Geister und Dämonen

Was sind es denn für Geister und Dämonen, die aktuell in mir rumspuken.

Zum einen geht es natürlich um die Missbrauch-Situationen – grade die, die wir aktuell auch aufgreifen. Ich kann sie immer wieder spüren – so als würde sie in diesem Moment passieren. Mittlerweile nicht mehr so geprägt von Schmerz, aber dennoch deutlich und klar.

Es geht aber auch um die Fassungslosigkeit, dass der Vaters, der meine einzige Bezugsperson war – eben auch eine andere Seite hatte.

Zwar weiß ich den Missbrauch schon lange, dennoch war es nicht mit Gewalt und Rohheit gekoppelt. Und es ging immer nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Doch plötzlich ist es eine Situation, in der er durchaus Gewalt an wand und Schmerz zufügte. Es ist etwas zerbrochen in mir. Und ich muß das Bild das ich von ihm hatte, revidieren.

Nur wenn er auch noch wegfällt – dann hatte ich niemanden mehr – und ich kriege die schönen Momente mit ihm nicht mit den anderen unter einem Hut.

Dann ist da meine werte Mutter, mit der mich nichts positives verbindet, die so gefangen in ihrer eigenen Welt war, dass sie niemand anderen sehen konnte.

Es tut einfach nur sehr weh.

Dann sind da die Stimmen: du taugst nichts, bist nichts wert, hast es so gewollt, weißt ja was zu tun ist, hast ja gefragt, usw. usw.

Und die Zweifel: das bildest du dir alles nur ein, das hätte doch jemand merken müssen (was wieder so manche – erfolgreiche – Vertuschungsaktion der Mutter in Erinnerung bringt), du warst ja ständig in der Klinik, die hätten doch was merken müssen usw. usw.

Es gibt die Begründungen und Erklärungen warum es eben niemand merken konnte, dass die Eltern da Hand in Hand gearbeitet haben und meine Mutter auch einer Kinderklinik, die sie nicht kannte, erklären konnte, warum die 10-jährige Pflegeschwester mit massiven Untergewicht keinesfalls essgestört sei, sondern wegen einer Salmonellenvergiftung so viel abgenommen hatte oder in der Schule erklärte, dass sie sich mit dem Verweigern vom Essen nur wichtig machen wollte – und zwar jedesmal erneut erfolgreich.

Es „reicht“ nicht mal, dass der Vater es ja nie bestritten hat, zugab, dass da „was“ passiert ist. Denn dieses „was“ kann alles bedeuten – und nichts.

Ich kann meinen Gefühlen nicht trauen, der Körper verrät mich, denn er empfindet Dinge, die aktuell definitiv nicht stattfinden, wie kann ich erkennen, was von den Gedanken nun wirklich ist – und was die Dämonen von früher sind, das was mir eingetrichtert wurde?

Was macht man mit einer Vergangenheit vor der man eigentlich nur weglaufen möchte – und doch weiß, dass es nicht geht, weil sie einen immer und immer wieder einholt – oft genug in solch massiven Ausmaß, dass man Schwierigkeiten hat die Vergangenheit vom heute zu unterscheiden.

Was macht man damit, dass man sich selbst in den Staub treten will, weil man es nicht anders kennt – man Jahrzehnte in den Staub getreten wurde?

Wie soll man Vertrauen lernen, wenn man sich selbst nicht trauen kann und sich selbst so sehr hasst, dass man nicht verstehen kann, dass irgendjemand mit einem zu tun haben will – wie soll man vertrauen, dass mal jemand etwas ohne Hintergedanken macht?

Was macht man mit der Trauer, mit der Scham, der Hilflosigkeit und Ohnmacht, man eigentlich wütend sein will, aber alles was bei raus kommt ein wütend auf sich selbst sein ist? Und nicht zuletzt mit den Schuldgefühlen und der Schuld – wo auch immer sie hingehören mag?

Unzählige Male haben Menschen, die eigentlich Halt geben sollten, bewiesen, dass ich nichts wert bin, dass man mich benutzen kann wie man grad lustig ist und dass ich höchstens als Werkzeug zur Befriedigung perfider Gelüste zu dienen habe. Deren Stimmen sind die Geister und Dämonen.

Es ist verdammt hart denen etwas entgegenzusetzen, sie haben 35 Jahre Erfahrungswerte auf die sie zurückgreifen können, unzählige Beispiele und Verzerrungen, während ich erst seit einem Jahr versuche mich da gegen zu wehren und wenigstens mal zuzulassen, dass es die – wenn auch klitzekleine – Möglichkeit eben könnte, dass die vielleicht doch nicht recht haben könnten. Es ist unglaublich schwer, alte – eingeschworene – Verhaltens- und Denkmuster zu erkennen, aufzubrechen, zu überprüfen und dann aufzugeben.

Aber hey: niemand hat gesagt, dass das Leben einfach ist – und immerhin hab ich die Möglichkeit daran zu arbeiten.

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