Skillstraining III

Ja – warum ist es so schwer sich was Gutes zu tun?

Die meisten Menschen mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung (oder Menschen mit wiederholten Traumatisierungen) haben ein Problem mit dem Selbstbild.

Viele hassen sich – und zwar so richtig – das ist nicht nur eine leichte Abneigung – nein oft tiefsitzender Hass. Auch der Selbstwert ist eher nicht vorhanden.

Wir mögen uns also nicht – und verstehen auch nicht warum es anderen anders gehen sollte – denn wir sind ja quasi das Letzte, weniger Wert als der Dreck unter den Fingernägeln.

Und dann bekommen wir zur Aufgabe uns was Gutes zu tun.

Tja – stell dir also einfach vor, du musst deinem ärgsten Hass-Feind etwas Gutes tun – und zwar nicht nur einmalig, nein immer und immer wieder – und noch dazu mit Freude!

Du weißt nicht was ihm Freude macht – und musst daher verschiedenes ausprobieren – immer mit dem Hintergrund, dass du das gerne machst.

So geht es uns – wir müssen jemand Gutes tun, den wir abgrundtief hassen und außerdem jemanden, der es – in unseren Augen – ja so gar nicht wert ist.

Mit diesem Hintergrund ist auch verständlich, dass man sich auch die Grundvoraussetzung hart erarbeiten muss – und nicht nur finden.

Nur das hatte mir ja niemand gesagt.

Vielleicht macht das aber auch Außenstehenden klar, dass das SkillsFertigkeitstraining für Betroffene wirklich harte Arbeit ist – und statt dem Genießen können grade anfangs eher Frust bringt.

Ich habe über 3 Jahre gebraucht – heute ist es – Gott sei Dank – so, dass ich nur noch selten gezieltes Fertigkeitstraining machen muss, da ich jede Menge SkillsFertigkeiten habe, die auch mittlerweile wirklich so automatisiert sind, dass sie gut greifen. Nicht zuletzt, da ich die letzten 2 Jahre Training unter katastrophalen Umständen (alte Wohnung) machen musste. Kein Wunder dass das heute dann sehr gut klappt.

Auch wenn ich heute meine „Auszeiten“ durchaus auch mal genießen kann, ist es auch heute noch so, dass es oft anstrengend ist. Weniger wegen dem „gut tun“ – sondern weil es für mich nicht nur Entspannung ist – wenn ich nicht dafür sorge, dass ich genug Ruhezeiten habe, geht es mir sehr schnell sehr schlecht.

Je nachdem was ansteht – wie aktuell die Traumaexpositionen – brauche ich mehr Zeit für mich, mehr Zeit, die ich dafür verwenden muss – egal ob ich lieber etwas anderes tun würde – ob ich lieber in die Stadt fahren oder zum Schwimmen gehen, mich lieber mit Freunden treffen oder rausgehen würde – ich weiß jetzt was mir gut tut – und muss da auch noch auf die Grenzen meines Körpers achten – und ganz ehrlich – mir stinkt es noch heute so manchmal, dass ich nicht das machen kann was ich will, sondern das machen muss, was mir die nötige Ruhe – und damit den nötigen Ausgleich – bringt.

Ich weiß nicht, ob das „sich Gutes tun“ – irgendwann wirklich mal nur mit Genuss verbunden wird – für mich ist es immer auch Arbeit – es fällt mir – grade wenn es nicht so gut geht – auch heute noch schwer – weil auch da dann dieses „ich muss meinem Hass-Feind“ was Gutes tun – und zwar mit Freude.

Trotzdem ist das heute kein Vergleich zu damals – einfach weil ich merke, dass die Fertigkeiten, wenn sie denn erstmal erarbeitet und geübt sind und „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind, der Grundstein sind – der Grundstein für die Stabilität in meinem Leben – ohne die ich nicht Leben würde, sondern nur grade so irgendwie Überleben.

Skillstraining Teil 1

Skillstraining Teil 2

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