Arztbesuche II – Grundlagen

Generell versuche ich den ersten Termin zu machen bevor er nötig ist – sprich anzurufen, zu sagen, dass ich den Arzt kennenlernen will, ein etwas kompliziertere Fall bin und daher etwas mehr Zeit nötig wäre, es aber aktuell keine Beschwerden gibt.
Dann kann das Praxisteam entsprechend planen – klappt fast überalle.

Ich nehme einen Zettel mit auf dem das Wichtigste notiert ist:

– Diagnosen
– was für Probleme der Arztbesuch mit sich bringt wie

  • große Probleme angefasst zu werden
  • große Probleme mich zu entkleiden
  • große Probleme über den Körper zu sprechen, Körperteile zu benennen
  • große Probleme der Körperwahrnehmung allgemein
  • im speziellen: Schmerzen werden nicht oder verzerrt wahrgenommen, können keinem Ort zugeordnet werden oder als stechend, dumpf oder sonst was definiert
  • Blutdruck wird wegen Panik immer zu hoch sein (Blutdruck ist bei mir sonst eher niedrig)
  • Puls ebenfalls
  • Blutentnahme nur am Handrücken möglich (da Armbeuge erstens nichts zu finden ist und zweitens deutlich mehr Panik auslöst – was noch weniger finden lässt)
  • Blutentnahme nur nach Ankündigung (muss mich drauf einstellen können)
  • Verweigern von Untersuchungen kein „ich will nicht“ ist – sondern schlicht ein nicht können
  • generell ich gerne mit ihm zusammenarbeiten will, aber eben darauf achten muss, was auch geht

– Infos für den Notfall

  • wie äußert er sich (damals bei mir in einem Erstarren, nicht mehr Reagieren können)
  • was kann/soll er tun (mich auf keinen Fall anfassen!, am besten einfach in Ruhe lassen – wenn es sich nicht bessert den Therapeuten ans Telefon holen)

– generell Hinweise für ihn – also eine Art „Bedienungsanleitung“ für mich

  • anfassen nur nach Absprache und zwar nur nach ausdrücklichem Ok von mir
  • genau erklären was er wie untersuchen möchte mit Erläuterung aller Alternativen
  • Erklären der Folgen wenn es eben nicht geht
  • die Entscheidung bei mir lassen – er kann vorschlagen, aber nicht drängen
  • mir für die Entscheidung die nötigen Infos liefern, auf Fragen antworten, nachfragen ob ich alles verstanden habe oder noch Fragen habe
  • bei Untersuchungen ganz genau an Absprachen halten – und zwar peinlichst genau – im Zweifel lieber nochmal abklären
  • dafür sorgen, dass niemand in der Zeit in den Raum kommt (auch keine Sprechstundenhilfe!) – für mich war das immer wichtig, dass da niemand reinkommt, für andere ist z.Bsp wichtig, dass eine weibl. Person immer mit bei ist
  • ernst nehmen – gegenseitig – also wenn er mit etwas ein Problem hat das auch ansprechen, eventuell nachfragen wenn er etwas nicht nachvollziehen kann oder versteht
  • wenn ich einer Untersuchung nicht zustimmen kann, versuchen mit mir gemeinsam einen Weg zu finden wie es doch möglich wäre (z.Bsp beim Röntgen könnte man das T-Shirt anlassen oder ähnliches) – also klären – was genau ist da schwierig und schauen ob es eine Alternative gibt (denn dazu muss man eben wissen, dass z.Bsp beim Röntgen Baumwollstoffe nicht stören)

bei mir gehört auch mit rein, dass ich eben wegen der Harnwegsinfekte nicht in der Lage bin das beim Urologen zu klären oder jedes Mal Antibiotika zu nehmen, es für best. Situationen Absprachen geben muss (z.Bsp Bedarfsmedikation oder was tun bei Verletzungen die nicht ganz klar sind oder wann spätestens melden bei einem HWI, Anfall usw.)

Wichtig immer ein:

ich will mit ihm zusammen eine Lösung finde, ich verstehe sein Problem durchaus wenn er nicht richtig diagnostizieren kann, wenn ich bockig wirke oder verstockt – liegt das nicht am „zicken“ sondern daran, dass ich in der Situation überfordert bin und dissoziiere – erst ins „funktionieren“ rutsche (was oft bockig rüberkommt) und wenn das nicht ausreicht eben völlig erstarre (was auch schon oft genug als verstockt empfunden wurde – weil ich halt einfach nicht mehr reagiert habe – und wenn das mit dem funktionieren auch noch wechselt ist es besonders schlimm).

Ich weiß, dass ich ein schwieriger Patient bin, dass es Probleme im Miteinander geben wird, aber solange ich ernst genommen werde – ist das kein Thema. Das Ernst nehmen ist aber das Wichtigste – denn ich selbst nehme mich und meinen Körper zu oft nicht ernst – und deshalb ist es umso wichtiger, dass der Arzt das macht.

Ich bin wegen „nicht ernst genommen werden“ schon auf der Intensiv gelandet, in eine Suchtproblematik reingerauscht (weil eh schon viele Medis genommen, ging aber immer noch schlecht – grade auch wegen der vielen Medis und meine Angst dass es zu viele sind oder sich Abhängigkeiten entwickeln könnten wurden nicht ernst genommen, sondern wahllos weiter verordnet – auch nachweislich abhängig machende Medis), es wurden deshalb (teilweise schwere) Verletzungen nicht erkannt (z.Bsp eine Kopfverletzung und ein Wirbelbruch, aber auch Brüche der Hand- und Fingerknochen, Knieverletzungen usw.), die teilweise längere Krankenhausaufenthalte nach sich zogen, usw.

Jedesmal bin ich zum Arzt – wurde aber sobald klar war, dass die Schmerzwahrnehmung gestört ist – sofort in die Psycho-Ecke geschoben.

Es gab viele Erfahrungen im Krankenhaus, die für mich noch heute der Horror sind – und die es mir bis heute kaum möglich machen wirklich ins KH zu fahren (und leider nur sehr wenige positives Erfahrungen – eigentlich nur eine). Ich bin seit vielen Jahren sowohl bei meinem Hausarzt (seit ich hier in der Gegend wohne – also 13 Jahre) und bei meinem
Neurologen (nach kurzer Odyssee seit gut 10 Jahren) – bei beiden besteht Vertrauen von beiden Seiten (ironischerweise ist aber für Krankenhäuser auch die Aussage eines Arztes nichts wert – nicht mal eine ärztl. Stellungnahme – da bleibt Psycho doch immer Psycho – und ich habe den Arzt sicher nur manipuliert, überredet, eingewickelt oder überlistet das zu schreiben) – bei den beiden kann ich mich auch melden.
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