lang – gestern

Da ich gestern schlicht keine Zeit hatte und abends völlig erledigt war, möchte ich für mich da heute nochmal genauer schauen was gestern so war. Vor allem den Therapietermin möchte ich versuchen genauer zu „dokumentieren“ – denn ich fürchte, das was da alles passierte, ist bei dem ganzen Trubel des Tages etwas untergegangen.

Dabei hab ich das Gefühl, dass da etwas ganz wichtiges „passiert“ ist.

Es ging wieder darum den Gefühlen Raum zu geben, die diese Situation auslöst. Die letzten Wochen war es so, dass die Situation an sich im Vordergrund stand, dass ich erstmal damit klar kommen musste – das löste mehr Fassungslosigkeit aus – und die Körpererinnerungen waren einfach vorherrschend.

Schon letzte Woche merkte ich, dass sich das langsam ändert und jetzt dann die Zeit da ist, sich mehr den Gefühlen zuzuwenden – dass es einfach auch jetzt eher möglich ist.

Bisher war ja – egal bei welchen Gefühlen – so, dass ich hauptsächlich mit dem inneren „darf nicht“ zu kämpfen hatte – also dem Zulassen an sich.

Das ist ganz tief in mir verankert, denn als Kind war jede Gefühlsäußerung schlicht gefährlich und hatten „unangenehme“ Konsequenzen zur Folge

So war es wichtig für die Gefühle einen Raum zu schaffen, in denen sie einfach auch sein dürfen – ohne Angst vor Konsequenzen. Doch diese Angst sitzt tief und lässt sich nicht so einfach abstreifen, sie war überlebensnotwendig – jahrzehntelang.

Von daher lief das immer so „zweigeteilt“ – einerseits ging es um das Gefühl um dessen Zulassen wir grad kämpften, andererseits aber eben immer um diesen Kampf gegen die Angst, gegen die ganzen Stimmen in mir – Stimmen der Eltern, Stimmen der Geister der Vergangenheit.

Ein Zulassen des Gefühls war so immer nur teilweise möglich.

Gestern war es dann plötzlich – und für mich unerwartet – so, dass es recht bald nur um das Gefühl ging – den Schmerz.

Der Schmerz kam mit solch einer Intensität, dass ich das erstmal abbrechen musste, da ich es nicht mehr aushalten konnte.

Es ist jetzt nicht neu – der Schmerz war auch die letzten Wochen vorherrschend, doch da war er von der Intensität wo, dass ich gar nicht recht ins „fühlen“ kam, sondern gleich in diese Fassungslosigkeit und – ja – gefühlsmäßige Erstarrung.

Die Tränen flossen und auch beim Abbruch des EMDR – flossen sie weiter – und das wiederum ist ganz neu.

Denn Tränen sind für mich noch gefährlicher als Gefühle (auch bekannt warum) und da reagiert der Körper normalerweise sofort mit einem Stopp.

Gestern nicht – der Schmerz war einfach überlagernd – da hatte die Angst oder auch das „darf nicht“ gar keine Chance mehr.

Von daher war das Zulassen „ein voller Erfolg“ – aber es war auch sehr intensiv – und ging auch sehr deutlich mehrfach an die Grenze des aushaltbaren.

Der Thera hatte nach mir keinen Termin, so dass er das auch gut abfangen konnte, er hatte Zeit und wir konnten das wieder in Bahnen lenken, die das ganze dann auch zu einem „runden“ und ruhigem Abschluss kommen lies.

Es war ein sehr sehr intensiver und auch heftiger Termin, aber auch mit einer für mich sehr wertvollen Erfahrung – wieder ein Stück Weg geschafft.

Dabei ist mir durchaus klar, dass das auch eine erstmal einmalige Sache war, weil das Gefühl alles andere überwog – aber es ist eine Erfahrung die mir deutlicher machte, wo ich hin will – das Gefühl wirklich zulassen können, ihm Raum geben und das ohne Angst vor Konsequenzen.

Es ist eine Sache das als Ziel zu formulieren aber nicht wirklich zu wissen wie das ist – oder es auch einmal „gefühlt“ zu haben.

Zum restlichen Tag: das Einkaufen fand ich deutlich anstrengender und merkte so, dass es für mich einfach auch schwieriger ist, als es auch schon mal war. Ich bin von dem Überangebot einfach überfordert – da steh ich im Laden und all die Geräusche und Farben, dieses Licht – ich seh dann kaum noch was – und muss mich total konzentrieren um dann das zu finden, was ich kaufen will.

Das klappt gut mit einem genauen Einkaufszettel – da steht nicht nur Joghurt drauf, sondern klar welche Marke und Sorte, mit Einzelpreis und Gesamtpreis – so dass mein Einkauf – vom Gemüse und Obst abgesehen – auf den Cent genau geplant ist. So kann ich mich darauf konzentrieren dieses Teil zu finden. Wenn da nur Joghurt steht – sehe ich eine Wand verschiedener Joghurts und finde keines – das ist einfach zu viel – das bekomme ich nicht hin.

Dann sind da ja auch noch die vielen Menschen und auch die Rechnerei, da ich ja auch mit dem Geld hinkommen muss. Mein Einkauf ist auch immer mit Taschenrechner – ich rechne mit was in den Einkaufswagen kommt – auch auf den Cent genau.

Das wurde gestern deutlich: ich hatte alles genau aufgeschrieben, bis auf Haarspülung oder –kur. Da stand ich also dann mit dem Betreuer vor dem Regal (und dann war das auch noch nicht nach Shampoo, Spülung und Kur sortiert, sondern immer alles drei von einer Marke an einer Stelle) – und war schlicht überfordert. Im Endeffekt hab ich dann irgendwas Billiges genommen – für mich ist das immer so ein umgedrehtes: ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Bei mir ist es – ich seh den Baum vor lauter Wald nicht.

Der Gebetskreis war sehr schön – der Gottesdienst davor für mich erst eher mühsam, weil ich einfach so müde war. Doch die Predigt war gestern auch so passend für mich – es ging um Gelassenheit, Geduld und Gottvertrauen.

Wir waren beim Gebetskreis nur zu dritt, doch es war sehr nett, anfangs etwas schleppend, weil wir alle ziemlich geschafft waren, doch dann ganz gut.

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