein, dann gab es eine Pause und 2. und 3. Band – da war irgendwas – keine Ahnung was – etwas das mich fesselte – und es war nicht so sehr die Geschichte an sich. Vielleicht die Figuren die darin vor kommen.

Jetzt beim letzten Band kommt ein „wiederholt sich alles schon wieder“ – obwohl ich nur den Klappentext gelesen hab – und doch ist da etwas – was mich in seinen Bann zieht.

Dann ist da noch dieses Gefühl, dass ich etwas verloren habe – nicht meine Kindheit oder so – mehr aktuell. Mir fehlt da ein Zugang – das Gefühl dass ich „unvollständig“ bin – und es drängen sich Vergleiche auf – zu den Büchern die ich grad lese.

Dabei denke ich, dass die nur etwas deutlich machen – zur Zeit blockt etwas in mir – blendet auch die Gefühle aus – und das hinterlässt eben dieses Gefühl der Unvollständigkeit.

Möglicherweise trifft mich das so sehr, weil ich das von früher kenne – Gefühle waren mir fremd. Ich bekam etwas geschenkt und dann lief in meinem Kopf folgendes ab: ich hab etwas geschenkt bekommen, bei Geschenken muss man sich freuen, also muss ich mich freuen und Freude zeigt man so und so“.

Das lief ganz automatisch ab – und auch sehr schnell – dennoch fassbar und greifbar und „denkbar“ – mir war es bewusst – das war das was für mich ein Gefühl darstellte – die Gedankenabläufe im Kopf die dann so weit gingen, dass ich vom Kopf her den „Befehl“ gab die Mundwinkel hochzuziehen und zu lächeln, dieses oder jenes zu sagen, tun usw.

Selbst Angst nahm ich kaum wahr – wobei Angst eines der ersten Gefühle war, die ich dann auch fühlte. Doch anfangs konnte ich Gefühle nur über Körperreaktionen ablesen: wenn der Körper erstarrte und ich mich nicht mehr rühren konnte – war da Angst.

Es ist noch nicht so lange her – ich war schon über 30, als ich ein Gefühl das erste Mal „fühlte“ – Angst „fühlte“ – und lange war es auch nur Angst. Meine Panikattacken hielten mich von vielem ab – aber wirklich als Angst wahrnehmen, fühlen, war neu.

Dann kam die Verzweiflung als Gefühl – grade in der alten Wohnung damals – und die war oft überwältigend. Erst die letzten 4 Jahre etwa kenne ich dieses „Fühlen“.

Bis dahin waren die Gefühle auch da – aber ich konnte sie nur an Körperwahrnehmungen ablesen (oder an dem Lied das mir in dem Moment durch den Kopf ging, wie ich vor ca 15 Jahren mal feststellte) – ich musste sie erst „kennenlernen“ und das wiederum lief erstmal über Kopf und Verstand.

Das Fühlen war auch viel zu gefährlich. Doch die letzten Wochen habe ich „gefühlt“ und konnte es auch zulassen. Deshalb trifft es mich ja so, dass es jetzt wieder anders ist.

Es gibt wieder einen – für mich so wichtigen – Teil – zu dem ich keinen Zugang finde – das „Fühlen“ – und so fühlte ich mich als wäre mir ein Teil entrissen worden, als wäre ich nur zur Hälfte da.

Da nützt es nichts zu wissen, dass das Schutzmechanismen sind, dass die sicher ihren Grund und ihre Berechtigung haben usw – das mag alles sein – und dennoch fühle ich mich „unvollständig“.

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