Arztbesuche I

Als das mit dem Knie war überlegte ich ob ich hier kurz schreibe, wie das mit den Arztbesuchen so ist. Zumal es übertrieben scheint, wegen einer Kleinigkeit gleich zum Arzt zu rennen.

Grade weil es für mich schwieriger ist, ist es wichtig, dass der Arzt die nötigen Informationen hat bzw. bekommt – und das noch möglichst in kurzer Zeit.

Für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung sind Arztbesuche ein ziemliches Problem.

Zum einen ertragen viel ein „Anfassen“ nicht – es ist ein Trigger, der Flashbacks auslöst und so jede Berührung zur Hölle macht. Zum andern ist es auch so, dass es dabei ja nun mal um den Körper geht – etwas mit dem die wenigsten Traumatisierten umgehen können.

Zu der „normalen“ Scham des Ausziehens kommt da eben immer der alte Mist mit rein.

Aber auch die Untersuchungen an sich gestalten sich schwierig – sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte.

Wie schon mal geschrieben, ist es oft so, dass die Schmerzwahrnehmung nicht oder verzerrt da sein kann – ein Drücken aufs Knie, kann in der Schulter weh tun oder im Schienbein oder einfach nicht „zuordenbar“ sein. Er kann auch gar nicht wahrnehmbar sein, während der Körper vielleicht zurückzuckt (nicht wegen des Schmerzes, sondern wegen der Berührung).

Das macht jede Untersuchung – und jede Diagnostik – schwierig.

Da aber grade beim Anfassen oft ein Dissoziieren einsetzt – ist das ein häufiges Problem. Das ganze macht sehr viel Angst – und es ist äußerst unangenehm. Man schämt sich dafür unendlich.

Die einzige Möglichkeit da wenigstens eine Chance für eine annehmbare Diagnostik zu schaffen ist Offenheit.

Der Arzt muss um die Umstände Bescheid wissen – doch wie vermittelt man das in der Kürze?

Heute reicht oft zu sagen, dass man eine Posttraumatische Belastungsstörung hat und deshalb Angaben zu Beschwerden oft nicht klar gegeben werden können.

Das Problem dabei ist, dass für Ärzte der erste Teil noch vielleicht verständlich ist – der zweite nicht mehr.

Reaktionen wie „dann kann es ja nicht so schlimm sein, wenn sie mir das jetzt nicht sagen können“ – sind eher die Regel als die Ausnahme. Vielleicht sagt es nicht jeder (sondern nur jeder 4. oder so) – aber es denken sich fast alle. In der Regel wird man schnell „abgeschoben“.

Ich hab mir angewöhnt da sehr offen zu sein. Trotzdem ist jeder Arztbesuch eine Qual – und es muss schon sehr schlimm sein, bis ich gehe. Schlimm heißt in dem Fall: der Leidensdruck muss groß sein. Doch grade das wird einem meist nicht geglaubt.

Denn als Psycho sind wir ja alle eh eher Simulanten und was weiß ich was alles.

Besonders schlimm empfinde ich es, dass mir dann nicht mehr geglaubt wird.

Ich reagiere z. Bsp nicht auf Valium – gar nicht – eher werd ich noch munter – aber das wird nicht geglaubt. Also wird vor einem MRT massenhaft Valium gegeben und sich gewundert, warum ich nicht ruhiger werde und immer noch Panik schiebe (bis hin zu „haben sie es überhaupt genommen, wieder erbrochen und was weiß ich noch alles).

Das ist auch in psychiatrischen oder psychosomatischen Kliniken nicht anders – da sollte ich es gegen die Angstzustände bekommen. Es ist echt kein Spass während eines Angstzustandes auch noch zu diskutieren, dass das Zeug nicht wirkt (zumal es vorher schon angegeben wurde) – nein man muss es nehmen – unter Aufsicht (damit man es ja nimmt) – und als Zäpfchen, damit man es nicht ausspuckt usw. Und dann wird gejammert dass es nichts bringt und ich doch gefälligst ein guter Patient sein soll und endlich „normal“ reagieren und mich beruhigen.

Mein Körper reagiert auf Medikamente eigenartig – das weiß ich – und ich verstehe, dass das erstmal alles schräg klingt (und dann auch noch aus der Psycho-Ecke – dann ist eh alles klar). Das muss man dann immer „beweisen“ – indem man den Mist unter Aufsicht nimmt und tausendmal den Blutspiegel messen lässt und das Verhalten beobachtet wird usw.

Sobald man sagt, dass eine psychische Komponente dabei ist – wird man nicht mehr ernst genommen. Das wiederum macht jeden Arztbesuch zu einem Erlebnis, der die Angst davor verstärkt.

Deshalb such ich mir meist in „guten“ Zuständen „meine“ Ärzte aus – das ist ein Hausarzt, ein Neurologe (wenn möglich gleichzeitig Psychiater) und zwangsläufig ein Frauenarzt (um den Urologen drück ich mich immer noch).

Dieser Beitrag wurde unter Leben, Psycho-Somatik, Therapie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.