Arztbesuche IV – der Neurologe/Psychiater

Aufgrund der Anfälle brauchte ich einen Neurologen, wegen des ganzen Psycho-Krams einen Psychiater. Letzteres ist bei mir unabhängig vom Therapeuten, da das anfangs nicht über die Institutsambulanz ging, dann war ich da schon bei einem und blieb da.

Der erste hat mich mit Medikamenten vollgestopft – und zwar richtig – Neurocil und Haldol in Mengen, die kaum noch vertretbar waren, Tavor immerhin mit Warnhinweis und gleichzeitig einem „nehmen sie ruhig“. Bis ich bei Mengen war, die eben nicht mehr vertretbar waren. Doch immer weiter brav vom Arzt verodnet. Außer den Medikamenten bewies er keinerlei Gespür – denn ihm reichte eine „Posttraumatische Belastungsstörung“ nicht – nein er wollte genau wissen was damals war und wie und überhaupt (beim ersten Termin – innerhalb der ersten 5 Minuten) – logisch dass ich da eher durchdrehte.

Trotzdem – einen anderen Arzt aufsuchen hätte ich gar nicht geschafft – und wenigstens bekam ich meine Medis. Irgendwann meinte er nur, dass mir eh nicht zu helfen sei und daher eh egal wie viel er mir verordnet (wortwörtlich)

Also wechselte ich. Ob der Massen an Medis (und meiner Bitte, dass ich da unbedingt reduzieren möchte und deshalb jemanden suche, der da mitmacht, da der letzte Arzt eben eher wahllos verordnet hätte) war der nächste nach 5 Minuten überzeugt, dass ich ja nur ein Suchtproblem hätte(und deshalb den Arzt wechsle um mehr „Stoff“ zu kriegen) und das würde ich ja damit beweisen, dass ich das leugne (dieser Arzt sollte dann ein halbes Jahr später ein Gutachten über mich erstellen, trotz Rücksprache mit behandelndem Arzt und Therapeuten dass das eben nicht geht, weil es zu einer Retraumatisierung führen würde – schrieb er damals dann nur, dass ich mich geweigert hätte zum Termin zu erscheinen).

Diesmal schaffe ich es eben erst gar nicht nochmal da hin zu gehen und mir gleich einen anderen zu suchen.

Beim dritten bin ich heute noch. Jetzt gut 10 Jahre. Er hörte sich alles an, war erschüttert ob der Medis (und sagte das auch) – verstand aber auch dass ich reduzieren möchte und muss und war bereit das mit den Medis allein zu übernehmen (ich bat darum, dass bis das alles wieder in „normalen“ Bahnen läuft, sämtliche Medikamente von einem Arzt verordnet würden – damit eben auch nicht die Möglichkeit entsteht, sich das Rezept bei mehreren zu holen – ich brauchte für mich da Absicherungen, denn mir war durchaus klar, dass ich durchaus eine Suchtproblematik hatte – nur war es eben nicht die Sucht, die mein Hauptproblem war, nicht das Beschaffen von Medis, sondern eben ein entsprechendes Reduzieren – ich hatte ja immer nur das genommen, was mir vom Arzt verordnet wurde).

Auch hier brauchte es ein Kennenlernen – heute vertraut er mir und ich ihm . Medikamente waren übrigens nach einem halben Jahr nur noch am Rande Thema – den mit klaren Ansagen und Richtlinien war das alles kein Problem. Das Tavor blieb als Bedarfsmedikation noch eine Weile erhalten – aber auch hier mit bis zu dreimal die Woche 2 mg und alles darüber hinaus nur nach Absprache dann außerhalb einer Suchtgefährdung.

Das Halten an Absprachen war nie ein Problem. Das merkte dann auch der Arzt recht schnell. Auch er stellte irgendwann fest, dass ich mich nur melde wenn es mir sehr schlecht geht und so gab es bald die Order, dass bei einem Anruf von mir er unverzüglich verständigt werden soll und dann abklärt ob er sich eben gleich zurückmeldet oder innerhalb der nächsten Stunden.

Irgendwann konnte ich das auch sagen wenn es sehr eilte (weil es grade sehr akut war und ich eine klare Ansage brauchte) – bzw. es reichte dann wenn ich wusste er meldet sich eben dann nach der Sprechstunde.

Die Anfälle sind heute Geschichte – damals war das auch für ihn neu, da ich (wie generell) hohe Dosen brauchte um einen stabilen Medikamentenspiegel im Blut zu erhalten.

Doch ich hatte bei ihm nie das Gefühl, dass er mir nicht glaubt oder mich nicht ernst nimmt! Auch wenn er sagte, dass er sich das nicht erklären kann oder ähnliches – ernst genommen hat er mich immer.

Heute nehm ich kaum noch Medikamente – ich brauch sie nicht mehr. Ich seh ihn einmal im Quartal und auch das reicht (kurz auf neuesten Stand bringen und das Rezept abholen). Er weiß ich melde mich wenn es brennt und ich weiß, dass ich mich jederzeit melden kann.

Zwischen uns herrscht Vertrauen und Wertschätzung. Das erleichtert die Zusammenarbeit sehr.

Anfangs bedurfte es dafür mehr Zeit – das war damals auch noch möglich. In der heutigen Zeit ist es deutlich schwieriger da einen Arzt zu finden, der bereit ist, sich darauf auch einzulassen – denn heute haben sie diese Zeit einfach nicht mehr.

Das macht die Suche nach Ärzten schwieriger – aber nicht unmöglich – für mich aber um so wichtiger da eben im Vorfeld genau zu schauen.

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