Erinnerungen

Die letzten Wochen war es ja mehr eine bestimmte Missbrauchs-Situation – was aber schon letzte Woche deutlich nachgelassen hatte (gut so!) und diese Woche eigentlich weg ist.

Aber gefühlsmäßig tut sich einiges – zum einen bin ich „weinerlicher“ – nicht im Sinne von Tränen, die fließen, aber doch das Gefühl, dass sie gern fließen würden – wie es scheint gerne auch ohne ersichtlichen Grund.

Gefühlsmäßig bin ich mit dieser Situation noch lange nicht durch – da hab ich grad erst angefangen und das merke ich auch.

Es sind mehr die „Folgen“, die mir das klar machen: weniger Geduld allgemein, werde schneller wütend, hab schneller das Gefühl des „zu viel“, gefühlsbetonter – es lässt sich schneller was auslösen – wobei sich das in der Regel auf Traurigkeit beschränkt – oder auch das eben erwähnte „zu viel“.

Im Kopf schwirrt ja auch schon länger herum, dass ich gerne mit einem Urologen oder einer Pflegekraft mit Erfahrung in der Urologie sprechen möchte – das war ja sozusagen mein 2. Zuhause – und ich brauche da für mich eine Art „Realitätscheck“.

Natürlich kann mir kein Arzt sagen was damals war oder wie ein Arzt da reingeraten kann – es geht mir auch mehr um fachliche Klärung – wie laufen best. Untersuchungen ab usw. Es gibt ein paar Sachen die für mich da nicht klar sind – wie auch zum Beispiel die Frage, wie es sein kann, dass ich jede Woche kathedrisiert werde – und niemand den Missbrauch „sieht“.

Das ist nicht mal als Vorwurf gedacht – damals dachte man weder daran, dass die Mutter das eigene Kind krank macht und manipuliert, noch an Missbrauch durch die Eltern.

Es gibt ein paar Erinnerungen, wo Auffälligkeiten angesprochen wurden (von Pflegepersonal- oder Arztseite) – oder auch dass meine Mutter Termine mal abgesagt hatte, mit der Begründung ich sei krank usw.

Und ich weiß ja auch, dass meine Mutter gut darin war, Sachen zu erklären usw.

Von daher geht es mir mehr darum, die Situation zu entwirren, die Position meiner Mutter klarer zu bekommen – und dazu brauche ich die Aussagen von jemand unbeteiligten, der das aus seinem Berufsalltag beantworten kann – sagen kann, wie das halt „normalerweise“ so ist, wie die Abläufe sind und auch wie „berufsblind“ man da ist (so wird der Urologe den eingewachsenen Zehennagel am Fuß schlicht nicht mitbekommen, wenn er nicht mit der Nase drauf gestoßen wird).

Nun ist es aber so, dass ein Besuch beim Urologen – nun ja – äußerst problematisch ist – weil es viel zu viel auslöst.

Ich hatte welche angeschrieben (übers Internet gefunden) – aber bisher keine Antwort bekommen. Daher überlege ich, ob ich es doch wagen sollte – und zwar ähnlich wie damals mit dem Gynäkologen:

schon im Vorfeld sagen, dass es nur ein Beratungsgespräch ist, dass es eine sehr schwierige Situation für mich ist und daher ein gewisses Einfühlungsvermögen von Nöten – außerdem eine gewisse Zeit (schätzungsweise 15 Minuten, denn wenn, dann würd ich auch gern alle Fragen los werden) und auch die äußeren Rahmenbedingungen eher ruhig sein müssten – also kein warten im Wartezimmer (sondern eher im Treppenhaus – jedenfalls irgendwo, wo es keine Leute gibt und nicht regnet und friert) und dem Wissen des Arztes, dass es für mich auch sehr schwierig ist, dann die Sachen zu benennen – bzw, dass es sein kann, dass ich in Panik gerate oder dissoziiere (und was er dann tun soll)

Heute hab ich an einen Arzt vor Ort eine mail geschickt (bzw. an die Praxis) – mit grober Anfrage ob man sich das vorstellen könne – mal sehen ob da eine Antwort kommt.

Doch ob ich das dann schaffe – mit dem Termin – ist fraglich.

Die wichtigste Frage ist in 3 Minuten geklärt – doch ich brauche für mich da die Antwort eines Urologen oder von jemand der in der Urologie arbeitet (und eben pflegerische Tätigkeiten dort auch am Patienten verrichtet) – oder dies zumindest gemacht hat – denn um das zu klären brauche ich jemand, der die nötigen Erfahrungswerte dazu hat.

Meine Mutter rückt wieder etwas in den Vordergrund – das ist mir ja schon Anfang Jänner aufgefallen und ich schob es auf ihren Geburtstag – doch je mehr ich mit den Gefühlen zu tun habe, desto mehr mischt sie mit rein.

Noch ist unklar ob es an den Gefühlen an sich liegt – oder an dem, was aktuell im Vordergrund steht: Schmerz, Allein-gelassen-fühlen, Traurigkeit.

Denn vielleicht ist es auch „nur“ so, dass sie mehr reinmischt, weil man als Kind sich grade bei diesen Gefühlen ja normalerweise den Trost der Mutter wünscht.

Die Frage des „wo war sie?“ – stellt sich mir nicht wirklich – denn sie war da, sie hat es zugelassen, hat es gewusst, hat es teilweise initiiert – das „warum?“ – nun ja – sie war krank, das „warum ich“ – hat sich halt einfach so ergeben (zumindest was die Krankenhausaufenthalte angeht).

Aber vielleicht keimt so ein erstes Sehnen auf, nach der „idealen Mutter“ – nach einer, die sich kümmert, der man etwas bedeutet, die für einen kämpft.

Ich sehe eine Bekannte, die sich um ihren Sohn sorgt – und merke ein „aha – so ist das also ’normal'“, sehe eine Frau, die ihr Kind in den Arm nimmt, nachdem es hingefallen ist – und denke „ah – so kann man also reagieren“.

Das alles scheint so fremd.

Dabei hab ich selbst Kinder betreut und die auch getröstet, in den Arm genommen oder sonst wohlgesonnen reagiert – da war kein Denken im Weg – ich hab einfach gehandelt – und ich denke das war auch richtig so – und gut.

Und doch nehme ich das irgendwie „befremdet“ auf – bringe es nicht „zusammen“ – dieses selbst ja „normale“ Reagieren und das was ich erlebt habe.

Der Arzt wurde von meiner Mutter als „Kindesmisshandler“ missbraucht. Er war ein Arzt der „alten Schule“ – noch der „Gott in Weiß“ (und er war superklein!) – der deshalb nie wirklich antworten wollte („hab nichts gemerkt , nur dass die Mutter halt sehr fürsorglich war, keine Behandlungen richtig erfolgreich waren, während stationärer Aufenthalte ein Aufblühen deutlich war“).

Auf Fragen hatte meine Mutter immer Antworten parat – glaubhafte, die Sinn machten. Sie war gut.

Mir geht es nicht darum den Arzt anzuklagen – er wäre nie da raus gekommen – aber ich muss wissen, wie die Realität da ist – was kann ein Arzt mitkriegen, was müsste er mitkriegen, was kann er gar nicht mitkriegen – das kann mir nur einer sagen, der das im Berufsalltag erfährt.

Dieser Beitrag wurde unter Leben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.