gefrustet

Bin grad gefrustet.

Ich merke dass alles grade etwas viel ist – doch das will ich nicht einsehen.

Ich muß mich entscheiden – entweder in der Therapie einen Gang runterschalten, damit ich nicht nur den „Basis-Alltag“ hinkriege, sondern eben auch all die Dinge, die ich gerne machen würde (z.Bsp auch an meinem Projekt weitermachen).

Oder eben dranbleiben und dann auch akzeptieren und einsehen, dass ich beim Rest einen Gang runterschalten muss.

Ich komme grade so hin, merke, dass ich die Wochenenden wirklich als Ruhezeit brauche, dass ich abends nicht so zur Ruhe kommen, gleichzeitig auch das Lesen schwerer fällt, ich wahnsinnig müde bin und doch erst sehr spät einschlafen kann, dass ich kaum einen Tag nur für mich habe – und dass ich damit nicht klar komme.

Zwar habe ich keinen Job, aber mir fehlt Zeit – und die knappse ich – klar – an der ab, in der ich nichts mache, sondern mir einfach nur Ruhe gönne. Damit mein ich einfach dasitzen, lesen oder fernsehen – sich nur berieseln lassen – und vor allem: nirgends hin müssen.

Und genau an diesem Punkt kollidiere ich mit Ansprüchen, die von mir kommen, aber eben auch immer wieder in Fragen der „normal arbeitenden Bevölkerung“ auftauchen:

Was machste denn den ganzen Tag – die paar Termine die Woche und sonst frei: ist doch super! Das hätt ich auch gern.

Mir ist durchaus klar, dass ein Außenstehender das nicht verstehen kann – konnte ich damals, als ich noch gearbeitet hab – auch nicht.

Mein Problem dabei ist, dass ich grade diese Ansprüche an mich stelle – ich sage mir: stell dich nicht so an – du hast keinen Job und die paar Termine – jetzt willst du noch mehr frei?

So mit dieser hochgezogenen Braue die sagt: spinnste jetzt völlig?

Es fällt mir grade sehr sehr schwer zu akzeptieren, dass die „psychische Arbeit“ eben auch Arbeit ist – und nicht minder anstrengend – und das das nun mal grade mein Hauptjob ist.

Am letzten Freitag war am Anfang beim EMDR der Moment (wir beginnen immer in meinem „Turmzimmer“, das sozusagen mein „sicherer“ Ort ist, in dem auch keine Widersacher dürfen) – an dem ich mir nur wünschte hier jetzt einfach bleiben zu können, in diesem friedlichen Raum, mit der inneren Ruhe auch – einfach nur Ruhe.

Klar war da auch einfach ein bisschen Schiss vor dem Anderen. Aber ich bin einfach auch an einer Grenze angelangt.

Das war mir letzte Woche schon klar.

Nicht klar ist mir, wo ich nun sozusagen kürzertreten werde – denn dass ich das irgendwo muß ist deutlich.

Fakt ist: im Alltag kann ich nicht mehr sehr viel einsparen, das würde bedeuten, dass ich außer das allernötigste im Haushalt nicht mehr viel passieren wird und dass ich sehr viel deutlicher und bewusster wieder Auszeiten nehmen muss – also kein Fernseher oder Computer nach vier oder halb fünf und diese Zeit wieder mehr mit Entspannungsübungen und Musik füllen – mehr auf mich konzentrieren und die Welt aussperren.

Eigentlich ist auch klar, dass genau das passieren muss – nur hader ich noch.

In der Therapie zurückschrauben läßt sich einfach auch nicht so recht verwirklichen, denn die Themen sind ja nun mal einfach da – und dass die grad auf Hochtouren in mir wirken ist normal – das ist eine unumgehbare Konsequenz der Traumabearbeitung. Klar kann den Inhalt der Datei da „schieben“ – und das werde ich auch – die Teile die zum aktuellen Thema gehören werden mit aufgegriffen, der Rest kommt auf die Liste „muß ich beizeiten mal ran“.

Aber wenn das klar ist – woran happert es dann?

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