WENN ES DICH INTERESSIERT HÄTTE ….

– wenn es dich interessiert hätte,
hätte ich dir gesagt:
es geht mit schlecht;
ich brauche Hilfe

– wenn es dich interessiert hätte,
hätte ich dich gefragt:
Was ist der Sinn des Lebens,
ich kann meinen nicht finden.

– wenn es dich interessiert hätte,
hätte ich dich gebeten
meine Hand zu nehmen
und mir beizustehen,
mir zu helfen

– wenn es dich interessiert hätte,
hätte ich von dir Leben lernen können

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du verhindert,
dass ich mir regelmäßig den Kopf blutig schlug

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du nicht gelogen,
um den Schein zu wahren

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du mich nicht allein gelassen,
als/wenn ich dich dringend brauchte

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du nicht gedankenlos alles ausgeplaudert
und so mein Vertrauen zerstört

– wenn es dich interessiert hätte,
hätte ich dich nicht bitten müssen.
Du hättet von dir aus gegeben
und mich nehmen lassen

– doch da es dich nie interessiert hat,
hatte ich nie die Chance zu leben –
so war und bin ich in meiner Erinnerung
und meinem Inneren
schon mein Leben lang tot.

Aber: Ich kann dich ja verstehen

Denn: Was soll an mit schon interessant sein?!

entstand vor über 10 Jahren

Die meiste Zeit ist der letzte Abschnitt für mich kein Thema mehr. Heute lebe ich und fühle mich nicht mehr tot. Im Gegenteil – ich habe erst angefangen zu leben – und das geb ich nicht mehr her.

Nur der letzte Satz bricht dann doch immer wieder mal durch. Ich arbeite dran und irgendwann werde ich mich selbst vielleicht auch mögen.

Es war damals an die Mutter gerichtet – doch heute würde ich da glaub ich noch so den einen oder anderen Absatz dazu schreiben:

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du mich nicht verletzt und benutzt
um deine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du mich nicht missbraucht
und auch nicht zugelassen, das andere das tun

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du wenigstens einmal an mich gedacht
und nicht nur an dich und
dass du nach außen hin (und um jeden Preis)gut dastehst

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du mich nicht als Jugendliche
„verschachert“ und angepriesen wie eine Milchkuh,
weil „mich ja sonst niemand nimmt/will“

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du mich besucht
als ich auf der Intensivstation lag,
statt damit hausieren zu gehen,
damit du wieder die
arme bemitleidenswerte Mutter bist,
geschlagen mit einem kranken Kind –
um mir dann Vorwürfe zu machen,
dass es dir da ja so schlecht ging

– wenn es dich interessiert hätte,
hättest du nur einmal hingesehen, hingehört, mich wahrgenommen –
als Mensch, als Individuum, als dein Kind –
und nicht als Werkzeug das man benutzt und dann wegwirft
wenn es nicht mehr alle – vor allem die perfiden
Anforderungen erfüllt

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